Volltext: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

Bismarck warnt in Slorenz vor Criple-Allianz. 17 
auch die Behauptungen, daß dieselbe hinter seinem Rücken vorbereitet werde, nicht für 
wabrscheinlich halten. Daß es in Stalien eine Partei und einzelne hervorragende Per- 
sönlichkeiten gibt, welche auf ein solches Siel binarbeiten, bezweifeln wir nicht; aber wir 
balten die Macht der Berhältnisse und der wahren nteressen des Landes für stärker 
als die Bestrebungen der Parteien und Parteihäupter. 
Wir haben Leine Ursache, an den fortdauernd friedlichen Absichten des Kaisers Napo- 
leon in betreff Deutschlands zu zweifeln. In Osterreich aber ist das Sriedensbedürfnis m 
stark ulnd) die Ungarn zu wenig geneigt, sich als Werkzeug beliebiger Cabinetspolitik 
brauchen zu lassen, als daß man dort schon jetzt zu einem aktiven Vorgehen, wie es jene 
Gerüchte in Aussicht stellen, entschlossen sein könnte. 
Gesetzt aber auch den Fall, daß solche Eventualitäten einmal näher treten, und daß 
die friedlichen Gesinnungen des Kaisers Napoleon anderen Tendenzen weichen müßten, so 
können wir es nicht für möglich erachten, daß Italien zu einer aggressiven Koalition gegen 
Preußen die Hand bieten sollte. Unser Vertrauen zu den Personen des gegenwärtigen 
Glorentiner Kabinetts ist groß, aber noch größer ist unser Vertrauen in die Natur der 
Dinge, welche Stalien die Ceilnahme an einer Koalition mit seinen beiden nächsten Nach- 
barn gegen Deutschland verbietet. 
GSunächst hat gewiß Stalien ein ebenso großes Friedensbedürfnis wie die anderen 
MAächte. Unseres ECrachtens könnten nur die zwingendsten Snteressen, nur die Vertheidi- 
gung der eignen Unabhängigkeit= Stalien verleiten, sich in einen Krieg verwickeln zu lassen. 
Welches nteresse aber könnte Italien haben, an der Seite Frankreichs für die 
Schwächung Deutschlands, für die Herstellung der französischen Alleinberrschaft in Curopa 
zu kämpfen? Airgends würde sich diese Herrschaft fühlbarer machen als in Stalien; und 
während wir mit Sicherheit sagen können, daß für Deutschland jede durch einen unglück- 
lichen Krieg gegen Grankreich herbeigeführte Phase der Schwächung nur eine 
vorübergehende sein würde, weil die nationale Sntwicklung stark genug ist, um sie zu über- 
dauern und wieder gut zu machen, würde Italien durch ein Bündnis mit Frank- 
reich (wenn dieses nicht eine Revolution und innere Kämpfe zur Solge hätte) unwider- 
bringlich an die Politik des letcteren gefesselt werden und überdies alle nationalen Sym- 
pathien in Deutschland verscherzen. Wir können Stalien nicht die Absicht zutrauen, sich 
gewissermaßen mit Hand und Fuß gebunden an Grankreich zu überliefern — wie es dies 
durch ein Bündnis mit dem Kaiser gegen Dreußen tun würde. Diese Erwägungen liegen 
den IStalienern zu nahe und sind denselben in der Cat m geläufig, als daß ich dieselben 
weitläufiger zu entwickeln brauchte. 
Ich wünfsche indes, daß Sw. pp. in den Unterredungen, zu welchen die immer wieder 
auftauchenden Gerüchte Ew. pp. mit General Menabrea die Gelegenheit bieten werden, 
vorsichtig ulnd] nur Bebufs der Motivirung unjres vollen Vertrauens auf Stalien- 
davon Gebrauch machen mögen. Welches die Kreise sind, deren Abhängigkeit von Srank- 
reich Shnen Surückhaltung gebietet, ulnd daß dieß dem Könige ulnd) jseiner Umgebung 
gegenüber nothwendig ut, wird Ew. pp. bekannt sein“. 
1 Der Paflus: „ulnd!] die Ungarn . " eigenhändiger Einschub Bismarcks. 
* Die Worte: „nur die Vertheidigung . .“ eigenböndiger Zusatz Bismarcks. 
* Die Worte: „ulnd) nur Behufs “ eigenbändiger Zusatz Bismarcks. 
* Der Satz eigenbändiger Zusatz Bismerchks.