Landrecht — Landschaften
Landratsämtern überall ein
Nreisboten angestellt. In einzelnen Kreisen
der Regierungsbezirke Stade und Aurich sind L
den Landräten zur Wahrnehmung des örtlichen
Polizeidienstes Polizeikommissare, sowie Polizei-
wachtmeister und Schutzmänner beigegeben. Zur
Bestreitung der Kosten der sonst erforderlichen
Hilfskräfte für die Besorgung der Geschäfte der
Registratur, des Sekretariats und der Kanzlei
(die sog. lan drätlichen Bureau
hilfsarbeiter, welche indessen
lich im Privatbeamtenverhältnisse stehen; wegen
deren Reisekosten bei Aushebungen usw. f.
Ml. 1897 S. 216, 262; 1908, 269 und bei
Flurschäden Erl. vom 4. Febr. 1911
Ml. 101); sowie für die sachlichen Unkosten
(Miete, Beheizung, Beleuchtung, Reinigung,
sächliche Bureaukosten usw.) erhält der L. eine
Dienstaufwandentschädigung in Gestalt eines
Pauschquantums. Dasselbe erhöht sich (sog.
Pferdegelder, Fuhrkostenzuschuß), wenn der L.
eigenes Dienstfuhrwerk hält. Betreffs Gewährung
des Zuschusses bei Verträgen mit Fuhrunter-
nehmern, sowie im Falle der Haltung eines
Automobils s. Erl. vom 10. Sept. 1907 (Ml.
259). Tagegelder und Reisekosten stehen dem L.
für Dienstreisen innerhalb des Kreises im allge-
meinen nicht zu (s. auch Erl. vom 5. Juni 1889
— MBl. 122; vom 21. März 1900 — MBl. 179).
v. Rönne -Zorn, Preuß. Staatsrecht (1906) 2,
621 ff.; Schön, Kommunalverbände, 1897, 361 ff.;
Gelple im Verw Arch. 10, 211 ff.
Landrecht s. Allgemeines Landrecht.
Landrentmeister ist die Amtsbezeichnung für
den Rendanten der Regierungshauptkassen (s. d.).
Landsassengüter s. Landgüter.
Landschaften. Die L. (in der Kur= und Neu-
mark und der Prov. Hannover „vritterschaftliche
Kreditinstitute" genannt) sind öffentliche Pfand-
briefanstalten (s. d.), die auf der korporativen
Zusammenfassung des Grundbesitzes beruhen.
Die ersten L. sind, teilweise unter Widerspruch
der Stände, unter Friedrich dem Großen be-
gründet, der in dem Plan eines Kaufmanns Bü-
ring den Keim der großen und fruchtbringenden
Organisation erkannte, zu der sich das Pfand-
briefswesen entwickelt hat. Die älteste L. ist die
Schlesische mit Regl. vom 9. Juli 1770. Es folgt.
das Kur= und Neumärkische ritterschaftliche Kre-
ditinstitut (1777), die Pomm. L. (1781), die West-
ledig-
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oder mehrere (1865); das Neue Brandenb. Kreditinstitut (1869)
lür den bäuerlichen Grundbesitz; die Neue Pomm.
, anfänglich unter dem Namen „Pomm. Land-
kreditverband“ (1871) ebenfalls für den bäuer-
lichen Besitz; die Zentrallandschaft für die preuß.
Staaten (1873) — s. darüber unter V; die L.
der Prov. Westfalen (1877); der landschaftliche
Kreditverband für die Pror- Schleswig-Holstein
(1882); die Schl Holst. L. (1895) für die Ritter-
güter der Provinz. Die gleichartigen Institute
der Prov. Hannover sind ungefähr aus derselben
Zeit wie die älteren preuß. L., bleiben aber an
Bedentung weit hinter ihnen zurück, es sind dies:
das Ritterschaftliche Kreditinstitut zu Celle (1790);
1 der Ritterschaftliche Kreditverein für die Fürsten-
tümer Kalenberg-Grubenhagen, Göttingen, Hil-
desheim zu Hannover (1825); der Brem. Ritter-
schaftliche Kreditverein zu Stade (1826). Die
Reglements der L. und die zahlreichen dazu er-
gangenen Nachträge sind im Hof= und Staats-
und wird hier darauf verwesen.
