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Flũssigleit: beize für leder, elfenbein. holz, eisen u. a.;
sprichwörtlich: er ist in eine scharfe beize geraten, in
ertremum pericitm adduetus esk Stieler. — Bei-
zeichen, v. beigefügtes Zeichen; Verdeutschung für Attri-
but: Hercules . ihm fehlt keines jener bekannten
Bezzeichen — bekannt.
beizeichen Goethe Philostr. Gemälde. — beizeiten,
j. unter bei II 3; älter beizeit, zu rechter zeit Henisch.
Beizen, eigentlich beißen machen, ahd. beigan, beixen,
mhd. beizer. erst seit 16. Ih. m heutiger Form; als Jäger-
wort, mit Falken jagen: beitzen aucupart Schottel;
mit falken, sperbern, babichten beizen; mit Aec. des
Erjagten: vögel, kleines wild beizen; wenn . mun mit
im (dem Habicht) paiszen will die wilden vogel Myn-
singer 37; beim beutigen falkensport werden nur noch
hasen gebeizt v. Fels z. Meer 1887, Sp. 1880; srrich-
wörtlich: wer nicht falken hat, musz mit eulen beizen;
auch locken, lirren: ein falken auf der hand mit dem
luder baizen Fischart Podagr. H 6; als Handwerker-
wort, eine scharfe Flüssigkeit einfressen lassen: beitzen,
infieere Maaler:; leder, häute, holz, elfenbein, metall
beizen; beitzen, praeparare coria Henisch: üfleisch
beizen, durch Essig oder Salz vor Fäulnis bewahren;
in allgemeinerem Gebrauche: ein gesicht mit kunstlicher
röthe gebeizt Sturz 2, 64; eucb wird das bad geheizt:
auftampfen solls und qnalmen, dosz euchs die augen
beizt Uhland 362; bei madehen, die durch liebes-
ungluck gebeizt sind, wird ein beirathsvorschlag bald
gar Goethe Götz 3; im Part. Präl.: beizende fussig-
keiten, wässer; beizender rauch, qualm; ein beizender
toback Goethe Faust I.— beiziehen, zuziehen Stieler;
es wurden sachverständige beigezogen; zur verhandlung
bilfsgeschwarne beiziehen.
Bejahen, in Alerer Spr. (mit dem Iterativ be-
jachzen, mhd. bejaäzen) durch ein Ja einwilligen: bejaben,
bejachzen, bewilligen, unnemen Henisch; später, durch
ja beantworten, zugestehen: er bejuhet die tahr Stieler;
frage bejahen Treitschke 1, 626; worauf grunden wir
das recht, den anfang zu bejahen und das cude zu ver-
neinen? Schiller 1, 31; grammatisch bejabende sätze:
jrei: was .. die nugen itzt bejahten Wieland Joris
3, 31; auch = bestätigen, im Gegensatz zu verneinen
= leugnen: dasz er lang in Aegypten gewesen.. Will
ich weder bejahen noch verneinen Schiller 1,231.—
bejahrt, in Jabren vorgerückt: du bist so wol bejäret
Wolfram Willch. 215, 10; unter der aufsicht eines be-
jahrien lofmeisters Wieland Abd. 1, 9; zum groszen
verdrusz der bejahrteren Keller Seldw. 2, 175; dich-
terisch von Gegenständen: ein bejahmer hain Wieland
Aspasia. — bejammern, jammernd beklagen: es bejam-
mert mich deiner oder ich bejammere dich Henisch;
jetzt nur in letzterer Fügung: einen freund, den ver-
tust eines freundes, den untergang des vaterlandes
(Treitschke 1, 217) bejammern; bejammerte dasz er
des notuwendigsten ermangeln muszte Goethe 30, 128;
eine narrheit, die bis zum bejammern kläglich ist Iss-
land leichter Sinn 3, 1. — bejauchzen, jauchzend auf-
nehmen: gesundheiten wurden ansgebracht und bejauchzt
CV Mever Nor. 1, 275. — bejubeln, mit Jubel em-
pfangen, einen, etwas: (man) bejubelt ###e Heinse Ard.
