Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

580 Einberufung des Neichstags nach Versailles als Druckmittel auf die Süddeutschen. 
würde ich mir nicht anders als eine Vervielfältigung der vertragsmäßigen Bejiehungen 
denken können, welche gegenwärtig zwischen dem Aorddeutschen Bunde und Bayern bestehen. 
Die kurze, seit Gründung des Bundes verflossene Seit hat bereits so zablreiche einzelne Ver- 
ständigungen zwischen beiden Teilen gebracht, und die Gründung eines neuen, die übrigen jüd- 
deutschen Staaten umfassenden Bundes wird die gegenseitigen Beziehungen nach so vielen 
Seiten ausdebnen, daß es nicht schwer fallen wird, zahlreiche Verbältnisse des öffentlichen 
Rechts in gegenjeitig befriedigender Weise zu regeln. 
Graf Otto von Bray-Steinburg. Denkwürdigkeiten aus seinem Leben, S. 181 f. 
*1906. Telegramm an das Auswärtige Amt. 
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korlement nach Versailles einzuberufen. Bgl. daju Bismarcks Brief an seine Gattin vom 
26./29. Oktober: „Wir werden den Reichstag wobl Ende Nodember (20.) hierher einberufen, 
mit Bundesrat und Sürstenkongreß. (Bismarcks Briefe an seine Gattin aus dem Kriege 
1670/71, S. 57). Auch M. Busch (Cogebuchblätter I. 331, 337, 351) fübrt verschiedene 
Auherungen Bismarcks an, aus denen sich ergibt, daß der Gedanke der Verufung des Neichs- 
tags diesen stark beschöftigte. Sbenso heißt es in dem Tagebuch des Kronprinzen zum 1. Aovember 
(S. 194): an geht ernstlich mit dem Gedanken um, den NAorddeutschen Aeichstag bierber 
— nach Versailles — zu berufen. * toll dieser Gedonke auf den ersten Blick erscheint, er 
bat doch das eine für sich, daß Graf Bismarck, der Se. Majestät nicht allein lassen und auch 
nicht von hier sort will, bevor ein entscheidender Abschnitt im Kriege eingetreten i#st, der 
andererseits den Veratungen des Bundesrats und Aeichstages beiwohnen mußh, auf diese Weise 
beides verbinden könnte. Auch würde die Macht des Eindrucks dieses Kriegsschauplatzes auf 
feindlichem Boden, sowie die Tatsache, daß der Reichstag in Versoilles, vor den Mauern von 
Paris tagt, seine Wirkung nicht verfeblen. Und wenn nun gar noch der von mir gewünschte 
Fürstenkongreß mit jenen Wibungen lusammensiele, so würde der deutschen Sache mit einem 
Schlage echollen ein « .«Roven1bekmetntedethonprthresttch(ssoo),dahdek 
Plan der Einberu ung des schon wieder aufgegeben sei. Aber noch am 4. Rovember 
gab Bismarck nach Berlin Weisung, den Gedanken in die öffentlichkeit zu wersen. Er durfte 
gewiß lein. daß eine solche öffentliche Erörterang dazu beitragen werde, die bayrischen Wider- 
stände weiter zu lockern. 
Versailles, den 4. Rovember 1870. 
Einberufung des Neichstages nach Blersailles] ist in Presse als wahrscheinlich für den 
Fall zu besprechen, daß die deutschen Verhandlungen guten Erfolg baben; weil alsdann die 
Vorlagen von solcher Bedeutung lind, daß Präsidium ulnd] Reichstag an demselben Orte 
sein müssen, der König aber das Heer zunächst nicht verlassen kann. 
1 Der Gedante der Einberufung des Aeichstags nach Versoilles fand in Verliner parlamentarischen 
Kreisen nirgends Anklang, Cl. : — Foriife 59= 2, A. o innlsglsitl vom a Send v Bubter kruber.) Aus 
k Nachloß, Deutsche Reoue, Augu s ein 
u“# 2cdes pochlah 0, man dachte erst noch an Svdl entschied 2 aber dann für Derlin. Bgl. 
5. Oncken, R. v. Bennigsen, II, 194.