Laskers Adresse. Der Könlg in großer Erregung über voreillgen Relchstag. 627
die zweite die Nationalliberalen." Kurz darauf konnte Delbrückt auch den Wortlaut des von
Lasker eingebrachten Adrehentwurfs mitteilen, in dem nicht mehr von einer bereits erfolgten
Annahme des Kaisertitels durch König Wilbelm I. die Rede war, londerr korrekt gesagt war,
daß „der NReichstag, vereint mit den Sürsten, bitte, der König möge durch Annahme der deutschen
Kaiserkrone das Einigungswerk weiben. Siehe eden vollen# Text der Adresse in Schultheß“
éuropäischer Geschichtskalender, Ig. 1870. S. Der König war inzwischen durch ein
Telegramm des Wolffschen Bureaus vom 9. Denber r, wonach am 10. die erste und weite
Lesung der Vorlog- wegen der Verfelsungsänderung (Kaiser und Teich) stattfinden sollte, in
neue Erregung versetzt worden, die sich in der Randbemerkung widerspiegelt: „Noch ehe i
mich ausgesprochen habel was ich nicht eher kann, als bis ich weiß, ob es die Für bzsten wollen!
Die Aufregung des Königs steigerte sich noch, als er aus einem Bericht des HFesondten ln
Dresden v. Eichmann ersah, daß der „leilerdriet König Ludwigs II. und dessen Bekanntgabe
im Reichstog einen sehr peinlichen Eindruck auf den lächsischen König gemacht hatte. So war
Wilbelm I., als ihm an Stelle Bismarcks, der sich am 9. infeige eines beftigen Anfalls seines
nervösen Beinleidens förmlich „abschloh“ und den König bis mm 17. Dezember gar nicht
geseben hat, Abeken über die neuesten Meldungen aus VBerlin in der Kaiserfrage Vortrag
halten welie in ungnädigster Laune. Na ekens Tagebucheintragungen zum 10. (Heinrich
Abeken, S. 478) hötte er an diesem Tage dreimal zum n rKönige, gemußt und wäre das zweite
Mal sogar. „in größter Ungnade binausgeworfen worden as es mit dem nach
an diesem Tage vom Könige eigenhändig geschriebenen Telegramm auf sich hat. das Bismarck
in Chiffern abgeben lassen follte, „aber nicht abgehen lassen wollte“. ist nicht ganz
klar; augenscheinlich wirft das Cagebuch hier Borgänge vom 10. und vom 11. Dezember durch-
einander. gl. dam auch Ar. 7970. VBorbem. Der vom Könige eingenommene Standpunkt
war jedenfalls der, daß er eine Deputation des Teichstags zur Entgegennahme der resse
keinenfalls empfangen wollte, ehe nicht simtiche deullche Fürsten ihre Zustimmung zu König
Ludwigs II. Keileroriest gegeben bätte aber konnte Bismarck,, wenn er nicht die
Annahme der Adresse und vielleicht Leibn werd Serlao.geiner n von seiten des TReichstages
gufs Spiel setzen wollte, nicht nach Verlin mitteilen as hätte ja gebeihen, den Aeichstag,
der soeben mit unerwartet großer Majorität allen schwerwiegenden Bedenken mum Trotz auch
den Vertrag mit Bayern genebmigt hatte, vor den Kopf stohen. So nahm es Bismarck in
der sicheren Erwartung, dah die Min busltebenben fürstlichen Jusktimmungserklärungen in den
nächsten Cagen erfolgen würden, und daß dann für den König kein Grund mehr besteben könne,
die ’ll der Adresse zu verweigern, auf sich, Delbrückes Anfrage vom Mittage
es 10. zu bejaben.
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Versailles, den 10. Dezember 1870.
Wenn die Adresse so angenommen wird, wie Ew. pp. sie in õhrem Telegramm Ar. 7
bierber telegraphiert haben, ist Seine Majestät der König bereit, sie bier in Versailles
entgegenmmehmen, will aber keine Bestimmung treffen über die Art der Üüberreichung, ob
durch Dräsidium oder Deputation, sondern überläßt dies dem Meichstage.
*1969. Telegramm an den Gesandien in München
Freiherrn von Werthern.
[Konzept von der Hond des Bortragenden Rats Abeken.]
Versailles, den 11. Dezember 1870.
Können Sie in unauffälliger Weise erfahren, wie weit es mit den Antworten der
Gürften und freien Städte auf die Anfrage in der Kaiserfrage gediehen ist:?
1 Wertberns Antwort vom 12. lautete: „Die Ankworten der Fürsten und freien Städte sind zum gröhten
Teil einoetreffen. - Angabe unmöglich, da einige Antworten auch direkt nach Hobenschwangau gegangen
lein können." PB9gl. E. v. Wertbeimer, Bismarck im Fobltilchen. Kampf. 8. ien Einoskdan mit
Bismarck richtete darauf der Grohber# von Daen,. (o cl. dessen Cogebuch, H. O a fl)
am 12, ein direktes Celegramm an König Ludwig II., in dem er dat, die von d- deutschen. FSürsten
und freien Städten erlangte Zustimmung u dem Kaiser-Antrag unmittelbar an Masestät den König von
Preuhen telegraphisch mteid zu nolfn, damit dieser der in den nächsten Cagen m erwartenden Aeichs-
tagsabordnung seinerseits die Annahme der Kaiserkrone ausfprechen könne.