Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

86 Warum Bismarck gegen Veschickung des Konzils durch oratores ist. 
p. von Arnim habe ich die Ehre, mit der Bitte um Allerhöchste Approbation und huldreiche 
Nück sendung in der Neinschrift vorsulegen. Beschleunigung erscheint notwendig, 
weil sonst zu befürchten ist, daß man in Freiburg mit einem fait acoompli vorgehes. 
NRandbemerkungen König Wilbelms I.: 
1 Einverstanden. W. 
2 Principaliter einverstanden, daß man keine Botschafter in das Concil sende, falls nicht 
der französische Beschluß eine Anderung noch bervorriefe. Wäre aber nicht ein Bot- 
schafter außerhalb des Concils während der Dauer desselben in Rom zu accreditiren, 
um die als nöthig anerkannte Einjprache zu erbeben, sobald die ad 1 m befürchtenden Be- 
schlüsse gefaßt würden, nachdem er etwa erst noch einzubolende Instruction abzuwarten 
bätte, da die allgemeinen ihm für einen solchen Fall ertbeilten doch kaum ausreichen 
dürften. W. 
3 Meine Ideen ad 2 sollen keinenfalls die Sxpedition an pp. Arnim aufhalten, da sie weiter 
erst besprochen werden müssen. W. 25. . 
4 Ganz einverstanden. W. 
1393. Elraß an den Gesandien in Kom von Arnim. 
[Konjzept von der Hand des Vortragenden Aats Abekenrn.)] 
Vertraulich. VBerlin, den 26. Mai 1869. 
Ich benutze den diesmaligen Feldjäger, dessen Abgang ich beschleunige, um Ew. pp. die 
Instrultion in betreff der Sreiburger Erzbischofswahl: möglichst rasch zukommen zu lassen, zu 
einer sofortigen Mitteilung in Bezug auf die in öhren eingehenden Berichten vom 14. bis 
17. Mais über das ökumenische Konzil behandelten Sragen. Nachdem ich Seiner Moajestät dem 
Könige darüber Vortrag gehalten, kann ich in Übereinstimmung mit den allerhöchsten Inten- 
tionen Ew. pp. folgendes darüber eröffnen. 
Mit dem Vorschlage Ew. pp., daß Preußen sich, eventuell in Gemeinschaft mit dem 
übrigen Deutschland, nach dem Gebrauch der TAegierungen bei früheren Konzilien durch 
bestimmte Abgesandte oder Aegier ächtigte (oratores) als Staat auf dem ökume- 
nischen Konzil selbst vertreten lassen nolle, hat Seine Wajestät der König sich nicht einverstanden 
erklären können. Ew. pp. haben selbst die Schwierigkeiten einer solchen Maßregel nicht un- 
beachtet gelassen; dieselben würden sich aber bei jedem Versuch einer praktischen Verwirk- 
lichung noch viel größer berausstellen, als sie schon im voraus erscheinen müssen. Es ist mir 
kaum zweifelhaft, daß Rom den Anujpruch protestantischer, d. h. ketzerischer Regierungen — 
und als golche wird man in Rom Preußen und die Mehrheit der deutschen Aegierungen 
immer ansehen und über das perfönliche Glaubensbekenntnis des Souveräns nicht so leicht 
hinweggehen, wie Ew. pp. es m glauben scheinen — auf Vertretung nicht anerkennen werde; 
eine Forderung aber zu stellen, welche nicht durchgesetzt werden kann, würde die Regierungen 
nur in eine schiefe Lage bringen, ihrem Proteste aber sicherlich ßeine größere Kraft verleihen. 
— Aber selbst wenn man in Nom den Anspruch zugestehen wollte, in welcher Lage würden 
4 Die Instruktion findet sich nicht bei den Akten. 
2: Vgl. dam Ar. 1392, Vorbem.