306
wurde zum 1. Oktober 1913 nach dem Schießplatz Wünsdorf verlegt
und erhielt ein Stammbataillon von 4 Kompagnien. Ihre Lehr—
M. G.-Kompagnie ist schon erwähnt.
Die Zahl der Unteroffizierschulen vermehrte sich durch die am
31. März 1900 gestiftete zu Treptow a. R. (4 Kompagnien) auf
7 preußische und eine sächsische. Ferner bestand seit dem 1. April 1894
eine bayerische in Fürstenfeldbruck (2 Kompagnien), mit der eine
Vorschule (1 Kompagnie) verbunden war. Die Unteroffizierschule
zu Biebrich wurde 1914 nach Wetzlar, die zu Jülich 1916 nach Northeim,
die sächsische zu Marienberg 1916 nach Frankenberg verlegt.
Die Unteroffizierschüler traten als Zweijährig-Freiwillige ein mit der
Verpflichtung, beim Truppenteil 4 Jahre aktiv zu dienen.
Die Unteroffiziervorschule zu Annaburg, die bisher dem dortigen
Militärknabenerziehungsinstitut unterstand, war seit dem 1. April
1899 selbständig. Neue Unteroffiziervorschulen zu 2 Kompagnien
wurden 1888 in Neubreisach, 1891 in Jülich und Wohlau, 1895 in
Bartenstein, 1896 in Greifenberg (Pommern)y errichtet, sodaß insgesamt
7 preußische und eine sächsische bestanden. Die zu Neubreisach
wurde 1910 nach Sigmaringen verlegt. Sie stellten Ersatz für die
Unteroffizierschulen. Die Unteroffiziervorschüler dienten für jedes
auf der Vorschule zugebrachte Jahr 2 Jahre aktiv beim Truppenteil.
Zwei neue Unteroffiziervorschulen, die 1915 errichtet und zunächst
beide in Jena untergebracht wurden, befanden sich die eine seit 1916
in Frankenstein, die andere seit 1917 in Mölln i. L. Württemberg
errichtete 1917 eine Unteroffiziervorbildungsanstalt in Ellwangen.
Die Kavallerie behielt 1893 die dreijährige Dienstzeit bei,
dafür blieben ihre Mannschaften seitdem nur drei Jahre in der Landwehr
1. Aufgebots. Von den im Kriegsfalle aufzustellenden 11 Kavalleriedivisionen
bestand seit 1890 im Frieden nur noch die Gardekavalleriedivision
461), doch fanden alljährlich Ubungen zusammengestellter
Kavalleriedivisionen statt. Zu ihrer Leitung wurden durch
A. K.O. vom 20. Februar 1890 die Stellen von zwei Kavallerie=Inspekteuren
geschaffen, auch wurde am 10. April 1890 eine ständige
Kavalleriekommission eingesetzt. Am 31. März 1898 wurde eine
Generalinspektion der Kavallerie errichtet und die Zahl der Kavallerie=Inspektionen
auf vier vermehrt.
Im Jahre 1888 wurden die Kürassiere, 1889 und 1890 auch die
Dragoner und Husaren (Leibgardehusaren schon 1888) mit Lanzen,
seit 1890 aus Stahlrohr, bewaffnet. Bei den Kürassieren fiel 1888
der Küraß für die Feldausrüstung fort, und sie erhielten gleich der
übrigen Kavallerie für die volle Mannschaftsstärke Karabiner 88,
später Karabiner 98. Statt der bisherigen Kavalleriesäbel erhielten
1890 Dragoner, Husaren und Ulanen den kürzeren Kavalleriedegen 89.
Die Ausrüstung wurde 1895 verändert, sodaß Karabiner und Degen
11) Sie war seit 1. 4. 1890 in 4 statt in 3 Brigaden eingeteilt.