26 Gefecht bei Langensalza. Kapitulation der hannoverschen Armee.
*440. Telegramm an den Administrator von Hessen
Regierungspräsident von Moeller in Kassel.
[Eigenhändiges Konzept.]
Den Unwillen König Wilhelms I. und General von Moltkes über das vielfach eigenwillige
Verhalten General von Falckensteins, das zu der Niederlage der preußischen Truppen
bei Langensalza beigetragen hat, teilte Bismarck durchaus. In dem Wunsche, nähere Auskunft
über das ihm unerklärliche Vorgehen des Generals zu gewinnen, der am 27. Juni in
Unkenntnis des Gefechtsbeginns eine Fahrt nach Kassel angetreten hatte, fragte er bei dem
dortigen Zivilkommissar an. Vgl. J. Schultze, Max Duncker, Politischer Briefwechsel aus
seinem Nachlaß, S. 419 und G. v. Diest, Aus dem Leben eines Glücklichen, S. 298.
Berlin, den 28. Juni 1866.
General Fließ bei Mühlhausen von Hanoveranern mit Uebermacht geschlagen, 2 Geschütze
u(nd) viel Leute verloren. Hier unbegreiflich, wo Falkensteins Truppen geblieben,
warum er nicht Fühlung mit den Hanoveranern behalten, Fließ nicht beigestanden hat, u(nd)
was er in Kassel macht. Telegraphiren Sie schleunig, was Sie darüber wissen. Durch unsre
Unfähigkeit, mit 50.000 Mann 18 000 Hanoveraner in Schach zu halten, verlieren wir das
ganze in Norddeutschland gewonnene Ansehn.
*441. Telegramm an Generalleutnant
Freiherrn von Manteuffel, z. Zt. in Mühlhausen.
[Eigenhändiges Konzept.]
unter bestimmten, von Bismarck selbst aufgesetzten Bedingungen (siehe dieselben bei v. Lettow-Vorbeck,
Geschichte des Krieges von 1866 in Deutschland, I, 341) beauftragt worden. Bismarck hatte Sorge getragen, die Bedingungen in Anerkennung der tapferen Haltung der hannoverschen Armee möglichst milde zu formulieren; nachträglich gewährte er sogar noch eine weitere Vergütung, indem er neben der Beibehaltung der Gesamzbezüge der hannoverschen
Offiziere auch die der Unteroffiziere in Aussicht stellte. Bei der Übersendung der danach von
Manteuffel mit dem Kommandierenden General der hannoverschen Armee Generalleutnant
von Arentsschildt im weiteren Lauf des 29. abgeschlossenen Punktation, die aus Schonung für
Falckenstein die Form von Zusätzen und Erläuterungsbestimmungen zu der vorausgegangenen
bedingungslosen Kapitulation erhielt, konnte Manteuffel denn auch an Bismarck schreiben: „Die
milde und das Gefühl schonende Fassung der einzelnen Punkte des Telegramms hat viel gutes
Blut bei den hannöverschen Offizieren gemacht, Auch der König Georg soll sich dankbar darüber
ausgesprochen haben, daß Seine Majestät die Haltung der hannöverschen Truppen an- erkennen.¹
Berlin, den 28. Juni 1866.
Wenn es gewünscht wird, Beibehaltung des Gehaltes der Unteroffiziere in die Ihnen
telegraphirten Bedingungen einzuschließen, so wird das hier keine Schwierigkeiten finden.
¹ Über die Ereignisse ,die der Kapitulation von Langensalza vorausgingen ist es später zu weitläufigen
Rekriminationen zwischen hannoverscher und preußischer Seite gekommen. Am I7. Juli brachte die Wiener Presse ein Zirkular des Grafen Platen über diese Vorgänge, das von Angriffen auf Preußen strotzte. Bismarck ersuchte darauf Freiherrn von Werther in einem ausführlichen Erlaß vom 25.Juli „in den nichtamtlichen Teil des Stadtanzeiger einen Artikel einrücken zu lassen , welcher nach den dort vorhandenen
Aktenstücken, in welchen der ganze Verlauf vorliegen muß, eine richtige Darstellung des Sachverhalts gibt." Für diese Darstellung gab Bismarck selbst in dem Erlaß eingehende Direktiven. Am 3. August erschien im "Preußischen Stadtanzeiger" eine authentische Übersicht der in betreff der Kapitulation der hannoverschen Truppen zwischen Preußen und Hannover vor dem Kampf von Langensalza stattgefundenen Verhandlungen. Gegen die preußische Darstellung wandte sich wieder Graf Platen in einer Denkschrift vom 8. August. Auch von koburgischer Seite griff man in die sich immer weiter ausspinnende Debatte ein . Die Mehrzahl der betreffenden Schriftstücke ist zusammengestellt in : Das Staatsarchiv ,XI,203ff.