Contents : Deutsche Weltpolitik 1890-1912.

154  IV.  DIE  EINKREISUNG  DEUTSCHLANDS.

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persien  und  Afghanistan  für  England,  Tibet  für  China)  konnte
Deutschland  keinen  Anspruch  erheben.  In  Persien  hatte  es
beträchtliche  Handelsinteressen,  aber  gar  keine  politischen  Interessen.
  Nach  dem  Vertrag  sollte  die  Unabhängigkeit  Persiens
geachtet  werden.  Wenn  auch  in  einem  Austausch  von  Erklärungen
neben  dem  Vertrag  die  speziellen  Interessen  Englands  am  Persischen
  Golf  anerkannt  wurden,  versicherte  doch  Sir  Edward
Grey  gleichzeitig,  daß  England  nicht  den  Wunsch  hege,  den
legitimen  Handel  andrer  Mächte  auszuschließen,  d.  h.  die  Tür
für  den  Handel  sollte  offen  bleiben  (Kap.  183).

Bei  den  Verhandlungen  hatte  England  insofern  Entgegenkommen
  gezeigt,  als  die  russischen  Anteile,  geschätzt  nach  Fläche,
Einwohnerzahl  und  Zolleinnahmen,  um  ein  Vielfaches  größer
waren  als  die  englischen.  Verglichen  mit  dem  Eroberungsprogramm,
  das  der  russische  Botschafter  am  ı.  Januar  1898  in
Berlin  (S.  45)  übergeben  hatte,  war  das  freilich  verschwindend
wenig.  Für  England  fielen  gegenüber  der  außerordentlichen
Stärkung  seiner  weltpolitischen  Stellung  jene  Konzessionen  an
Rußland  überhaupt  nicht  ins  Gewicht.

Mit  der  englisch-russischen  Entente  war  die  Ringbildung
um  Deutschland  vollendet.  Zwar  verfolgte  die  englische  Staatskunst
  mit  dem  Vertrag  in  erster  Linie  das  Ziel  einer  weiteren
Sicherung  der  Grenzen  Indiens,  ein  Bestreben,  das  an  und  für
sich  verständlich  und  legitim  war.  Aber  dabei  spielte  unzweifelhaft
  die  Absicht  mit,  den  russischen  Ehrgeiz  zurück  nach  seinem
alten  Tummelplatz  im  Nahen  Orient  zu  lenken,  wo  sich  der
gefährlichste  unter  der  Asche  glimmende  Feuerbrand  in  Europa
befand.  Daß  man  sich  der  bösen  Folgen  für  Deutschland  bewußt
wat,  darauf  läßt  schon  der  besondre  Eifer  schließen,  mit  dem
König  Eduard  das  Abkommen  mit  Rußland  zu  beschleunigen
suchte.  Als  Graf  Witte,  der  russische  Vertreter  auf  der  Friedenskonferenz
  in  Portsmouth,  im  Begriff  war,  aus  Amerika  zurückzukehren,
  erhielt  er  durch  den  Sekretär  der  russischen  Botschaft
in  London,  Poklewski,  einen  Freund  des  Königs  Eduard  und
bekannten  Deutschenfeind,  eine  Einladung,  die  Rückreise  über
London  zu  machen;  beigefügt  war  die  vom  König  und  dem