Beuisches Reich. (Oktober 15. 16.) 921
geführten Meinungsstreit zurücktreten zu lassen und den Blick nach vorwärts
zu richten. Unsere wichtigsten Verhandlungen betrafen die nächsten
Aufgaben der Partei. Soll die deutsche Stellung in der Weltwirtschaft neu
errungen werden, so muß Deutschland neu aufgebaut werden durch eine
großzügige, tiefgreifende Sozialpolitik. Klar und entschieden hat der
Parteitag zum Ausdruck gebracht, was zur Sicherung der wirtschaftlichen,
sozialen und geistigen Interessen der Arbeiter geschehen muß. Die ungeheuren
finanziellen Lasten des Krieges können nur von denen getragen werden,
die im Kriege Gewinne gemacht haben. Aber auch der Besitz, der durch
den Krieg erhalten und geschützt wurde, muß im stärksten Maße zu den
Lasten herangezogen werden. Vor allem aber muß das neue Deutschland
ein freies Deutschland sein (Lebhafter Beifall), frei von allen Klassenprivilegien,
frei von allen politischen und geistigen Hemmungen und Bevormundungen!
Die freie Entfaltung unserer ganzen Volkskraft auf allen
Gebieten ist für die Arbeiterklasse und das Reich eine Lebensnotwendigkeit
geworden. Mit ernstem Nachdruck haben wir die Regierung wiederholt auf
ihre große Verantwortung hingewiesen; Enttäuschungen würden eine große
Gefahr für den ganzen Staat bedeuten. Auch was der Parteitag nicht ausgesprochen
hat, ist in dieser Frage charakteristisch für die Haltung der
Partei. Rückhaltlos haben wir unsere Beziehungen zur proletarischen Internationale
besprochen. Der Haß, der überall in der Welt Orgien feiert,
hat zu unserem Herzen keinen Zugang gefunden. Seiner Unfruchtbarkeit
setzen wir die Liebe und Achtung entgegen, die allein imstande ist, den
Bund freier Völker aufzubauen, die allein der Welt Frieden bringen und
sichern kann. Verblendung hat zur Spaltung der deutschen Sozialdemokratie
geführt. Möge sich das klare Auge der deutschen Arbeiter nicht trüben
lassen durch den Nebel unwahrer Phrasen. Die deutsche Arbeiterbewegung
muß ein einziger Strom sein, auf dem unser Schiff stolz in das Meer der
Zukunft gleitet. Mit entschlossenem Willen lassen wir unsern alten Kampfruf
ertönen: Die völkerbefreiende Sozialdemokratie lebe hoch!
15. Okt. (Berlin.) Kundgebung Berl. Universitätsprofessoren
für die Reichstagsmehrheit.
49 Prof. der Berl. Universität haben folgende Erklärung
an den Reichskanzler gerichtet: Wir unterzeichneten Professoren an der
Universität Berlin halten es, um entgegengesetzten Bestrebungen nicht allein
das Wort zu lassen, für unsere patriotische Pflicht, Euer Exzellenz zu erklären,
daß uns die kaiserliche Friedensbotschaft vom 12. Dezember 1916 und
die jetzt auf die päpstliche Note vom Deutschen Reich und seinen Bundesgenossen
erteilten Antworten eine geeignete Verhandlungsgrundlage zu geben
scheinen, um einen die Sicherheit, die Ehre und eine große nationale Zukunft
Deutschlands gewährleistenden Frieden zu erreichen. Unterzeichnet haben
u. a. die Prof. Delbrück, v. Harnack, Herkner, Hintze, Kipp, Meinecke, Troeltsch
und v. Waldeyer-Hartz. (Vgl. S. 842 f.)
15. Okt. (Sachsen.) Kohlenregalgesetz.
Die Zweite Kammer nimmt das Kohlenregalgesetz nach der
mehrfach umgearbeiteten Regierungsvorlage an. Das Gesetz berechtigt allein.
den Staat, künftig Kohlen zu suchen und abzubauen, erstreckt sich jedoch nicht
auf bergbauliche Rechte, die vor dem 18. Oktober 1916 bestanden.
16. Okt. (Bundesrat.) Es gelangen zur Annahme:
Der Entw. e. Verordnung über den Verkehr mit Zucker und e. Bek.
über Aetzalkalien und Soda.