Metadata : Deutsches Kolonial-Handbuch.

I.  Die  Ernährungsverhältnisse  der  Volksschulkinder.  143

2.  Es  ist  so  viel  zu  verabreichen,  daß  das  Kind  dauernd  auf  seinem

normalen  Gewichte  bleibt.

Bietet  nun  schon  das  ganze  Aussehen  der  Kinder  bei  besserer  Ernährung
  einen  guten  Anhaltspunkt,  so  wird  doch  von  vornherein  gesagt
werden  müssen,  daß  eine  Schulspeiseanstalt  gut  daran  tut,  auch  das  Gewicht
  der  Kinder  zu  kontrollieren,  da  man  sonst  die  Hebung  des  Gesundheitszustandes
  viel  zu  subjektiv  beurteilt.

Aus  dem  Gesagten  geht  hervor,  daß  die  Ernährung  der  Kinder
eine  reichliche  sein  muß  und  sich  nicht  etwa  nur  ch  dem  Gewichte  der
herabgekommenen  Kinder  regeln  darf,  sondern  dieses  verbessern  muß.
Bei  der  Abgabe  der  Speisen  muß  man  sich  natürlich  von  dem  Nahrungsbedürfnisse
  der  Kinder  leiten  lassen,  man  hat  aber  manchmal  im  Anfange
  wenigstens  oft  Schwierigkeiten,  die  Kinder  an  eine  vernünftige
Kost  zu  gewöhnen.  Genau  für  jedes  Kind  abgegrenzte  Portionen  haben
keinen  Zweck,  da  die  individuellen  Bedürfnisse  sehr  ungleich  sind;  die
individuelle  Regelung  hat  sich  überall  als  Notwendigkeit  herausgestellt.
Insoweit  man  für  das  Frühstück  zu  sorgen  hat,  soll  man  beachten,  statt
des  Kaffees  u.  dgl.,  wie  oben  erwähnt,  auch  gehaltvolle  Mehl=  und
Milchsuppen  und  ähnliches  zu  reichen  und  statt  eines  reichlichen  einmaligen
  Frühstücks  eine  Teilung  in  erstes  und  zweites  Frühstück  eintreten
  zu  lassen.

Am  besten  gesorgt  wird  für  die  Kinder  in  den  Kinderhorten,  hier
läßt  sich  in  solchen  Fällen,  in  denen  die  Kinder  des  Abends  in  der
Familie  nur  sehr  wenig  Kost  erhalten,  durch  Verstärkung  der  Vespermahlzeit
  den  Ubelständen  etwas  vorbeugen.  Ich  glaube  auch,  daß  in
vielen  Fällen  durch  direkte  Belehrung  der  Mütter  mancher  häusliche
Übelstand  beseitigt  werden  könnte.  I##  jeder  Hinsicht  wird  man  sich
bei  der  Ernährung  auf  das  Nötige  beschränken  müssen,  ohne  alle
Künstelei  und  unnötigen  Aufwand.  Erhält  ein  Kind  zwar  kein  warmes
Mittagbrot,  aber  abends  warme  Kost,  so  darf  man,  glaube  l-  in  dem
Ausfalle  der  einen  warmen  Mahlzeit  noch  keinen  Grund  sehen,  diese
Ernährung  an  sich  als  nachteilig  oder  schädlich  anzusehen  und  wird
demgemäß  auch  nicht  verpflichtet  sein,  durch  Schulspeisung  einzugreifen.

n  vielen  Ländern  ist  die  Mittagmahlzeit  recht  einfach  und  die  warme

auptmahlzeit  wird  auf  den  Abend  verlegt,  ohne  allen  Nachteil  für
die  Gesundheit.  Bei  Errichtung  einer  Speiseanstalt  muß  man  trotz
aller  Individualität  der  Ernährung  natürlich  einen  annähernden  Überschlag
  über  den  nötigen  Nahrungsbedarf  an  der  Hand  haben,  um  das
Budget  aufstellen  zu  können  und  eine  richtige  Wahl  der  Nahrungsmittel
im  Durchschnitte  zu  treffen.  Über  den  Nahrungsverbrauch  im  schulpflichtigen
  Alter  sind  wir  genügend  unterrichtet;  man  kann  das  mittlere
Gewicht  von  Knaben  und  Mädchen  im  Alter  zwischen  sechs  und  elf
Jahren  auf  rund  24  kg  annehmen.  Für  Kinder  dieser  Größe  reichen
im  Durchschnitte  (1482  Kalorien)  rund  1500  Kalorien  als  Nahrungszufuhr
  aus.  Sind  die  Kinder  heruntergekommen,  so  wiegen  sie  weniger,
vermögen  sich  aber,  wenn  man  ihnen  obige  Nahrung  gibt,  auf  das
normale  Gewicht  zu  heben.  Es  hat  aber  kein  Bedenken,  daß  man
ihnen  unter  Umständen  noch  etwas  mehr  Nahrung  gibt,  damit  sie  schneller
auf  das  normale  Körpergewicht  kommen.