Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

582 Scheitern der Waffenftillstandsverhandlungen. 
Regierung zu gelangen, welche Herr Tbiers als den Sweck des Waffenstillstandes bezeichnet, 
liegt jedenfalls noch mehr im nteresse Frankreichs als in unserem, kann bei der durch auf- 
regende Proklamationen der französischen Regierung noch heut genährten Exaltation der 
Gemüter nicht einmal als eine sichere angenommen werden und ließe sich, wenn die jetzige 
Regierung den ernstlichen Willen dazu hätte, auch ohne den ganzen Apparat des Waffen- 
stillstandes herstellen“ — Alle Konzessionen sind demnach bei diesen Vorschlägen auf unserer 
Seite, und ich habe Herrn Thiers vergeblich gefragt, welche Aquivalente er dagegen zu bieten 
habe. 
Ich habe ihm dagegen, wie ich Ew. pp. bereits telegraphisch mitgeteilt habes, einen 
Waffenstillstand von 25 bis 28 Tagen auf Grund des status quo angeboten, um während 
dieser Zeit die Wahlen in Ruhe vornehmen und die Versammlung msammentreten lassen m 
können. - 
Auch dies ist immer noch eine Konzession von unserer Seite, bei welcher alle Vorteile 
auf seiten der Sranzosen sind. Wenn — wie Herr Thiers behauptet — Paris noch auf 
mehrere Monate mit Proviant versehen ist (was wenigstens in Bezug auf Mehl wir bis 
zum Januar hin als richtig anzunehmen Grund haben), so ist schwer einzusehen, warum sie an 
der Frage der Verproviantierung einen Waffenstillstand scheitern lassen sollten, der sie höchstens 
an fruchtlosen Ausfällen aus der Stadt Paris verhindert. Daneben aber hätte Srankreich 
von dem Waffenstillstande den großen Vorteil, daß den widerstandslosen Okkupationen fran- 
zösischen Gebiets, mit denen unsere freigewordene Metzer Armee beschäftigt ist, durch Demar- 
kationslinien Schranken gesetzt würden“. Herr Thiers hat indes das Anerbieten bestimmt 
abgelehnt und die Verproviantierung von Paris als notwendige Bedingung bezeichnet?, ohne 
— er ermächtigt wäre, für dieselbe irgend ein militärisches Aequivalent uns in Aussicht zu 
stellen. 
Ew. pp. sind ermächtigt, hiervon mündlich Mitteilung zu machen, schriftliches jedoch 
nicht aus den Händen zu geben. Weitere Informationen behalte ich mir vor. 
*1900. Telegramm an den Gesandten in Detersburg 
Heinrich VII. Prinzen Reuß. 
[Cigenhändiges Konzept.) 
Versailles, den 6. Rovember 1870. 
Tbiers hat beut ein trockenes Schreiben von FSavreri erhalten, worin ihm erklärt wird, 
da wir die Verproviantirung von Paris nicht ohne Aequivalent zugeben wollten, so sei der 
ach einem Telegramm an Aeuters und Wolffs Telegraphenbureau vom 7. Aovember, das von 
Bismarck selbst konsipiert ist, hat er einen dobingebenden Vorschlag an Tbiers gemacht. Das Telegramm 
lautet: „Rachdem Franjlösische) Reglierung] durch Thiers erklärt hatte, das deutsche Angebot eines Waffen— 
stilltandes von beliebiger Dauer auf Basis des militärischen status quo nicht annehmen zu können, schlug 
Grlafl Bismarck vor, die Regirung von Paris und Cours möge Wadlen ausschreiben ulnd] den Cermin mit- 
theilen, die deutschen Heere versprächen, auch obne Waffenstillstand die Wahlen in dem ganzen occupirten Theile 
Heiin, 26 mumlassen, zu fördern ulnd] ihre Sreiheit zu achten. Thiers batte darauf Besprechung in Vor- 
postenlinie mit Fa#re und Trochu, war aber, nach Beaiiss mrückgekebrt, nicht ermöchtigt, den deutschen 
Vorschlag erznehmen. hatte vielmehr Befehl abjubrechen.“ 
ilv I. Nr. 1903. 
" — Satz eigenhändiger Jusatz Bismarcks im ersten Konzept. 
7 Der des Satzes eigenhändiger Jusatz Bismarcks. 4 
1909. 1 Siehe den Text des Favreschen Schreibens vom 6. Vovember in J. Favre, Uouvernement de la 
Defense Nationale, II. 25 ss. «