356 Bismarck wünscht engere preuhisch-rufsisch-öfterreichische Verständigung.
760. Telegramm an den Gesandten in Detersburg
Heinrich VII. Drinzen Reuß.
[Cigenhändiges Konjept.)]
Am 15. April hatte Drinz; Reuhß gemeldet, daß das Wiener Kabinett an die rufsische
Negierung die Aufforderung gerichtet habe, den in Verlin vorgebrachten Vermittlungsvor-
schlag in der Luxemburger * zu unterstützen; jedoch habe Fürst Gortschakom geant-
wortet, er müsse zunächst sich über die Auffassung der preußischen Regierung vergewissern.
Berlin, den 15. April 1867.
([Celegramm Nr.] 17 erhalten. Welches ist der fragliche Wiener Vermittlungs-Vor-
schlag? Cession Luxemburgs an Belgien? Auf den können wir uns ernstlich nur ein-
lassen, nachdem wir die Sicherbeit hätten, daß öffentliche Aleinung in Deutschland ihn
gut aufnimmt. Das ist Sache der Erfahrung ulnd] vorher nicht zu beurtheilen. Ein ver-
trauter Agent Aapoleons ist bier ulnd] hat mir dringenden Wunsch geäußert, Srieden zu
erhalten, meinen Rath über Mittel dazu verlangt.: öch babe gerathen, vor allem Teise
der beiden Souveräne nach Paris möglich zu erhalten, sicher zu stellen ulnd] dann bekannt
werden zu lassen. Dadurch würde die Spannung der Situation sich lösen ulnd) nach Über-
windung der jetzigen aufgeregten Phase wahrscheinlich zu Gunsten des Friedens klar
werden, was man tbun und lassen könne. Wenn wir eine Annäherung zu ODrei zwischen
Außland, Oestreich ulnd) uns bewirken könnten, so wäre unabhängig von der Befriedi-
gung Frankreichs der Sriede sicher. Ich vermuthe, daß Oestreich die Hand dazu bieten
würde, wenn ihm AuHlands ulnd] unfre Bürgschaft gegen Gefahren an der türkischen
Gränze auf eine bestimmte Frist, nicht über 3 Jahr, gelsichert würdee. Dann wäre für die-
lelbe Seit auch der europäische Griede sicher. Wir würden auf Verbhandlungen in der TAich-
tung, wenn sie, was bisber nicht geschehen, von Wien kommen, nur mit Wissen ulnd] Willen
Außlands eingehn. Sprechen Sie offen, aber außeramtlich ulnd) auf perfönliche Zusage
der Verschwiegenbeit mit Gortschakow, um zu hören, was er davon denkt.=
H. Oncken, Die Abeinpolitik Kaiser Vapoleons III. von 1863 bis 1870, II, 331 f.
7261. Schrelben an die preußlschen Staatsminister.
[Konzept von der Hond des Vortragenden ats Wagener.)
Seit Anfang April hatten in der durch die Luxemburger Angelegenbeit erzeugten nati-
onalen Hochstimmung die Beratungen des Aorddeutschen NReichstags, die Ende März Bis-
marchk noch genötigt hatten, Sicherungemahreyesn für den Fall des Scheiterns des Verfassungs-
werks ju treffen (ogl. Ar. 689 nebst Anm., 718), einen viel rascheren Sortgang genommen. Bis
1 andelt sich zweifellos um den Grafen Csäkuy, der Bismarck schon am 25. Februar (ogl. Ar. 691)
vertreusesbev dest r Seil, aris überbracht batte. Seine erneute Anwesenheit in Berlin um die Mitte
April wird bezeugt von Th. v. Bernhardi (Aus dem Leben Ch. v. Vernhardis, VII, 358), mit dem er eine
längere Unterredung hatte. Auch um den 5. Mai weilte Csäáky wieder in Verlin, ogl. Th. v. Bernhardi,
a. O., VII, 365 f., 371 f. 4 » . »
* Hauch “ Klrten rachte die österreichische Regierung ihren Vermittelungsvorschlag in der Luxem-
burger Angelegenheit vor. Bismarck richtete darauf am 16. April an Graf Bernstorff das folgende Tele-
gramm: „Ich habe auf die anscheinend wohl emeinten Vermittlungsbestrebungen Oestreichs in dem fraglichen
Sinne disber nur geäuhert, dah ich ihnen -!.h. entgegentreten könne, wir aber nur in dem Mahe uns darauf
einlassen könnten, wie sie von der öffentlichen Meinung Deutschlands günstig ausgenommen werden würden,
usndl dieb könne'’ nur aus der Erfahrung beurtheilt werden. Bisher kann ich allerdinge nicht glauben, daß
dlese Vorbedingung eintreten werde, ulnd) muh so longe am status duo festholten, ouch auf Gefahr des
ieges.“