Full text : Die Weltgeschichte. Zweiter Theil. Das Mittelalter. (2)

Rudolf  von  Habsburg.  241

rath  (1251)  mit  König  Heinrichs  des  Hohenstaufen  Wittwe  Margaretha
gewann  er  Oesterreich  und  Stepermark,  das  1192  an  Oesterreich  durch
Erbschaft  gekommen  war.  Margaretha  war  die  Schwester  des  Herzogs
Friedrich  des  Streitbaren,  des  letzten  Babenbergers,  welcher  15.  Juni
1246  an  der  Leitha  gegen  König  Bela  IV.  von  Ungarn  blieb.  Friedrich
  II.  vermochte  es  nicht,  die  Rechte  des  Kaisers  auf  die  erledigten
Reichslehen  geltend  zu  machen,  ebenso  wenig  als  der  Sohn  Hermanns
von  Baden  und  Gertrudens,  einer  Bruderstochter  des  letzten  Babenbergers,
  Friedrich,  später  Konradins  Unglücksgefährte,  mit  seinen  Ansprüchen
durchdringen  konnte.  Da  übertrug  Gertrud  ihr  angebliches  Erbrecht  an
König  Bela  IV.  von  Ungarn,  der  sich  jedoch  mit  der  Abtretung  des
Zrößeren  Theils  von  Stepermark  begnügte.  Der  steperische  Adel  ertrug
aber  die  ungarische  Herrschaft  nicht  lange  und  wandte  sich  an  Ottokar,
welcher  das  ungarische  Heer  12.  Juli  1260  in  einer  mäörderischen
Schlacht  bei  Kroissenbrunn  besiegte  und  dadurch  Steyermark  gewann.
Jetzt  verstieß  er  Margarethen  und  ehelichte  die  stolze  Kunigunde,  eine
polnische  Prinzessin,  verstärkte  seine  Macht  durch  Kärnthen,  das  er  1269
von  dem  letzten  Herzog  Ulrich  III.  erbte,  und  war  so  mächtiger  als  jeder
Fürst  des  Reichs.  Er  erbitterte  jedoch  den  Adel  durch  die  stolze  Härte,
mit  welcher  er  denselben  zum  Gehorsam  anhielt,  und  schuf  dadurch  dem
neuen  Könige  Rudolf  eine  mächtige  Partei.  Ottokar  glaubte  dem
ehemaligen  Grafen  von  Habsburg  nichts  nachfragen  zu  müssen,  verschmähte
  ihm  die  Huldigung  zu  leisten  und  sich  in  seinen  Reichslehen  bestätigen
  zu  lassen.

Rudolfs  Kriegszüge  nach  Oesterreich  (1276—1278).  Die  Schlacht  auf
dem  Marchfelde  (26.  Aug.  1278).

Aber  Rudolf  war  nicht  der  Mann,  der  sich  solchen  Trotz  gefallen
ließ;  auf  einem  Reichstage  erklärte  er  Ottokar  1275  in  die  Acht,  zog
binab  an  die  Donau  und  brachte  den  stolzen  König  durch  seine  Ueberlegenheit
  in  der  Hcerführung  sowie  durch  die  Klugheit,  mit  welcher  er
Ottokars  Feinde  zu  benutzen  verstand,  so  ins  Gedränge,  daß  er  bald
(1276)  um  Frieden  bitten  mußte.  Rudolf  gewährte  ihm  denselben,
aber  es  dauerte  nicht  lange,  bis  Ottokar  wieder  zu  den  Waffen  grif,
weil  er  sich  nicht  zur  Abtretung  der  babenbergischen  Erbschaft  entschließen
konnte.

Rudolf  befand  sich  noch  in  Oesterreich,  und  sein  Heer  war  klein,
denn  die  meisten  Fürsten  und  Herren  blieben  zu  Hause;  nur  aus  Bayern,
Tprol,  Schwaben,  dem  Elsaß  und  der  beutigen  Schweiz  kamen  treue
Schaaren,  mit  denen  er  noch  als  Graf  seine  meisten  Kriege  geführt
batte.  Zuletzt  traf  der  Bischof  von  Basel  mit  den  Seinigen  ein;

kummervoll  sagte  er  dem  Könige:  „Herr,  es  kommen  keinc  mehr  nach,
Vumüller,  Mittelakter.  16