Full text: Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Erster Band (A-K). (1)

Kreisausschüsse. 
bühren, abgesehen von den gerichtsärztlichen 
Gebühren, ferner eine Amtsunkostenentschädi- 
gung, und in sanitäts= und medizinalpolizei- 
lichen Angelegenheiten Tagegelder und Reise- 
kosten bei Dienstreisen nach Maßgabe des G. 
vom 21. Juni 1897 (GS. 193), in gerichts- 
ärztlichen Angelegenheiten nach Maßgabe der 
V. vom 17. Sept. 1876 (GS. 411) und des Erl. 
vom 10. Mai 18901 (MMIBl. 93). Diensteinkom- 
men und Wohnungsgeldzuschüsse sind pen- 
sionsfähig. Der nicht vollbesoldete K. erhält 
(Dienstanw. § 25) eine pensionsfähige Besol- 
dung. Gebühren gemäß 88 3 ff. des G. vom 
9. März 1872 (G. 265), eine nicht pensions- 
fähige Amtsunkostenentschädigung und Tage- 
gelder und Reisekosten bei Dienstreisen wie 
die vollbesoldeten K. Ferner haben die voll- 
besoldeten wie die nicht vollbesoldeten K. bei 
Geschäften an ihrem Wohnorte oder innerhalb 
einer Viertelmeile von demselben Anspruch auf 
die Fuhrgostenentschädigung des § 1 des G. 
vom 9. März 1872 (GS. 265; vgl. Erl. vom 
2. Dez. 1901 — MMIBl. 1902, 5). Die K. ge- 
haren zur fünften Rangklasse der höheren 
rovinzialbeamten (AE. vom 18. Juni 1901 
— GS. 139); der älteren Hälfte derselben 
kann der Titel „MAledizinalrat“ mit dem per- 
sönlichen Rang der vierten Rangklasse ver- 
liehen werden. K., welche zehn Jahre lang 
den Titel Medizinalrat geführt haben, kann 
der Titel „Geheimer Medizinalrat“ verliehen 
werden. — Der Kreisassistenzarzt ist der 
Gehilfe und Vertreter des K. (§ 5 des G. und 
Dienstanw. § 31 Abs. 2). Er wird nach Ab- 
leistung der Kreisarztprüfung vom dem Mg A. 
gegen Remuneration widerruflich angestellt 
und von dem Regierungs= und MUiedizinalrat 
vereidigt (Dienstanw. für die Kreisärzte § 33); 
die Ausübung von Privatpraxis ist ihm gestattet. 
Kreisausschüsse. Die Kreise bedürfen zur 
Wahrnehmung der ihnen übertragenen Ge- 
schäfte bestimmter Organe. Zu diesen zählen 
in erster Reihe die K. (Kr O. f. d. ö. Pr. 88 130 
bis 166; HannkrO. 8§ 87—98; Hess Nassürd. 
§§ 88—99; WestfürO. §§ 75—86; A hein#. 
9 75—86; Schl Holstr O. §§ 118—129). Nach 
130 Kr O. f. d. ö. Pr. und den entsprechenden 
Vorschriften der übrigen KrO. wird zum 
Zwecke der Verwaltung der Angelegenheiten 
des Kreises und der Wahrnehmung von Ge- 
schäften der allgemeinen Landesverwaltung ein 
K. bestellt. I. Der K. besteht aus dem Landrate 
und sechs Mitgliedern, die vom Kreistage aus 
der Zahl der Rreisangehörigen mit absoluter 
Stimmenmehrheit gewählt werden (wegen der 
Prov. Posen s. Kreisstände, Posen). Gegen 
das stattgehabte Wahlverfahren kann jedes 
Mitglied des Kreistages bis zum Schlusse 
des Kreistages Einspruch erheben, über 
welchen der Kreistag endgültig Beschluß faßt. 
Die Wählbarkeit setzt das Vorhandensein 
derjenigen persönlichen Eigenschaften voraus, 
welche hinsichtlich der Wahlberechtigung für 
die Wahl zum Kreistage im Wahlverbande 
der größeren Grundbesitzer vorgeschrieben sind 
(s. Kreistagsabgeordnete). Geistliche, 
Kirchendiener und Elementarlehrer können 
nicht Mitglieder des K. sein; richterliche Be- 
amte nur mit Genehmigung des vorgesetzten 
  
