Unnötige baurische Besorgnisse für seine Selbständigkeit. 47
nichts eingelassen und nur etwa geäuhert, es verstünde sich von selbst, daß Hreuhen einen so
treuen Bundesgenossen nicht schädigen würde, wenn auch eine festere Verbindung der einzelnen
Stämme unter sich als bisber unvermeidlich sei“. Bgl. dazu M. Doeberl, BVayern und die
Bismarckische Reichsgründung, S. 40 ff.
Mainz, den 5. August 1870.
Unter Nr. 1 nach München telegraphiert: Mach dem mir heute über Berlin zugegan-
genen Brief des Königs von Bagern an den Kronprinzen muß ich annehmen, daß Sie sich
nicht entschieden genug im Sinne meiner hnen mitgeteilten Depesche an General von
Schweinitzt ausgesprochen haben; sonst könnte der König keine golche Befürchtungen aus-
drückeen. Holen Sie das noch jetzt nach und sprechen Sie mit voller Entschiedenheit, nicht Jo
mrückrhaltend, wie nach Ihrem Bericht Seine Königliche Hoheit der Kronprinz getan.
12272. Telegramm an den Botschaffer in London
Grafen von Bernstorff.
[Konzept von der Hand des Legationsrats Grafen von Hokfeldt.]
Sofort nachdem Bismarck sein Einverständnis mit dem Abschluh eines deutsch-englischen
Vertrages zur Verstärkung der belgischen Aeutralitätsgarantie ausgesprochen hatte (ogl.
Ar. 172), sandte Graf Bernstorsf seinen Sohn Andreas mit dem von dem Foreign Office
ausgearbeiteten Cntwurf des Vertrages nach dem Hauptquartier, wo er am 6. eintraf. Schon
am gleichen Tage kehrte dieser mit der Bollmacht für den Botschafter mrücke, den BVertrag zu
leichnen.
Mainz, den 5. August 1870.
Entwurf wegen Belgien soeben erhalten; scheint mir unbedenklich und jelbstverständlich.
Der Form wegen muß ich aber doch dem König vortragen, dessen Einverständnis ich hoffe in
wenig Stunden mit dem Worte „einwerstanden“ melden zu können“.
1 Bgl. Nr. 170 f. Es bieß in dem Erlasse an Schweinitz: „Wenn wir, wie ich hoffe, siegreich aus
dem Kriege bervorgeben, so würden auch die süddeutschen Staaten von unserer Seite nicht um ein Haar
breit stärkere Pression als bisher zur Eingehung engerer Bejiehungen mit dem Norddeutschen Bunde iu
befahren haben; wir würden nach wie vor das Mahß unserer gegenseitigen Annäherung ganz allein von der
freien Entschließung unserer süddeutschen Bundesgenossen abbängen lassen“. ie Werthern in einem
Telegramm vom 5. feststellte. war ihm eine Abschrift des Erlasses an Schweinitz erst am 31. Juli zugegangen;
er hatte also noch nicht in dessen Sinne vorher wirken können.
Der Brief König Ludwigs II. veranlaßte König Wilhelm, leinerseits ein von Abeken aufgesetztes.
von Bismarck stark überarbeitetes Schreiben an den Bapyernkönig m richten, worin er msagte, dah die
Selbständigkeit und Integrität Bauerns gewahrt werden sollten. Siehe den Cext des Schreibens bei
Doeberl, a. a. O., S. 46 f. ECigentlich hatie König Wilbelm der Susicherung eine Klausel binzufügen
wollen: „wenn auch eine noch gröhere Übereinstimmung unserer Institutionen und Beziehungen anzubabnen
wäre“. Wie er in einem Billett an Bismarck aussprach, bielt er einen solchen Zusatz für nötig, „weil wir
uns doch die Hände frei halten müssen“. Auf Bismarcks ZJureden verüichtete der König auf den Susatz#
„aber ungern“. Wenig jufrieden war Bismarck anderseits, als Thile gelegentlich einer Rücksprache, die
er am 6. August mit Sreiherrn v. Perglas über den Brief König Ludwigs II. batte, lout seiner eigenen
Aufzeichnung vom gleichen Cage, dem Gesandten die „feierliche und dündige Versicherung“ gab, daß Seiner
Masestät Regierung niemals und unter keinen Umständen an Bauern Zumutungen oder auch nur Wünsche
in detreff der gegenseitigen politischen Stellung richten werde, die nach der Ansicht der baprischen Ae-
gierung den Interessen ihres Staates nicht entsprächen“, und dah die preußische Regierung niemals Antröge auf
Amalgamierung Süd- und Norddeutschlands berücksichtigen werde, die „ihr nicht von der baurischen Regierung
krei entgegengetragen würden". Bismarck rekkifizierte Thile darauf am 14. August wegen leines unnöticen
Empressements dahin: „Wenn Perglas wieder auf die Sache zurückikommt. vermeiden Sie weiteres Ein-
geben mit ibm, da er nicht geeignetes Organ und seiner Wiedergabe Ihrer Außerung nicht m trauen.
1727.1 Aoch am gleichen §. August fügte Bismarck dem obigen Telegramm nach, dah der König mit dem
Vertrage vollkkommen einverstanden lei. Der Ablchluß des Vertrages erfolgte dann am 9. in London; siebe
t—— int * Staatsarchio 16% ff. Der analoge englisch-französische Vertrag kam erst am
s Man-.