Junerer Ausschwung Brandenburgs 99
nung getragen haben und damit die Vorläufer der modernen Ge—
schichtswissenschaft geworden sind. Die Universitäten zu Frankfurt
a. O. und Königsberg wurden ausgestaltet, am Rhein eine neue
Hochschule in Duisburg errichtet, in Berlin die große Bibliothek begründet.
Die Verwaltung der königlichen Domänen wurde neu geordnet,
die Erträgnisse derselben durch bessere Bewirtschaftung und durch
große Sparsamkceit gehoben und als erster der Hohenzollernfürsten
hat Friedrich Wilhelm die spärlichen, aber weise zusammengehaltenen
Geldmittel des Landes dazu verwendet, um eine tüchtige Armee
ins Feld zu stellen. Schon 1656 konnte er über 26 000 Mann verfügen;
treffliche Generale wie Sparr, Derfflinger, Schöning, Friedrich
von Homburg, Johann Georg von Anhalt halfen ihm sie zu erziehen
und zu führen, er selbst war ein kriegerischer Fürst, der gerne
an der Spitze seiner Regimenter weilte, der gerne eine felddienstmäßige
Tracht trug. Man darf den Großen Kurfürsten den Schöpfer
des preußischen Heeres nennen; bei Warschau sind diese Truppen
zum ersten Male glanzvoll hervorgetvreten; unter ihm wird der Übergang
vom Söldnerwesen zum stehenden Heere durchgeführt. Was
er bei seinem Regierungsantritte vorgefunden hatte, war eine kleine
disziplinlose Horde von wenig über zweitausend Mann, mit ungebildeten
Offizieren, ganz von ihrem Obersten abhängig, nur darauf
bedacht, sich zu bereichern.
Der Gedanke einer Landesverteidigung durch Milizen war wohl
vorhanden, aus dem alten Lehensystem hatte er sich entwickelt, aber,
wo sie konnten, entzogen sich die Landlente der notwendigen Leistung;
der eine sandte wohl als gestellten Soldaten einen Taubstummen,
der andere zur Reiterei einen Klepper, der nicht mehr vorwärts konnte.
In langsamer, mühsamer Arbeit hat der Kurfürst da Besserung gebracht,
1656 neue Kriegsartikel mit einem neuen Kriegseid eingeführt,
den die Soldaten nunmehr nur ihm allein, nicht wie etwa früher auch
noch dem Kaiser zu leisten hatten. Die Kriegsartikel, in denen beispielsweise
auch für die moralische Erziehung der Truppen durch Anhaltung
zum Gottesdienste (kein Soldat solle bei Strafe des Halseisens
den Gottesdienst versäumen, der Feldkaplan sich aber nicht
etwa trunken dazu einstellen) gesorgt wurde, drohten den Gemeinen
wie den Offizieren mit grimmen Strafen bei allerlei Vergehen
— aber barbarische Züchtigungen wie Nasen= und Ohrenabschueiden,
die noch lange in der kaiserlichen und in der französischen
Armee üblich waren, vermißt man hier bereits. Die Unabhängigkeit
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