Jede Stadtgemeinde muß einen Ausschuß für Gemüsebau haben. 95
Ist danach der große Wert des Kriegsgemüsebaues
ohne weiteres klar, so sei doch hier auch noch kurz seiner erziehlichen
Bedeutung gedacht. Gab doch der Kriegsgemüsebau
neben der wirtschaftlichen Hilfe bei der steigenden Teuerung
den Anreiz zu gefunder, den Körper stählenden Tätigkeit
in freien Stunden an Stelle oberflächlicher und kostspieliger
Zerstreuungen und damit eine Ablenkung von der
oft drückenden Not der Zeit; nicht vergessen sei auch die Erweckung
der Liebe zur Natur bei Erwachsenen und Kindern.
Wo bei der Aufteilung größerer Grundstücke die Zusammenfassung
vieler Anbauer erfolgte, wurde auch der Jugend
durch Schaffung von Spiel- und Tummelplätzen besonders
gedacht
Die Erkenntnis der volkswirtschaftlichen Bedeutung dieses
Kriegsgemüsebaues ist nirgends größer als in den Kreisen
der Gemüsebauer selbst. Dies zeigt sich am besten in der
starken Nachfrage nach Land. Im Jahre 1916 hatten wir
in Breslau über 2500 Kriegsgemüsebauer. Die Heranziehung
von Hausgärten für den Gemüsebau hat sich nicht
bewährt, da sie meist zu wenig Luft und Sonne haben.
Der Hunger nach Gemüseland ist, wie bereits erwähnt,
andauernd groß. Er kann im vermehrten Maße befriedigt
werden, wenn die Städte sich entschließen, alle ihre Ländereien
sowohl im Weichbilde als auch in allernächster Umgebung
des Stadtgebietes dem Gemüsebau zuzuführen.
Solche Ländereien werden jetzt sehr oft, um höhere Pachterträgnisse
zu erzielen, auf Jahre hinaus zur landwirtschaftlichen
Benutzung verpachtet. Von diesen Pächtern wird aber
meistens der Anbau von Brotgetreide, Hafer usw. betrieben.
Von den Kleinpächtern wird das Gelände jedoch in viel
durchgreifenderer Weise und zwar lediglich zum Anbau von
Gemüse und Kartoffeln ausgenützt. Hierdurch wird die
Menge der erzeugten Nahrungsmittel vermehrt. Auf diese
Weise könnten noch einige hunderttausend Quadratmeter dem
Anbau von Gemüse und Kartoffeln zugeführt werden. In