Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

Bismarck für „Assekuram aller Mächte gegen jeden Sriedensstörer“. 51 
Der Botschafter bemerkte, dies würde zu einer Räuberpolitik führen; ich erwiderte, daß 
wir dasselbe nicht beabsichtigten; die europäische Dolitik jsei aber namentlich seit dem Seitalter 
Heinrichs IV. „Vichelieus, Ludwigs XIV., Rapoleons I. kaum von andern Prinzipien geleitet 
gewesen, und wir könnten unter Umständen zu unserer Notwehr gezwungen sein, wweifelbafte 
MNeutrale ebenso rechtzeitig unschädlich m machen wie Cngland 1808 die dänische Slotte“. 
Lord A. Loftus beklagte dabei den unglücklichen Zustand Europas, welcher die Bevöl- 
kerungen zu keiner vollen Beruhigung und friedlichen Entwicklung gelangen lalse; ich stimmte 
diesem Bedauern aus vollem Herzen bei und bemerkte dabei, daß es kein besseres Mittel zur 
Abhilfe dieles Zuftandes geben würde als eine gegenseitige Aslekuranz aller Mächte gegen 
jeden Friedensstörer; wir würden zu einer solchen Assekuranz immer bereit sein 
können, weil wir das sichere Bewußtjein hätten, daß der Griedensbruch niemals von unserer 
Seite kommen werde. 
Ew. pp. babe ich in vorstehendem nur ein msammenfassendes Bild der längeren und ein- 
gebenden Unterredung geben können. Mir ist diese geflissentliche Mahnung Englands zur 
Vorsicht von besonderer Bedeutung, wenn ich sie msammenhalte mit der ganz ähnlichen Mah- 
nung, welche neulich das Slorentiner Kabinett an uns gerichtet hat, und über welche ich 
Ew. pp. in meinem Erlaß Nr. 180 vom 2. d. M. Mitteilung gemacht habe. Sch vermag 
kaum beide in Zusammenhang zu bringen und auf dieselbe Quelle zurückzuführen, nämlich auf 
eine Anregung Srankreichs, welches auf diesem Wege uns einzuschüchtern und zu einer ängst- 
licheren Politik zu bewegen suchen mag, um dadurch, wie ich auch dem Botschafter angedeutet, 
desto freiere Hand in seinem Druck auf Belgien zu gewinnen. Es wäre erklärlich, daß das 
Kabinett der Tuilerien uns gegenüber jeden Anschein einer Pression zu vermeiden und die- 
selbe nur indirekt durch andere ausmüben suchte. Weniger verständlich aber wäre es mir, 
welches Interesse England daran haben könnte, uns Frankreich gegenüber in einer Weise 
entmutigen zu wollen, welche mein militärisches Gefühl beleidigt baben würde, wenn ich bei 
Lord Loftus ein volles Verständnis deslelben vorausgesetzt hättes. 
Ew. pp. wollen sich Lord Clarendon gegenüber in Ihren Auherungen auf derselben 
friedlichen, aber zuversichtlichen Linie bewegen, welche ich dem Botschafter gegenüber inne- 
ehalten. 
* H. MWichael, Bismarck, England und Europa, S. 442 ff. 
*1369. Erlaß an den Botschafter in London 
Grafen von Bernstorff. 
lKonfept von der Sand des Vortragenden Rats Abeken.]) 
Berlin, den 15. April 1869. 
Die Unterredung mit Lord A. Loftus, von welcher ich Ew. pp. in meinem heutigen Er- 
laß Nr. 1981 Mitteilung mache, veranlaßt mich, noch einmal auf meinen Erlaß Nr. 183 vom 
„Der letzte Absatz durch Zufätze und Korrekturen Bismarcks beftimmt. Der Schluß des Ablatzes 
von den Worten an: „und wir könnten unter Aussänd een. Zufügung von seiner nd. 
7 Gemeint ** der Zirkularerlaß vom 6. A G ehe D’r. 1362), den Bismarck versehemtlich auf 
den 2. Meril, das Setu leiner Unterredung *lr Lorh Launcy, anletzt. 
le etzte genbändiger Jusatz Bismarcks. 
noo. 1 Sleie das —3# Schriftftück. 
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