426 Baurische Vertretung im Hauptauartier des Kronprinzen.
Kontingente m melden. Die Teise erfolgte ouf den Rat Bismarcks, der dem preußischen Chron-
kolger unmittelbar nach seiner Ernennung am 20. Juli (ogl. dessen Kriegstagebuch 187o/r1,r
S. O. Meisner, S. 7) schon empfohlen hatte, sofort und en clair den süddeutschen FSürsten
leine bevorstehende Ankunft telegraphisch amuzeigen, „weil der Eindruck vorlüglich sein werde“.
Überbaupt nahm Bismarck jetzt auf die lüddeutschen Höfe und ihre Wünsche, vor allem auf
König Ludwig II., möglichst Rücksicht. Der von dem baprischen Kriegsminister Sreiherrn
o. Pranckh am 20. Juli ausgesprochene Wunsch, daß dem Prinzen Luitpold von Bauern gestattet
werden möge, sich dem Hauptquartier des Königs als baprischer Militärbevollmächtigter
anzuschließen, wurde in Berlin nicht eben als bequem empfunden; trotzdem wurde er sofort
bewilligt. Auch daß dem rinzen in der Person des Grafen Berchem ein Diplomat zmu politischer
Berichterstattung beigegeben wurde, fand keinen Anstand. Am 26. Juli beauftragte Bismarck
den Gesandten SFreiherrn v. Werthern, bei König Ludwig II amufragen, welches
dessen Wünsche in Beuug auf die Verwendung der beiderseitigen Militärbevoll-
mächtigten ajor v. Grolman und Major Sreiherr v. Freyberg jeien. Im Hinblickt
darauf, daß im Militärkabinett König Wilhelms die Vückberufung Grolmans gewürscht
wurde, bemerkte Bismarck: „Ich würde für das Aichtigste halten, wenn die beiden Militär-
bevollmächtigten Grolman und Freiberg dem kronprinzlichen Hauptauartier attachiert würden,
um dort die Kenntniß der bairischen und der norddeutschen Verhältnisse, die beide sich erworben,
nütlich zu verwerthen.“ Dieser Auffassung stimmte Werthern nach Rücksprache mit dem bayrischen
Kriegsminister in einem Telegramm vom gleichen Tage unbedingt m, jedenfalls sei Grolman, der
das unbedingte Vertrauen aller baprischen Offisiere babe, im Hauptquartier des Kronprinzen
unentbehrlich.
Berlin, den 26. Juli 1870.
Curer Königlichen Majestät verfehle ich nicht anbei eine Note des bayrischen Gesandten
vom heutigen Tage ebrerbietigst vormlegen, wonach Prinz Luitpold von Bapyern für Aller-
höchstdero Hauptquartier, der Generalmajor Graf von Bothmer für das Hauptquartier
Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinzen „beordert werden sollen“. In Bezug auf den
Prinzen Luitpold haben Cure Königliche Mojestät bereits auf mündlichen Immediatvortrag
des Wirklichen Geheimen Legationsrats Abeken anzuerkennen geruht, daß dessen Zurück-
weifung nicht möglich wäre, und ist infolgedessen Allerhöchstdero Cinverständnis am 20. d. M.
telegraphisch nach München kundgegeben worden.
Ebensowenig scheint es mir angänglich, gegen das Erscheinen des Generalquartier-
meisters Grafen von Bothmer im Hauptquartier Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinjen
etwas einmwenden, wiewohl ich zur Befürwortung dieser Wahl nicht in der Lage sein würde.
Um so lebhafter gestatte ich mir alleruntertänigst zu empfeblen, daß dem Hauptauartiere
Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinzen die beiden Offiziere möchten zugewiesen werden,
welche zu einem erfolgreichen Zusammenwirken der preußischen und baprischen Truppen-
teile am meisten beimtragen vermögen, nämlich der diesseitige Militärbevollmächtigte in
München Wajor von Grolman und der bayrische Militärbevollmächtigte Major von Erey-
berg. Letzterer Ut mir als ein sehr zuwerlässiger Mann von echt deutscher Gesinnung bekannt
geworden, der gewiß die hier gewonnenen Einsichten verwerten wird, um die baprischen
Truppenteile mit dem preußischen Oberkommando in volle Harmonie m bringen. Der
Major von Grolman aber ist der einzige Preuße, der Seiner Königlichen Hobeit dem
Kronprinzen über Dersonen und Verhältnisse der Königlich Bayrischen Armee sichere Aus-
kunft zu geben und dadurch zu richtiger Verwendung der vorhandenen Kräfte beimtragen
vermag.
Eurer Königlichen Majestät stelle ich alleruntertänigst anheim, über diesen meinen
ehrfurchtsvollen Vorschlag, der auch durch das in diesem Augenblicke eingegangene an-
liegende Telegramm des Greiherrn v. Werthern unterstützt wird, buldreichst befinden oder
Vortrag befeblen zu wollen.