thumbs : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Erster Band (A-K). (1)

Ablösung  der  Kommunalabgabenfreiheit  —  Ablösung  der  Reallasten.

(GS.  79)  und  in  den  im  Jahre  1866  erworbenen
Landesteilen  sowie  für  Abdeckereiberechtigungen
die  Bestimmungen  des  G.  vom  17.  März  1868
§§  23  ff.  (GS.  249)  maßgebend.  Uber  die  A.
(G.  vom  17.  Jan.  1845  §  43;  G.  vom  17.  Wärz
1868  §  62ô)  beschließt  der  BezA.,  gegen  dessen

Endurteil  unter  Ausschluß  anderer  Rechts=  V

mittel  die  Berufung  an  das  O#.  zugelassen
ist  (ZG.  §  133).  Die  Höhe  der  Entschädigung
setzt  der  Regierungspräsident  fest,  gegen  dessen
Entscheidung  nur  der  Rekurs  an  den  HM.  zugelassen
  ist  (Entschädigungsgesetz  §  50;  G.  vom.
17.  März  1868  8  67).

Ablösung  der  K#ommunalahgabenfreiheit.
Die  auf  einem  besonderen  Rechtstitel  beruhende
  Befreiung  (s.  d.)  eines  Grundstücks
von  Grundsteuern  kann  nach  §  21  des  RA.
vom  14.  Juli  1893  (GöS.  152)  von  der  Gemeinde
  durch  Zahlung  des  20fachen  Jahreswertes
  nach  dem  Durchschnitt  der  letzten
drei  Jahre  vor  dem  1.  April  desjenigen  BRechnungsjahres,
  in  welchem  die  A.  beschlossen
wird,  abgelöst  werden.  Steht  ein  anderer
Entschädigungsmaßstab  auf  Grund  des  besonderen
  Rechtstitels  fest,  so  hat  es  hierbei
sein  Bewenden.  —  Uber  die  A.  der  Gemeindeabgaben,
  die  auf  bäuerlichen,  zum  herrschaftlichen
  Gut  eingezogenen,  ihrer  örtlichen  Lage
nach  aber  nicht  mehr  erkennbaren  Grundstücken
ruhen,  s.  Wüste  Hufen.

Ablösung  der  Reallasten.  I.  Das  BG.  hat
wie  die  übrigen  dinglichen  Rechte  so  auch  die
Reallasten  geregelt.  Es  bestimmt  in  §  1105:
„Ein  Grundstüch  kann  in  der  Weise  belastet
werden,  daß  an  denjenigen,  zu  dessen  Gunsten
die  Belastung  erfolgt,  wiederkehrende  Leistungen
aus  dem  Grundstück  zu  entrichten  sind  (Reallast)).
  Beschränkungen  hinsichtlich  der  Reallasten
  schreibt  es  selbst  nicht  vor;  dagegen  hat
es  die  Landesgesetze,  welche  die  Begründung
von  Reallasten  ausschließen  oder  beschränken,
insbesondere  nur  gewisse  Reallasten  und  auch
diese  nur  mit  Beschränkungen  gestatten,  ebenso
die  Bestimmungen  über  die  Ablösbarkeit  und
A.  der  Reallasten  unberührt  gelassen  (EGBGB.
Art.  113—116;  vgl.  Pr  AG.  z.  BGB.  Art.  30
u.  31).  Die  für  die  A.  von  Reallasten  —  die
nachstehend  allein  behandelt  werden  soll  —
maßgebenden  früheren  Gesetze  bestehen  daher
auch  nach  Erlaß  des  Be.  noch  fort;z  sie  beziehen
  sich  aber  selbstverständlich  nur  auf  die
zur  Zeit  des  Inkrafttretens  des  BE.  bestehenden
  Reallasten  (EGBGB.  Art.  184).

er  Begriff  solcher  Reallasten  ist  nach
manchen  Richtungen  hin  bestritten;  im  allgemeinen
  versteht  man  darunter  wiederkehrende
eistungen  des  privaten  oder  öffentlichen  Rechts,
die  auf  einem  bestimmten  Grundstück  haften
(iicht  auch  diesenigen,  welche  nur  mit  Rüchsicht
auf  den  Besitz  eines  bestimmten  Grundstücks
zu  entrichten  sind).  Sie  können  in  einem  Tun
oder  Geben  bestehen,  in  Geld  oder  Maturalien
zu  leisten  sein,  regelmäßig  zu  bestimmten  Zeiten
oder  nur  bei  unregelmäßig  wiederkehrenden
Gelegenheiten  geschuldet  werden,  und  endlich
von  ein  für  allemal  bestimmter  oder  von  veränderlicher
  Höhe  sein.  Die  meisten  von  ihnen
rühren  aus  den  wirtschaftlichen  Verhältnissen
und  aus  der  Agrarverfassung  vergangener