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Ministers. Der K. kann nach Bedürfnis einen 
Syndikus (s. Justitiarien) bestellen, der an 
den Sitzungen mit beratender Stimme teilnimmt. 
Die Wahl der Ausschußmitglieder erfolgt auf 
sechs Jahre; alle zwei Jahre scheidet, das erste- 
mal durch Losbestimmung, ein Drittel aus. Jede 
Wahl verliert ihre Wirkung mit dem Aufhören 
einer der für die Wählbarkeit vorgeschriebenen 
Bedingungen. Gegen den darüber befindenden 
Beschluß des K. ist die Klage bei dem Bez. 
gegeben, die auch dem Vorsitzenden des K. zu- 
steht. Die Ausschußmitglieder werden vom 
Vorsitzenden vereidigt. Sie khönnen nach § 39 
LV. aus Gründen, welche die Entfernung 
eines Beamten aus seinem Amte rechtfertigen 
(Disziplinargesetz vom 21. Juli 1852 § 2), im 
Wege des Disziplinarverfahrens ihrer Stellen 
enthoben werden. Ordnungsstrafen khönnen 
dagegen gegen Mitglieder des K. als solche 
nicht verhängt werden (O. 25, 419). 
II. Anlangend die Zuständigkeit des K., 
so hat er: 1. die Beschlüsse des Kreistages vor- 
zubereiten und auszuführen, soweit damit nicht 
besondere Kommissionen, Kommissarien oder 
Beamte durch Gesetz oder Kreistagsbeschluß 
beauftragt werden; 2. die Kreisangelegenheiten, 
zu denen auch die Wahlen zum Kreistage ge- 
hören (O. 10, 45; 13, 30), nach Maßgabe der 
Gesetze und der Beschlüsse des Kreistages, so- 
wie in Gemäßheit des von diesen festzustellen- 
den Kreishaushaltsetats zu verwalten; 3. die 
Beamten des Kreises zu ernennen und deren 
Geschäftsführung zu leiten und zu beaussich- 
tigen; 4. sein Gutachten über alle Angelegen- 
heiten abzugeben, die ihm von den Staats- 
behörden überwiesen werden; 5. diejenigen 
Geschäfte der allgemeinen Landesverwaltung 
zu führen, die ihm durch Gesetz übertragen 
werden. Der K. ist hiernach: a) Kkommunales 
Verwaltungsorgan des Kreisverbandes; b) be- 
gutachtendes Organ; c) Beschlußbehörde in 
Sachen der allgemeinen Landesverwaltung 
gemäß LV. 8§ 4, 115 ff. (s. Beschlußver- 
fahren II); d) Kreisverwaltungsgericht nach 
LVE. 8§8 7, 50 ff. (s. Verwaltungsstreit- 
verfahren IV) und endlich auch noch e) Wald- 
schutzgericht, auf Grund des G., betr. Schutz- 
waldungen und Waldgenossenschaften, vom 
6. Juli 1875 (Go. 410). 
Die Leitung und Beaufsichtigung 
des Geschäftsganges des K. liegt dem 
Landrate ob, der in ihm den Vorsitz mit vol- 
lem Stimmrechte führt. Ist der Landrat ver- 
hindert, so geht der Vorsitz auf seinen Stell- 
vertreter über; ist dies der Kreissekretär, so 
führt nicht dieser, sondern das vom Ausschusse 
hierzu gewählte Mitglied den Vorsitz. Für 
den Fall, daß die gesamte landrätliche Ver- 
waltung einem dem Landrate zugeteilten Re- 
gierungsassessor oder einem kommissarischen 
ertreter übertragen ist, so ist dieser zugleich 
Vorsitzender des K. Auf den Kreisdeputierten 
gebt der Vorsitz nur dann über, wenn er den 
andrat in seiner ganzen Verwaltung vertritt 
(Erl. vom 15. Okt. 1874 — AMl. 258 — und 
vom 17. Dez. 1875 — M l. 1876, 13; vgl. auch 
OS. im Pr Wl. 15, 570) fs. auch Landrat lVI. 
Der Landrat führt auch die laufenden Geschäfte 
der dem KR. übertragenen Verwaltung, bereitet
	        
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