I. Rechtliche Stellung und Orga-
mnisation der L., Privilegien. Die L.
sind öffentliche Korporationen. Ihre Direktionen
haben den Charakter öffentlicher Behörden,
ihre Beamte sind mittelbare Staatsbeamte
(Kab. vom 14. Mai 1832 — GS. 145; Diszi-
plinargeset vom 21. Juli 1852 — GS. 465 —
§ 24). Die landschaftlichen Behörden sind auch
mit staatlichen Aufgaben anderer Art betraut,
namentlich bei der Zwangsverwaltung (s. u.),
der Ausstellung von Unschädlichkeitsattesten (s.
Unschädlichkeitszeugnissc) und der
Festsetzung von Lehnstaxen. Die höheren Be-
amten werden gewählt (außer bei der Posener
L.) und vom Könige oder dem Minister bestätigt,
die mittleren und unteren Beamten werden von
der Direktion ernannt. Vollbesoldete Beamte
sind der Regel nach nur die Syndici und die
mittleren und unteren Beamten. Die General-
landschaftsdirektoren und Räte beziehen ge-
wöhnlich nur mäßige Bezüge als Entschädi-
gung für Zeitverlust und Repräsentation. Die
Organisation stimmt nur in den Grundzügen
bei den verschiedenen L. überein. An der Spitze
der Verwaltung steht eine Generallandschafts-
(Hauptritterschafts)direktion, neben oder über
ihr ein engerer Ausschuß. Das oberste Organ
ist die aus Deputierten der Grundbesitzer be-
preußische (1787), die Ostpreußische (1788). Diese stehende Generalversammlung (Generallandtag).
fünf alten L. haben alsbald in den schweren Er= In Schlesien, Pommern, der Mark und West-
schutterungen der napoleonischen Zeit und den l preußen zerfällt die L. in Departements (Fürsten-
in Verbindung damit stehenden Wirtschaftskrisen tumslandschaften) mit eigenen Direktionen und
den vollen Beweis ihrer Lebens= und Leistungs- I Repräsentantenkollegien. In der Mark und
jähigkeit erbracht; wenn auch vorübergehend Westpreußen handelt es sich dabei um eine
Indulte und staatliche Vorschüsse gewährt wer= bloße Verwaltungseinteilung, in Schlesien und
den mußten, sind sie doch schließlich allen Ver- Pommern dagegen um korporative Gliederungen,
oflichtungen nachgekommen und vor einem Zu- die mit eigenem Vermögen (eigentümlichen
sammenbruch bewahrt geblieben. Später wur= Fonds) ausgestattet sind. Die Staatsauf-
den gebildet: die Pos. L. (1821), die im Jahre sicht über die L. wird in oberster Instanz vom
1877 ausfgelöst wurde, indem an ihre Stelle der MsiL. wahrgenommen (AE. vom 10. Sept. 1874
1857 begründete Neue Kreditverein für die GS. 310), in erster Instanz regelmäßig von
Prov. Posen getreten ist, der später den jebigen dem Oberpräsidenten als besonders bestellten
Namen „Posener Land chaft“ angenommen hat; kgl. Kommissar. Dieser führt auch den Vorsitz
die Neue Westpreuß. L. (1861) für den nicht= auf den Generallandtagen. Die alten Land-
ritterschaftlichen Teil des Grundbesitzes der Pro= schaftsreglements hatten die Natur von Spe-
vinz; die L. der Prov. Sachsen (1864); das ialgeseben: in denen den Instituten na-
Rreditinstitut für die Ober= und Niederlausitz mentlich im Interesse der prompten Beitrei-