 

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Jahrhunderte  her.  Doch  Können  sie  auch  auf
gesetzlicher  Anordnung  beruhen  und  ebenso
durch  Vertrag  oder  Verjährung  entstanden
sein  (wegen  Einschränkung  dieser  beiden  letzten
Erwerbsarten  vgl.  weiter  unten).  Bei  der
Mehrzahl  liegt  ihre  Entstehung  im  Dunkeln.
on  der  Servitut  unterscheiden  sie  sich  hauptsächlich
  dadurch,  daß  sie  zu  einem  aktiven
Handeln  verpflichten,  während  bei  der  Servitut
  der  Belastete  der  Regel  nach  nur  zu
einem  Dulden  verpflichtet  ist.

Seit  dem  Anfange  des  vorigen  Fahrhunderts
ist  die  Gesetzgebuung  auf  eine  Beseitigung  der
Reallasten  gerichtet  gewesen;  teils  sind  sie
ohne  Entschädigung  aufgehoben,  teils  für  ablösbar
  erklärt  worden  (vrgl.  auch  Gutsherrlichbäuerliche
  Regulierungen).  Ohne  Entschädigung
  der  Berechtigten  sind  außer  anderen
Leistungen  insbesondere  aufgehoben  alle  auf
einem  ehemaligen  schutzherrlichen  Verhältnis
beruhenden  Lasten  und  Abgaben;  für  ablösbar
  erklärt  sind  alle  anderen  beständigen  Abgaben
  und  Leistungen,  auch  wenn  sie  aus  dem
gutsherrlichen  Verhältnisse  hervorgegangensind,
mögen  sie  auf  eigentümlich  oder  auf  bisher
erbpachts=  oder  erbzinsweise  besessenen  Grundstüchen
  und  Gerechtigkeiten  gehaftet  haben,
insbesondere  also  alle  Aatural=  und  Geldzinsen,
  Fronden  (Hand=  und  Spanndienste),
die  Besitzveränderungsabgaben  (Laudemien),
der  Erbzins,  der  Kanon  bei  der  Erbpacht  u.
dgl.  m.  Ausgeschlossen  von  der  A.  sind
im  allgemeinen  die  öffentlichen  Lasten
mit  Einschluß  der  Gemeindelasten,  Gemeindeabgaben
  und  Gemeindedienste.  Die  Ausführung
  der  A.  gehört  zur  Zuständigkeit  der  Auseinandersetzungsbehörde
  (vgl.  d.).

Die  Gesetzgebung  über  die  A.  der  BReallasten
  ist  nicht  im  ganzen  Staatsgebiete  einheitlich
  gestaltet.  Für  den  ganzen  Staat
außer  der  Prov.  Hannover  gilt  jedoch  die
Vorschrift,  daß  mit  Ausnahme  fester  Geldrenten
  beständige  Abgaben  und  Leistungen
einem  Grundstück  als  Reallasten  nicht  auferlegt
  werden  können.  MNeu  auferlegte  feste
Geldrenten  können  nach  6monatiger  Kündigung,
  die  höchstens  für  30  Jahre  ausgeschlossen
werden  darf,  mit  dem  20  fachen  Betrage  abgelöst
  werden.  Durch  dieses  Verbot  werden
aber  Kreditinstitute  sowie  die  Vorschriften  über
Rentengüter  nicht  getroffen  (Abl  GS.  vom  2.  März
1850  —  GS.  77—  8  91;  G.  vom  28.  Mai  1860  —
GS.  221  —  §  18;  G.  vom  15.  Febr.  1872  —  GS.
165  —  §  13;  G.  vom  3.  Jan.  1873  —  GES.  3—
§54;  G.  vom  23.  Juli  1876  —  GS.  357—825;
Pr  a.  z.  BGB.  Art.  30  u.  89  Mr.  15).  Derartige
  verbotene  Reallasten  können  daher  auch
nicht  mehr  durch  Verjährung  neu  entstehen.  In
der  Prov.  Hannover  ist  bei  der  Veräußerung  von
Grundstücken  die  Neubegründung  von  BReallasten,
  welche  nicht  nur  in  festen  Geldrenten,
sondern  auch  in  Abgaben  von  reinen  Körnern
und  nutzbaren  Erdarten  sowie  in  Naturaldiensten
bestehen  können,  gestattet;  die  Vereinbarung
der  Unablöslichkeit  aber  wie  in  den  übrigen
Provinzen  ausgeschlossen  (Hann  V.  vom  23.  Juli
1833;  V.  vom  28.  Sept.  1867  —  GS.  1670  —;
V.  vom  3.  April  1869  —  EGS.  554;  vgl.  auch
unter  V).  —  Ablösbare  privatrechtliche  Lasten,