XVI. Die Großherzoglich Badische Ruprecht-Carls-Universität
zu Heidelberg.
I. Geschichtliche Übersicht.
Heidelberg ist die älteste Universität inı Gebiete des jetzigen
Deutschen Reiches. Sie wurde durch den Kurfürsten Ruprecht TI.
von der Pfalz mit Genehmigung des Papstes Urban II. gegründet. Die
ersten Vorlesungen wurden am 19. Oktober 1386 gehalten, und schon
in ihrem ersten Jahre zählte die neue Schule mehr als 500 Studierende.
Die Geschicke der Universität blieben in den folgenden Jahrhunderten
in enger Abhängigkeit von der allgemeinen politischen Lage und von
der Persönlichkeit der Fürsten, die den Kurstuhl inne hatten. So
nahm sie im 16. Jahrhundert unter dem Freunde der Künste und
Wissenschaften Kurfürst Otto Heinrich einen großartigen Aufschwung,
der unter seinen nächsten Nachfolgern noch fortdauerte; ausgezeichnete
Gelehrte, u. a. der große Jurist Donellus, lehrten damals in Heidelberzr.
Die Kriege des 17. Jahrhunderts unterbrachen wiederholt und für
lange Zeit ihren Fortbestand. Von 1631 bis 1652 und wiederum von
der Zerstörung der Stadt im Jahre 1693 bis zum Jahre 17 war die
l.chrtätigkeit eingestellt. Im 18. Jahrhundert erlangte die Hochschule
ihre frühere Blüte nicht zurück und hatte unter ihren Lehrern keinen
Namen von bedeutendem Klange. Als aber 1803 die rechtsrheinische
Pfalz an Baden hel, wurde die Universität durch den Kurfürsten Karl
Friedrich vollkommen neu begründet sowohl hinsichtlich der gesetzten
Ziele als der zur Verfügung gestellten materiellen Mittel. Ts gelang
schr bald, ausgezeichnete Lehrkräfte zu gewinnen und der Anstalt
einen hohen Rang unter den deutschen Universitäten zu verschaffen.
Ihre Bedeutung während des ganzen 19. Jahrhunderts läßt sich durch
die Anführung ihrer hervorragendsten Lehrer kennzeichnen.
In der theologischen Fakultät wirkten in den ersten Jahren der
Neubegründung Daub, Marheinecke und De Wette, von denen die