Metadata : Quellensammlung zur Entwicklungsgeschichte des modernen Staates. Zweiter Band. (2)

J.  Görres:  Teutschland  und  die  Revolution.  21

zum  tither  qualmen  und  seine  Sterne  verhüllen  wollen  und
bestreiten,  dann  rettet,  wie  billig,  der  Bedrohte  seine  höhere
Würde  und  kämpft  die  Anstrebenden  mit  Macht  zur  Tiefe
nieder.  Dies  geschah,  als  in  heinrich  IV.  die  vernunftlose
hyle  1  gegen  die  Weltordnung  sich  empörte.  Da  wurde  jener

große  Mann  5  gesendet,  den  die  neuere  Seit  in  ihrer  blinden
Torheit  so  hart  geschmäht,  daß  er  mit  Blitzen  den  aufsteigenden
  Frevel  niederwarf  und  die  Freiheit  der  Kirche
rettete.  In  dem  Widerspruch  des  heftigen  Kampfes  aber
wurde  nach  dem  gemeinen  Gang  der  Dinge  das  andere
Rußerste  hervorgerufen,  und  die  Kirche,  ihres  Sieges  sich
übernehmend,  trat  nun  auf  der  andern  Seite  aus  ihren
Ufern  und  maßte  sich  in  manchem  der  folgenden  Häpste  3
eine  herrschaft  über  das  Weltliche  an,  die  unterhalb  des
Umkreises  ihrer  Befugnisse  fiel.  Zuch  diese  Kusweichung
von  der  einzig  richtigen  harmonischen  Konsonanz  mußte  eine
andere  Rüchwirhung  erwecken,  die  in  der  Reformation  zur
völligen  Entwichlung  ham.

Seither  ist  jene  politische  Jehte  aufgestanden,  die  da  behauptet,
  die  Kirche  sei  im  Staat  begriffen,  und  dieser,  der
neben  sich  nicht  seinesgleichen  dulden  dürfe,  müsse  darum
notwendig  die  herrschaft  über  die  Unterworfene  führen.
Eine  solche  Lehre,  die  die  Uotwendigkeit  über  die  Freiheit
setzt,  die  das  Geistige  wieder  der  Dienstbarheit  des  Irdischen
überliefert,  dem  es  gerade  das  C(hristentum  im  Streite  mit
dem  alten  heidentum  entrungen;  die  den  Gedanken,  der
allem  Sinnlichen  erst  Signatur  und  Namen  gibt,  in  die
Fesseln  der  Materie  schlägt,  obgleich  ganz  dem  Geiste  dieser
Seit  gemäß,  ist  in  sich  selber  so  demütigend  und  empörend,
daß  sicher  gerade  hier  der  Wendepunkt  sein  wird,  wo  dieser
Heist,  der  nun  auch  zu  seinem  Kußersten  gehommen,  gezwungen
  sein  wird,  wieder  einer  höheren  und  würdigeren
Ansicht  das  Feld  zu  räumen.  Eine  Kirche,  die  bei  der
teutschen  Souveränität  zu  hofe  ginge,  die  ihr  nachtretend
in  so  viele  Faktionen  wie  jetzt  das  gemeine  Wesen  sich  ver-