Bismarck warnt in Slorenz vor Criple-Allianz. 17
auch die Behauptungen, daß dieselbe hinter seinem Rücken vorbereitet werde, nicht für
wabrscheinlich halten. Daß es in Stalien eine Partei und einzelne hervorragende Per-
sönlichkeiten gibt, welche auf ein solches Siel binarbeiten, bezweifeln wir nicht; aber wir
balten die Macht der Berhältnisse und der wahren nteressen des Landes für stärker
als die Bestrebungen der Parteien und Parteihäupter.
Wir haben Leine Ursache, an den fortdauernd friedlichen Absichten des Kaisers Napo-
leon in betreff Deutschlands zu zweifeln. In Osterreich aber ist das Sriedensbedürfnis m
stark ulnd) die Ungarn zu wenig geneigt, sich als Werkzeug beliebiger Cabinetspolitik
brauchen zu lassen, als daß man dort schon jetzt zu einem aktiven Vorgehen, wie es jene
Gerüchte in Aussicht stellen, entschlossen sein könnte.
Gesetzt aber auch den Fall, daß solche Eventualitäten einmal näher treten, und daß
die friedlichen Gesinnungen des Kaisers Napoleon anderen Tendenzen weichen müßten, so
können wir es nicht für möglich erachten, daß Italien zu einer aggressiven Koalition gegen
Preußen die Hand bieten sollte. Unser Vertrauen zu den Personen des gegenwärtigen
Glorentiner Kabinetts ist groß, aber noch größer ist unser Vertrauen in die Natur der
Dinge, welche Stalien die Ceilnahme an einer Koalition mit seinen beiden nächsten Nach-
barn gegen Deutschland verbietet.
GSunächst hat gewiß Stalien ein ebenso großes Friedensbedürfnis wie die anderen
MAächte. Unseres ECrachtens könnten nur die zwingendsten Snteressen, nur die Vertheidi-
gung der eignen Unabhängigkeit= Stalien verleiten, sich in einen Krieg verwickeln zu lassen.
Welches nteresse aber könnte Italien haben, an der Seite Frankreichs für die
Schwächung Deutschlands, für die Herstellung der französischen Alleinberrschaft in Curopa
zu kämpfen? Airgends würde sich diese Herrschaft fühlbarer machen als in Stalien; und
während wir mit Sicherheit sagen können, daß für Deutschland jede durch einen unglück-
lichen Krieg gegen Grankreich herbeigeführte Phase der Schwächung nur eine
vorübergehende sein würde, weil die nationale Sntwicklung stark genug ist, um sie zu über-
dauern und wieder gut zu machen, würde Italien durch ein Bündnis mit Frank-
reich (wenn dieses nicht eine Revolution und innere Kämpfe zur Solge hätte) unwider-
bringlich an die Politik des letcteren gefesselt werden und überdies alle nationalen Sym-
pathien in Deutschland verscherzen. Wir können Stalien nicht die Absicht zutrauen, sich
gewissermaßen mit Hand und Fuß gebunden an Grankreich zu überliefern — wie es dies
durch ein Bündnis mit dem Kaiser gegen Dreußen tun würde. Diese Erwägungen liegen
den IStalienern zu nahe und sind denselben in der Cat m geläufig, als daß ich dieselben
weitläufiger zu entwickeln brauchte.
Ich wünfsche indes, daß Sw. pp. in den Unterredungen, zu welchen die immer wieder
auftauchenden Gerüchte Ew. pp. mit General Menabrea die Gelegenheit bieten werden,
vorsichtig ulnd] nur Bebufs der Motivirung unjres vollen Vertrauens auf Stalien-
davon Gebrauch machen mögen. Welches die Kreise sind, deren Abhängigkeit von Srank-
reich Shnen Surückhaltung gebietet, ulnd daß dieß dem Könige ulnd) jseiner Umgebung
gegenüber nothwendig ut, wird Ew. pp. bekannt sein“.
1 Der Paflus: „ulnd!] die Ungarn . " eigenhändiger Einschub Bismarcks.
* Die Worte: „nur die Vertheidigung . .“ eigenböndiger Zusatz Bismarcks.
* Die Worte: „ulnd) nur Behufs “ eigenbändiger Zusatz Bismarcks.
* Der Satz eigenbändiger Zusatz Bismerchks.