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Großstädten gehörten dazu Aachen (auch frei von Masern), von Städten mit 40 000
bis 100 000 Einwohnern Münster, Duisburg und Wiesbaden. Nieder-Schönhausen
(s. auch unter „Masern"), Plötzensee, Tegel, Eschweiler, Paderborn waren, 1890 mitgerechnet,
vier Jahre, Ingolstadt sogar fünf Jahre hinter einander ohne Todesfälle an
Scharlach. Eine Sterblichkeit von mehr als 10,0% 00 wurde nur in den 3 Orten Frankfurt
a. O. (14,2), Kaiserslautern (18,3) und Merseburg (25),0) beobachtet, deren Durchschnittsziffern
zwar den Gesammtdurchschnitt überragen, aber doch hinter den Ziffern
des Berichtsjahres erheblich zurückbleiben. Die durch ihre hohe Scharlachsterblichkeit
sonst besonders hervorragenden Orte Königshütte, Ratibor, Beuthen und Apolda hatten
1890 nur 6,1, 2,4 und je 4,4% 00 Todesfälle zu verzeichnen.
Todesfälle an Diphtherie und Croup kamen in Tegel (auch schon in den drei
vorhergehenden Jahren), Pankow und Friedenau nicht vor. In 69 Orten betrug die
Sterblichkeit zwischen 10,1 und 20,0 auf je 10 000 Eimvohner, darunter in Berlin 10),
Nürnberg 10,8, Breslau 11,9, Königsberg 12,1, Hannover 14,4, Frankfurt a. M. 16,0,
Stuttgart 17,7/%% in 21 Orten stieg sie noch höher. Von den letzteren lagen nur 6
(Hagen, Lüdenscheid, Siegen, Gießen, Göttingen, Linden) in der westlichen Hälfte des
Reichs. Göttingen und Linden wiesen allerdings mit 48/1 und 70,1% o die höchsten
Ziffern auf, wobei indeß zu berücksichtigen ist, daß Göttingen, wie auch das oben genannte
Gießen, eine Universitätsstadt ist. Linden dagegen bildet einen ständigen Herd für
Diphtherie und Croup, wie sein Durchschnitt 1886/90 mit 54,0% 0 ergiebt. 4 der östlichen
Orte liegen in dem durch hohe Diphtheriesterblichkeit im Allgemeinen hervorragenden
Saale-Elbegebiet, 1 (Bamberg 30,7 % o) in Bayern, 2 in Brandenburg, die
übrigen, mit Ausnahme von Posen, nicht weit vom Meere entfernt. Sämmtliche in
Rede stehenden 21 Orte hatten zwar außer Flensburg und Insterburg 1890 eine höhere
Diphtheriesterblichkeit als im Einzeldurchschnitt zu verzeichnen, gleichwohl gehört zu
ihnen nicht ein einziger Ort, der sich für gewöhnlich einer geringen Diphtheriesterblichkeit
zu erfreuen hätte, da auch die niedrigsten Durchschnitte, welche auf Gr. Lichtenfelde
und Lüdenscheid fielen, 7,3 und 9,8 % 00 betrugen.
Die Sterblichkeit an unterleibstyphus, welche sich schon seit einer Neihe von
Jahren ermäßigt hat, war mit 1,6%° sehr günstig. 1880 belief sie sich noch auf 4,3%o4
Diesem allgemeinen Ergebniß entspricht es, daß in 21 Orten Typhus als Todesursache
überhaupt nicht aufgeführt ist, wie andererseits nur Gelsenkirchen mehr als 10,0% 00
(10,6%% ) Todesfälle aufzuweisen hatte. Aber auch in diesem Orte zeigt die Durchschnittsziffer
1885.90 (12,0% 00), daß eine Besserung im Berichtsjahre eingetreten ist.
Todesfälle an Kindbettfieber kamen in 57 Orten, welche mit Ausnahme von
Rostock, Potsdam und Fürth sämmtlich weniger als 40 000 Eimvohner zählten, nicht
zur Meldung. Die höchsten Prozentsätze fielen durchweg auf Orte mit weniger als
40 000 Einwohner und einer ziemlich starken Arbeiterbevölkerung, nämlich Hagen (2,6),
Luckenwalde, Colmar (je 2 ) Königshütte (2,9— 1881/90: 3,1) und Werdau (3,7— 1889: 6,8).
Die Abnahme der S chtssterblichkeit, welche sich schon seit 1885 bemerkbar
machte, ist im Berichtsjahre erheblich fortgeschritten, nämlich von 31,1% 0 im Vorjahre
auf 29,7. Eine über den Durchschnitt (32,5 %00) hinausgehende Sterblichkeit wurde
in 79, eine solche von mindestens 45/,0%0 in 17 Orten beobachtet. Bei diesen
letzteren handelt es sich um Orte mit ständig hoher Schwindsuchtssterblichkeit, wenngleich
sich wenigstens der Durchschnitt von Plötzensee und Landshut um etwa 10,0%
niedriger als im Durchschnitt stellte. Die übrigen Orte sind theils Universitätsstädte
(Würzburg, Erlangen), theils solche mit reger gewerblicher Thätigkeit, unter denen sich
neben Nürnberg, Fürth, Hanau besonders die bekannten rheinischen Fabrikorte Remscheid
(73.0 — Höchstbetrag), Solingen, Mülheim a. Rh., M.-Gladbach finden.
Mediz.-stat. Miltheil. a. d. Kaiserl. Gesundheildamie. Band I. 10