626 Wilhelm 1. und die Kalserfrage im Reichstag. Münfters Adresse.
Versailles, den 9. Dezember 1870.
Amtlich nicht; er kann das auch logisch ulnd) schicklich nicht, bevor nicht Baiern ihm
die Antwort der Fürsten ulnd] Städte auf die bairische Anfrage mitgetheilt hat, ulnd) bevor
nicht feststeht, daß Bundesrath ulnd] Reichstag in die Verfassungsänderungen gewilligt
haben; denn da Blundeslrath ulnd] Reichstag berechtigt sind, auch anders m votiren,
so stände in dem Salle eine frübere Annahme-Erklärung des Königs in der Luft, aber
nicht in der Verfassung. Des Königs Bereitwilligkeit ist nicht zweifelboft, aber er muß
der Letzte sein, der sich ausspricht.
Teilweise bei E. v. Wertheimer, Bismarck im politischen Kampf. 5. 451 f.
*196. Telegramm an den Dräsidenten
des Bundeskanzleramtes Delbrück.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.]
Am 9. Dezember war im Hauptquartier ein für den König bestimmtes Telegramm des
Baolsschen Telegraphenbureaus eingelaufen, wonach der Abgeordnete Graf zu Münster im
Neichstage den Cntwurf m einer Adresse an den König eingebracht batte. in der auf die bereits
erfolgte Annahme der Kaiserwürde Bezug genommen fein sollte. Diese Nachricht versetzte
den König in grohe Erregung; er schrieb am 10. auf einem Zettel die Worte nieder: „Da i
die Krone noch nicht angenommen habe, da lie mir noch nicht Sachgemäh angetragen ist, so
muß sogleich nach Berlin #graphirt werden, daß dos Wort angenommen aus
der Adresse entfernt werde.“ Bgl. E. v. Wertbheimer, Bismarck im posthschen Kampf. S. 453.
Versailles, den 10. Dezember 1870.
Wentzel telegraphiert dem Könige von Graf Münsters Adresse, in welcher gesagt
wird, daß der König die Kaiserkrone angenommen. Seine Mafestät, erstaunt über diese.
falsche Voraussetzung, verlangt Berichtigung. Sorgen Sie, daß die Adresse richtig gefaht
werde. Graf Münster wird selbst die Sachlage begreifen. Ich verweise auf mein gestriges
Telegramm No. 297, worin ich die Sachlage dargelegt und entwickelt habe, warum der
König noch nicht angenommen haben kann.
*1968. Telegramm an den Dräsidenten
des Bundeskanzleramtes Delbriück.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Aats Abeken.]
Am 10. Dezember, mittags, hatte Delbrück an Bismarck das solgende Telegramm g.
richtet: iu Antreg der drei großen Fraktionen des Reichstags bitte ich Eure Exjellen die
allerböchste Bestimmung darüber einholen zu wollen, ob Se. Alajestät der König die Adresse
des Reichstags in Versoilles entgegennehmen, und ob die Uberreichung durch das Hräsidium
oder durch eine Deputation befohlen wird. Die erste Alternative befürworten die Konseroativen,
1 des Wolffschen Telegraphenbureaus, der in genauer Verbindung mit dem Vorleser-
des Föchert Fes Donssien uns h bäufig Telegramme für den anrchen ukommen leez. -*
Blemarck diese nicht immer P%rlälig Orientierung des Königs als störend empfand. izß * ibre orr etzung
durch Thile indbibieren. *“ auch Abekens Außerungen zu dem Grohber'o von, aden . * en uund erufenen.
Über gefährlichen Einfluß Schnelders“, Cagebuch des Grohherjogs zum 12. Dejember,. S. Ondeen, d. a O., II. 244.
* Siebe Ar. 1966.