Schweinitz soll bei Andrassx wegen Konzil sondieren. 313
Kränkung bedeute, ulnd] daß dem Tacte der Bischöfe anheim gestellt bliebe zu ermessen, ob
ihr Platz jetzt in Rom oder in ihrer Diörese jei.
Das Erwünschteste bleibt immer die Unterdrückung des beleidigenden Palsust.
*1342. Erlaß an den Gesandten in Wien von Schweinttz.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.)
Geheim. Berlin, den 3. April 1870.
Ich erfahre aus guter Quelle, daß der Graf Andrafsn einen vertrauten Agenten, Herrn
Korals, einen Beamten des ungarischen Justizministeriums, nach Rom geschickt habe, wofür
ein Besuch bei einem Bruder, einem der ungarischen Bischöfe, den Vorwand gegeben. Es
scheint, als ob Graf Andrafsy durch die Gerüchte, nach welchen der Primas von Ungarn
Erzbischof Simor und vier andere ungarische Bischöfe zu den nfallibilisten übergegangen
wären, zu dieser Sendung veranlaßt worden; und Herr Korals soll außer der allgemeinen
Information über die Lage der Dinge auch den Auftrag haben, den ungarischen Bischöfen
zu eröffnen, daß sie im Fall wankelmütiger Haltung auf entschiedene Maßregeln namentlich
in Bezug auf die Cemporalien gefaßt sein müßten; auch solle er sie zu unverweilter Rückkehr
auffordern. — Dem BVernehmen nach sollen indes gerade die entschiedenen Oppositions-
mitglieder der letzteren Maßregel nicht günstig sein, indem sie einmal einem solchen Ansinnen,
gerade wenn es von der NRegierung käme, kaum entsprechen zu können glaubten, andererseits
aber auch der Überzeugung seien, daß es sich gerade in diesem Augenblicke nicht um Abreife
hondele, sondern vielmehr darum, daß alle Bischöfe msammenblieben; sie gollen daher den
Grafen Andraffy haben bitten lassen, er möge dafür Sorge tragen, daß alle ungarischen
Bischöfe nach Rom kämen, um gegen die Kurie zu stimmen. Wit diesen Eindrücken soll Herr
Korals nach Pest zurückgekehrt sein.
ISch habe Ew. pp. diese mir zugegangenen Notizjen vertraulich und zu Shrer eigenen
Orientierung mitteilen wollen.
Das ungarische Ministerium ist, soviel sich die Stimmung in Ungarn beurteilen läßt, diesen
kirchlichen Dingen gegenüber in einer freieren und gesicherteren Lage als Graf Beust; und der
Graf Andrafsp jelbst dürfte jener doppelten Strömung, welche ich in meinem früheren Erlaß:
bezeichnet habe, weniger ausgesetzt sein als der Graf Beuft, über dessen Haltung und Auße-
rungen gegenüber der baprischen Anfrage Ew. pp. durch meine Mitteilung vom 25. v. M.=
unterrichtet sind. Auch die evangelische Kirche nimmt in Ungarn eine bedeutsamere Stellung
ein als in dem zisleithanischen Ceile der Monarchie. Daß der Protestantismus in dem ur-
sprünglich vorgelegten Prooemium des schema de fide der Gegenstand beleidigender Angriffe
gewesen, welche Bischof Stroßmaper getadelt hat, baben Sw. pp. aus den öffentlichen
Blättern ersehen. Es konnte dabei die Srage entstehen, ob derartige Beleidigungen gegen
das Bekenntnis evangelischer Fürsten ignoriert werden dürften. Mach neueren Berichten ist
indes das Prooemium gänzlich umgearbeitet worden und das Beleidigende daraus entfernt.
Es würde mir interessant sein zu erfobren, ob die im Eingang dieses Erlasses gegebenen
Motizen sich beftätigen, und welches überbaupt die Stellung des ungarischen Ministeriums
gomi Sausschlich wurde die anstöhige erste Sallung des schema de fide bei der definitioen Abstimmung im
1547. Siebe Ar. 1529.
* Slebe Nr. 1535; ogl. Mr. 1540.