Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Achter Jahrgang. 1867. (8)


226                         Die  sũddeutschen  Staaten.

erging  an  die  großh.  hessische  Regierung  für  Süd-Hessen.  Die  Note  entwickelt
  einen  Theil  der  Gedanken  über  das  künftige  Verhältniß  der  süddeutschen
  Staaten  zu  dem  norddeutschen  Bund,  welche  in  der  von  dem  könizl.
bayerischen  Staatsminister  Fürsten  Hohenlohe  in  der  31.  Sitzung  der  bayerischen
  Kammer  der  Abgeordneten  vom  8.  d.  M.  gehaltenen  Rede  niedergelezt
sind.  Die  beigelegte  Ministerial  -Erklärung  vom  6.  Mai  enthielt  artikulirte
Vorschläge  über  die  Gründung  eines  weiteren  Bundes  zwischen  den  vier  süddeutschen

  Staaten  einerseits  und  dem  norddeutschen  Bund  anderseits.  Nachdem

  im  Wege  der  Correspondenz  zwischen  den  betheiligten  Ministern  der
auswärtigen  Angelegenheiten  einige  Modificationen  der  bayerisch=  württembergischen
  Ministerial-Erklärung  theils  zugestanden,  theils  in  Aussicht  gestellt
waren,  erstattete  ich  Vortrag  zum  großh.  Staatsministerium  und  wurde  durch
allerhöchste  Entschließung  vom  27.  Mai  ermächtigt,  unter  Zugrundlegung  der
bayerisch=  württembergischen  Ministerial-Erklärung  vom  6./16.  Mai  mit  den
in  der  Note  des  Fürsten  Hohenlohe  vom  22.  Mai  vorgeschlagenen  Modificationen,
  gemeinschaftlich  mit  der  bayerischen,  württembergischen  und  hessischen
Regierung  in  Verhandlungen  über  die  Gründung  eines  weiteren  Bundes  der
süddeutschen  Staaten  mit  dem  norddeutschen  Bund  einzutreten,  und  wurde

angewiesen,  das  Ergebniß  dieser  Verhandlungen  seiner  Zeit  zur  höchsten  Genehmigung

  vorzulegen.  Inzwischen  war  gemeldet  worden,  daß  Preußen  die
Kündigung  des  Zollvereins  vom  1.  Juli  d.  J.  ab,  also  auf  den  1.  Januar
1868,  beabsichtige,  und  es  lag  der  großh.  Regierung  daran,  vermittelst  der
von  dem  Fürsten  Hohenlohe  angeregten  Verhandlungen  so  bald  als  möglich
zu  Verhandlungen  über  die  Reconstruction  des  Zollvereins  zu  gelangen.
Da  eine  Vereinbarung  aller  süddeutschen  Staaten  über  die  Grundlagen  des
vorgeschlagenen  weiteren  Bundes  nicht  erzielt  und  nicht  so  leicht  und  bald  zu
erzielen  war,  schrieb  ich  am  31.  Mai  unter  Mittheilung  der  höchsten  Entschließung
  vom  27.  Mai  und  unter  nochmaliger  Hervorhebung  der  Disserenzpunkte
  dem  bayerischen  Staatsminister,  es  würde  unpraktisch  und  zeitraubend

seiin,  wollten  sich  die  vier  süddeutschen  Staaten  vor  dem  Zusammentritt  mit

den  Vertretern  des  norddeutschen  Bundes  noch  über  alle  Streitpunkte  und
Einzelheiten  der  Grundlagen  der  Verhandlungen  mit  dem  norddeutschen  Bund
einigen,  die  dann  doch  wieder  in  eben  diesen  Verhandlungen  eine  andere
Gestalt  erhalten  würden;  die  großh.  Regierung  überlasse  es  vielmehr  der
bayerischen  Regierung,  falls  nicht  alsbald  eine  Anregung  Seitens  Preußens
ersolge,  ihrerseits  im  Namen  der  süddeutschen  Staaten,  mit  Umgehung  verängiger
  Berufung  einer  Conferenz  der  Minister  dieser  Staaten  oder  weiterer
forls#lcher  Verhandlungen  mit  diesen  Staaten,  diejenigen  Schritte  zu  thun.
welche  geeignet  seien,  einen  baldigen  Zusammentritt  einer  Conferenz  der
Minister  der  süddeutschen  Staaten  mit  den  Vertretern  Norddeutschlands,  behufs
  Gründung  eines  weiteren  Bundes  der  süddeutschen  Staaten  mit  dem
norddeutschen  Bunde,  herbeizuführen.  Kaum  war  dieses  Schreiben  abgegangen,
als  am  Abend  des  1.  Juni  die  Einladung  Preußens  zu  der  Zollconferenz
nach  Berlin  eintraf,  welche  am  3.  Juni  begann  und  deren  Ergebniß  Sie
kennen.  Seither  beruhten  die  Verhandlungen  über  Gründung  des  weiteren
Bundes,  und  traf  nur  noch  eine  Note  des  Fürsten  Hohenlohe  vom  5.  August
ein,  welche  von  einigen  Stellen  meines  Schreibens  vom  31.  Mai  Akt  nahm,
einige  Ausstellungen  beantwortete  und  der  Regierung  vorbehielt,  bei  gelegener
Zeit  auf  die  angebahnten  Verhandlungen  zurückzukommen.  Die  Akten  schließen
mit  einer  kurzen  dießseitigen  Erwiderung  vom  8.  Sept.  Dieß  ist  der  sermelle
  Stand  der  Verhandlungen,  auf  welche  die  Rede  des  Fürsten  Hohenlebe
vom  8.  Bezug  nimmt,  und  welche  den  Gegenstand  der  Interpellation  des
Abg.  Wundt  bilden.  Der  materielle  Stand  dieser  Verhandlungen  erhellt  am
besten.  aus  der  Darlegung  des  hauptsächlichsten  Streitpunktes.  Nach  der
bayerisch=  württembergischen  Ministerial-Erklärxung  sollten  gewisse  Angelegenheiten
  als  gemeinsame  des  weiteren  Bundes  erklärt,  und  es  sollten  die  Art.