Ruhland hält Osterreich in Schach. Warnung an Schweinitz. 389
*1632. Telegramm an den Gesandten in München
· Freiherrn von Werthern.
lEigenhändiges Konzjept.]
Am 16. Juli war in Berlin das folgende Telegramm des Geschäftsträgers in Petersburg
v. Pfuel eingetroffen: „Kaiser läht Seiner Majestät dem Könige lagen, dabß im Salle einer
Kriegserklärung Ofterreichs an Hreußen der Koiser die Paralpsierung der österreichischen Streit-
kräste durch eine Armee von 2300 000 Mann übernehmen würde. Sollten die kriegerischen
Verbältnisse es nötig machen, würde der Kaiser eventuell zur esetzung von Galijien schreiten.
Der Kaiser ist damit einverstanden, daß die bei Krupp befindlichen russischen Geschütze an
Preuhen abgetreten werden.“
Berlin, den 17. Juli 1870.
lur Station 112 vorm.]
Im engsten Vertrauen können Ew. pp. dem Grlafen) Bray gegen Versprechen der Ver-
schwiegenheit feinerseits, mittheilen, daß Oestreich dem Kaiser von Rußland stricte Reutralität
zugesagt, ulnd] daß ARußland sich gegen uns verbindlich gemacht bat, Oestreich mit 300 000
Mlann)j anzugreifen, falls letztres wider Erwarten seine Zufsage nicht bielte".
*1653. Telegramm an den Gesandten in Wien von Schweinitz.
l[Eigenbhändiges Konzept.]
Am 15. Juli hatte Schweinitz einen Ausschnitt aus einer Wiener Abendjeitung eingereicht,
wonach das ungarische offijiöse Organ „Pesti Naplo“ erklärt hatte: „Wenn Frankreich jetzt
unterliegt, werden wir unstreitig in kurzem unter weit ungünstigeren Umständen Preuhen gegen-
überstehen; darum ist jeder Sieg Srankreichs unser Sieg und jede seiner Niederlagen auch für
uns eine Niederlage."
Berlin, den 17. Juli 1870.
hur Station 1129 vorm.)
Vachrichten, welche keine andre Wirkung hier üben können als die eines unbestimmten
Unbehagens ohne Anknüpfungspunkt für irgend welche Entschließung, schaden hier ohne jede
Aussicht auf Mutzen. Wenn nun öhre Meldung über die Presse den König bestimmte,
eine Dioision mehr in Schlesien zu lassen, wer trüge die Berantwortung?
1 Kur) nach Abgang dieses Telegramms wurde der genaue Wortlaut des Pfuelschen Telegramms dem
Gesandten in Wien v. Schweinitz mit dem Vermerk: „Kigenhändig zu entiiffern. Ganz sekret und nur für
Ew. perfönlich bestimmt“ mitgeteilt. Indessen war der österreichische Gesandte in Berlin Graf Wimpffen,
wohl infolge einer wohlberechneten Indiskretion seines russischen Kollegen, schon am 16. Juli in der Lage
gewesen, dem Grafen Beuft Mitteilung von dem rufsischen Bersprechen an König Wilhelm I. mu machen.
e * Geschichte Europas, X, 359, Anm. 1; ferner Denkwürdigkeiten des Botschafters General
r“* weinitz, I, 265.
1653.4 Bol. dazu die Denkwürdigkeiten des Votschafters General v. Schweinitz, I. 263. Hier nimmt
Schweinitz für sich in Anspruch, der grohen Verantwortung, die auf ihm lastete, vollkommen bewuht gewesen
zu lein: „Wenn ich nach Verlin berichtete, daß der Kaiser, Erzherzog Albrecht und der Kriegsminister Kuhn
schnelle Erfolge der Franzolen berbeisehnten, um dann loszubrechen; daß an der Spitze des #isleithonischen
Ministeriums ein Pole stehe, welcher die Gesinnungen seiner Landsleute berücksichtigen müsse; wenn ich hor-
vorhob, doh der ungarische Ministerprösident jabrelang französische Gaftfreundschaft genollen und ebenso wie
Gräfin Andrassy lebhafte Sympathien für Frankreich hege, so bätte ich die Männer, welche unsere Ge
schicke lenken, beunruhigt, vielleicht würde man ein oder gar zwwei Armeekorps mrüchgebolten baben.“.