Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6. (6)

346 Bismarck plädiert für Osterreich; rät, Luxemburger Frage ruhen zu lassen. 
wie Ew. pp. wissen, in keiner Weise entgegen und würden, wenn die Veranlassung sich dar- 
böte, die Wünsche Rußlands gern unterstützen. 
Was die Vergrößerung ÖOsterreichs durch Bosnien und die Herzegowina betrifft, 
welche, wie Herr von Stremuchow bemerkt, von Rußland niemals zugegeben werden würde, 
so glauben wir nicht, daß das Kaiserlich Öfterreichische Kabinett solche Absichten ernstlich 
begt oder jetzt überhaupt daran denkt, seinen Einfluß nach dieser Seite hin auszudehnen. 
Soweit wir die Haltung Österreichs beurteilen können, glauben wir vielmehr annehmen zu 
müssen, daß dasselbe auf eine aktide Politik vor der Hand verzichtet, und vor allem wünscht, 
daß ihm Seit gelassen werde, seine inneren Angelegenheiten zu ordnen und sich zu kräftigen. 
Selbst wenn solche Kombinationen, wie Herr von Stremuchow sagt, ihm von Grankreich in 
Aussicht gestellt sein gollten, so würde es schwerlich darauf eingeben, wenn es nicht durch 
eigene Gefahren zu einem aktiven Auftreten gedrängt würde. Sein Bestreben scheint viel- 
mehr darauf gerichtet, größere Komplikationen zu vermeiden; und als das beste Mittel, es 
in einer unseren und den rufsischen Snteressen gleich sehr entsprechenden Aichtung seiner 
Politik zu erhalten und zu befestigen, würde es uns erscheinen, es in diesem Bestreben nach 
Sicherbeit und ruhiger Entwicklung zu unterstützen und über seine Zukunft zu beruhigen. 
752. Telegramm an den Botschafker in Haris Grafen von der Goltz. 
[Cigenbändiges Konjept.)] 
Berlin, den 7. April 1867. 
Grlaf) Plerponcher)] telegraphirt: 
„Wie ich aus guter Quelle erfahre, gibt der französische Gesandte zu verstehen, daß 
Abtretung Luxemburgs an Grankreich nur für den Augenblick aufgegeben, später, nach 
Entlassung des Reichstags, mit Gutheißen Preußens zustande kommen werde. Hieraus 
Unsicherbeit für Regelung der Stellung Luxemburgs, namentlich bei zweifelhafter Dispo- 
sition Lornacos, welcher dadurch begegnet werden könnte, daß die telegraphisch berichtete 
Srage Tornacos wegen Militärkonvention, bejahend beantwortet würde.“. 
Ich antworte an Grlaf) Plerponchers: 
Nachdem die Sache einmal in die Oeffentlichkeit gebracht ulnd) dort so wie geschehn 
aufgenommen, werde es für uns schwer sein, nach Schluß des Darlaments, dem sofort der 
Preußische Landtag folgt, andre Stellung zur Sache mu nehmen als bisher. Jetzt auf An- 
trag Tornacos, der für Srankreich gewonnen sein soll, einzugehn ulnd) Militär-Convention 
mit Luxemburg m schließen, würde in Srankreich wieder aufregen. Will man Srieden, so 
muß die Sache im Statu quo ruben. 
H. Oncken, Die Abeinpolitik Kaiser Aa#poleons III. von 1863 bis 1870, II, 299, nebst Suhnote 2. 
1 Das Telegramm ging gleichzeitig an die Missionen in Petersburg, Wien 
2 Nach uine #ele a potpolbtr6 vom 6. April war der luxemburgische M-inister v. Tornaco an 
: t ist diesenige Mitwirkung an der Verwirklichung der großen nationalen 
DZulgben E— 46% bestedenden Bundesverfassungen und dem Debusroe der, Tegie- 
rungen ensforscht, idre Cätigkeit von dem Einoerständnisse des deutschen Volkes getragen m seben.