Volltext : Die Weltgeschichte. Erster Theil. Das Alterthum. (1)

230  Die  Rämer.

die  Volsker  und  Herniker  zum  latinischen  Bunde,  der  nun  aus  47
Städten  bestand,  deren  Vorort  Rom  war.  Er  eroberte  Suessa  Pometia
und  Gablü  und  belagerte  eben  Ardea,  die  Stadt  der  Rutuler.  Da  entehrte
  sein  Sohn  Sertus  die  edle  Römerin  Lukretig,  und  diese  tödtete
sich  selbst  vor  den  Augen  ihrer  Verwandten,  weil  sie  ihre  Schmach  nicht
überleben  wollte.  Während  die  anderen  erstarrt  dastanden,  zog  Junius
Brutus  den  Dolch  aus  der  Wunde  und  forderte  alle  zur  Rache  an  dem
Königssohne  auf.  Man  trug  den  Leichnam  der  Lukretia  auf  den  Marktplatz,
  erzählte  dem  zusammengelaufenen  Volke,  was  geschehen  sei,  und
forderte  es  auf,  die  königliche  Familie  vertreiben  zu  belfen.  Die  Plebejer
  fielen  den  Patriciern  zu,  weil  sie  den  König  keineswegs  liebten  und
der  an  der  Lukretia  verübte  Frevel  das  sittenstrenge  Volk  tief  empörte.
Tarquinius,  der  im  Feldlager  von  diesen  Vorgängen  hörte,  eilte  ungesäumt
  nach  Rom;  allein  er  fand  die  Thore  verschlossen,  und  als  er  zu
dem  Heere  zurückkehrte,  um  es  gegen  die  Stadt  zu  führen,  wurde  er
auch  von  den  Soldaten  zurückgewiesen.  Von  allen  verlassen,  sloh  er
mit  zwei  Söhnen  nach  dem  tuskischen  Cäre,  der  Frevler  Sertus  aber
nach  Gabi#,  wo  er  bald  seinen  Tod  fand.

Zum  Andenken  an  die  Flucht  des  Königs  feierten  die  Römer  am
24.  Februar  ein  eigenes  Fest  „die  Königsflucht“  (regilogium);  doch
schmähten  sie  das  Andenken  der  alten  Könige  nicht  und  deren  Bilder
blieben  bis  in  die  späteste  Zeit  auf  dem  Kapitole  aufgestellt.  Tarquinius
  entsloh  aus  Rom  509  v.  Chr.,  als  Darius  Hpstaspis  über  Assen
b#errschte  und  Hippias  aus  Athen  vertrieben  wurde.

Künftee  Kapitlel.

Die  rmische  Republik.
Die  Konfuln.

In  Rom  selbst  blieb  nach  der  Bertreibung  des  Königs  wesentlich
alles  wie  früher;  die  Plebejer  gewannen  nichts,  als  daß  statt  des  Königs
nun  die  Patricier  über  sie  herrschten.  Die  königliche  Gewalt  wurde
zweien  patricischen  Konsuln,  auch  Praelores  oder  Judices  genannt,
welche  der  Senat  wählte  und  die  patricischen  Kurien  bestätigten;  sie
regierten  aber  nur  ein  Jahr  lang  und  konnten  nach  Ablauf  desselben
zur  Rechenschaft  gezogen  werden.  Golddurchwirkte  Purpurmäntel  und
goldene  Kronen  wie  die  Könige  durften  Hie  nicht  tragen,  wohl  aber  ein
eigenes  Amtskleid  (toga  praetente)  und  einen  elfenbeinernen  Stab;
wwölf  Liktoren,  welche  die  Fasces  mit  dem  Beile  trugen,  gingen  ihnen