Full text : Realienbuch nebst einem Anhange für Deutsch und Raumlehre.

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mit  wenig  Luft  gefüllte,  schlaffe  Tierblase  wird  in  der  Wärme  voll  und  straff.  Die
Wärme  dehnt  Eisen,  Wasser  und  Luft  aus.  Wärme  dehnt  alle  Körper  aus.
Kälte  zieht  sie  zusammen.  Wie  macht  das  Wasser  hiervon  doch  eine  gewisse
Ausnahme?  Ein  kaltes  Glas,  in  welches  man  schnell  eine  heiße  Flüssigkeit  gießt,
zerspringt,  weil  die  Wärme  feste  Körper  nicht  immer  gleichmäßig  ausdehnt.  Manche
feste  Körper  werden  in  Wärme  flüssig,  weich,  sie  schmelzen.  Andere,  wie  Moschus,
Kampfer  werden  durch  Wärme  in  luftförmige  verwandelt,  sie  schwinden.  —  Wird
Wasser  längere  Zeit  in  einem  unbedeckten  Gefäße  gekocht,  so  verwandelt  es  sich  in
Dampf,  also  einen  luftförmigen  Körper.  Wärme  verwandelt  flüssige  in  luft—
förmige  Körper.  Geht  bei  mäßiger  Wärme  die  Dampfbildung  an  der  Oberfläche
ovor  sich,  so  verdunstet  die  Flüssigkeit;  geschieht  sie  bei  größerer  Wärme  im  Innern
derselben,  so  verdampft  sie.  Verdunsten  flüssige  Körper,  so  entziehen  sie  ihrer  Um—
gebung  einen  Teil  der  Wärme,  sie  binden  Wärme.  Verwandeln  sich  die  Dämpfe
durch  Abkühlung  wieder  in  flüssige  oder  feste  Körper,  so  wird  die  gebundene  Wärme  frei.

40.  Vom  Winde.  Wenn  wir  draußen  ein  Sausen  und  Rauschen  in  der  Luft
hören,  die  Turmfahnen  sich  drehen  und  die  Baumwipfel  sich  neigen  sehen,  so  nennen
wir  diese  Erscheinung  Wind.  Der  Wind  ist  eine  Bewegung  der  Luft.  Ist  es
an  irgend  einer  Stelle  der  Erdoberfläche  wärmer  als  an  einer  andern,  so  wird  die
darüber  lagernde  Luft  ausgedehnt,  also  dünner.  Die  nebenher  lagernde  kältere  Luft
strömt  nun  sofort  vermöge  ihrer  Spannkraft  nach  dieser  Stelle  hin,  und  es  entsteht
ein  Luftzug  oder  Wind.  —  Das  Land  wird  am  Tage  von  der  Sonne  stärker  erwärmt
als  das  Wasser,  darum  strömt  dann  die  kältere  Luft  vom  Meere  nach  dem  Lande  zu.
Seewind.  Wann  weht  dort  ein  Landwind?  Außerdem  werden  die  Winde  nach  den
Himmelsgegenden,  aus  welchen  sie  wehen,  benannt.  Wirbelwinde  bewegen
sich  schraubenartig  von  unten  nach  oben.  —  Schädliche  Winde  sind  der  Sirokko  in
Italien,  der  Föhn  in  der  Schweiz,  der  Solano  in  Spanien,  der  Samum  in  Afrika.

41.  Wässrige  Lufterscheinungen.  So  lange  der  Dampf  seine  Wärme  behält,
ist  er  unsichtbar.  Kühlt  er  sich  in  geringerm  Grade  ab,  so  vereinigen  sich  viele  unsichtbare
  Wasserteilchen  zu  Wasserbläschen  oder  kleinen  Tropfen.  Er  wird  dann  sichtbar
  und  heißt  Nebel.  Nebel  ist  verdichteter  Wasserdampf.  Hoch  in  der  Luft
schwebende  Nebel  heißen  Wolken.  Verdichten  sich  die  aufgestiegenen  Wasserdämpfe
noch  mehr  in  der  Luft,  so  entstehen  größere  Wassertropfen,  die  als  Regen  auf  die
Erde  fallen.  Zeigen  sich  Höfe  um  Sonne  oder  Mond,  so  kommt  gewöhnlich  bald
Regenwetter,  weil  die  von  den  genannten  Weltkörpern  ausgehenden  Lichtstrahlen  in
den  Wasserdämpfen,  welche  die  Atmosphäre  in  großer  Menge  enthält  (darum  auf
baldigen  Regen  zu  rechnen),  gebrochen  werden.  —  Liegt  die  Temperatur  der  obern
Luftschichten  unter  dem  Gefrierpunkt,  so  setzen  sich  die  da  oben  schwebenden  Wasserdämpfe
  und  Tropfen  zu  Schneeflocken  oder  Hagel  zusammen.  —  In  kühlen
Nächten  nach  warmen  Tagen  kühlt  sich  auch  der  Erdboden  infolge  der  Wärmeausstrahlung
  stark  ab.  Die  dem  Erdboden  nahen  Luftschichten  werden  dadurch  abgekühlt.
Die  Wasserdämpfe,  mit  welchen  sie  gemischt  sind,  verdichten  sich  und  hängen  sich  in
Tropfenform  an  alle  dem  freien  Erdboden  nahen  Gegenstände  an.  Man  sagt:  es  hat
getaut.  Warum  taut  es  bei  bewölktem  Himmel  und  in  klaren,  windigen  Nächten
nicht?  Sinkt  bei  der  Wärmeausstrahlung  die  Temperatur  unter  den  Gefrierpunkt,
so  frieren  die  Tautropfen  zu  Eis.  Es  hat  gereift.  Reif  ist  gefrorner  Tau.

42.  Das  Thermometer  Fig.  12  (Wärmemesser)  dient  zur  Messung  des
Wärmegrades  eines  Körpers,  gewöhnlich  der  Luft  oder  des  Wassers.  Es  besteht
aus  einer  dünnen  Glasröhre  und  dem  Maßstab  oder  der  Skala.  Die  Glasröhre
ist  teilweise  mit  Quecksilber  gefüllt  und  an  beiden  Enden  geschlossen.  Der  Maßstab
besteht  aus  Holz  oder  Papier.  Auf  ihm  liest  man  die  Worte:  Eispunkt,  Siede-