180—181. 1611 439
sie sich davon nicht abweisen lassen sondern sie nächsten Donnerstag
[Mai 12.] vornehmen werden. Wenn die Krönung ohne des Kaisers Willen
geschieht, so wollen wir uns davon fernhalten, doch haben die
Sachsen deswegen noch ihrem Kurfürsten geschrieben; dessen Bescheid will
auch ich mich fügen. E. kfl. Gn. ersehen aus dem Protokoll, was der Kaiser
durch den Landgrafen von Leuchtenberg mir wegen des Kurfürstentags
hat befehlen lassen und köunen Sie dem entsprechend verfügen.
Sachsen will wegen der drohenden Gefahr nicht von Mühlhausen
ablassen und stellt sonst sein persönliches Erscheinen in Frage.
Die Motive sind derartig, dass man es dem Kurfürsten nicht verübeln kann;
man kann aber darüber nicht schreiben. Ich bitte nochmals, bei
diesem wichtigen Handel mich nicht allein zu lassen. Datum Pragk
den 7. maii a. 1611. — Pıraes. Aschaffenburg 15. maii 1611.
Nachschrift: Wegen der Wachen und wegen des anderen Kriegswesens
ist e8 hier noch beim alten; die Passauer liegen zu Budweis in guter
Ruhe und scheinen nicht weichen zu wollen, wenn nicht die Böhmen
näher heranrücken. Mir scheint, dass der Eifer bei diesen nicht mehr
so gross ist wie zuvor und sie nicht mehr so böse sind; sie werden
wol merken, „dass es ohne starcke cappen nicht abgehen mogte,“
wollte man jene mit Gewalt vertreiben. „Gott schick alles zum besten
und helfe mir balt wieder mit gluck haimb, dan ich der ehren, ein
geheimer kaiserlicher rath zu sein, schon gar müed und verdrossen
bin, will einem anderen die ehr gar gern ubertragen.‘‘
Wus. Reichstagsakten, Bd. 103c, no. 107; Or. eigh.
181. Lüttichau und Gerstenberg an den Kurfürsten
von Sachsen.
Heute haben wir mit Wallenstein und Thurn über unsern
gestrigen Vortrag ! vertraulich gesprochen. Beide erboten sich hoch
gegen E. kfl. Gn., aber erklärten schliesslich, es wäre ‚die gemeine
durch den pragischen einfall (dann das übrige wolten sie gerne
vergessen) also erhitzet, dass alles denken, handeln und rathschlagen
vergeblichen.“ Sie baten uns, sie bei E. kfl. Gn. aufs beste zu
entschuldigen und erboten sich, uns stattliche Ursachen anzuzeigen,
warum wegen der Krönung und wegen der gänzlichen Abtretung des
Regiments nichts mehr geändert werden könne. Darnach hat uns
der Kaiser erfordern lassen und hat uns neben Braunschweig, Leuchtenberg,
Mollart und Brömser „bei anderthalben stunden ein solch claglich
und beweglich gespräch gehalten, dass wir uns der threnen kaum
erwehren können.“ Der Inhalt der Rede war: „1) die crönung
zu verhindern 2) oder auf vier monate zu prorogieren 3) oder von
hinnen I. ksl. M.* zu bringen, darzu sie dann Regensburg vorschlugen.“
— Nach gehaltener Beratung hat Braunschweig erwidert:
—-— .n- . _ _._
’ Vgl. no. 175, S. 431, Anm. 1.
Mai 7.
Mai 7.