1,14; bejubelt von der volksmasse Taylor Antin. 309.
Bekämpfen, lämpfend angreisen Stieler; seiode,
leidenschalten, mangel Adelung; wenn ich die bösen.
geister . bekümpfe Taylor Antin. 131; wafke. mit wel-
cher die papisten unsern Calv: n Jekämpfen CF Mever
Nov. 1, 43; die bekümpfung dieses planes Preußen i. B.
1, 57. — bekannt, Part. zu bekennea (s. b.), über die
noch bente geltende Bed. des Verbums binaus adjectiv
(Röm. 14, 11), gottes namen (1. Kön. 8, 33), Christum
(2. Job. 1, 7); welche religion ich bekenne 7 Schiller
mein Glanbe; bekenvest Jhesum, das er der herr sei
verwendct, = kund, weiterbin gelannt, genaner gewußt,
in fesien Verbindungen: etwas bekannt machen, geben:;
er hat sich schon in weiteren kreisen bekannt gemacht;
etwas ist, wird bekannt, allseitig, in weiten kreisen
bekannt; er ist mir nicht bekannt; ich bin bei euch
zveisler. — Bekehrung, k. Hanklung
conversio bekerung, bekerung zu got
der heiden; als Kirchenfest Pauli bekehrung (25. Jan.).
2
—
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allenthalben wol bekand 2. Cor. 11, 6; ein tag der
dem herrun bekand ist Sach. 14, 7; der berr wird den
Exyptern bekand werden Jes. 19, 21; euer gnaden sind
bekannt für einen boben kricgesfürsten Schiller
Wallenst. Tod 1, 5; mir ist bekannt, dasz er abgereist
ist; mit einem, ctwas bekannt sein, — eindringender
kennen: mit den rechtsquellen genau bekannte juristen
Schlosser Weltg. 16, 479; ich bin mit einem gut,
näher, nicht näher, Hüchtig bekannt; aktributiv: eine
bekunnte sache, erscheinung, die von vielen gekannt
wird; ein wegen sciner gelebrsamkeit bekannter mann
Steinbach; bekannter maszen (auch zusammengerückt),
wie man überall kennt; sprichwörtlich: nach dem mund
Bekanntheit — betennen.
gebet die bekannteste heerstrasze Henisch; substantiv
der, die bekannte. Person mit der man in Bekanntschaft
steht (in älterer Spr. auch in diesem Sinne vielfach ad-
jectip: der hekante mann gehet vor Henisch; meinen
ehemals bekanten Jovem zu besuchen Simpl. 2, 22):
unter den gefrennden und bekanden Lnc. 2, 44; ein be-
kannter von mir; wir sind gute, alte bekannte; für
das Fem. die bekannte auch bekanntin Lessing hamb.
Dram. 22; sich zu ihrer alten bekanntin zurückzu-
wenden Heyfe Par. 2, 364. — Bekanntheit, k. Zustand
des Bekanntseins: personen .. von bekanntheit und be-
rühmtheit Lessing d, 418; Zustand des Kennens: seine
bekanntbeit und vertrautbeit mit derartigen dingen.
— bekanntlich, früber auch Adj. (bekantlich, am iag,
maonestum Henisch, dekantlich, notms, perspickus
Stieler), jetzt nur noch Adv. = wie bekannt ist (nach
Adelung Kanzleiwort): er ist bekanntlich urm. —
Bekanntmachung, k. Handlung des Kundgebens und das
so Kundgegebene (zuerst bei Campe): ötlentliche be-
kanntmachungen. — Bekauntschaft, k. Bekanntsein oder
Bekanntwerden mit einer Person oder Sache: mit einem
bekanntschaft machen, in bekanntschaft gerathen, sie
baben eine alte bekanntschaft Steinbach; meint-
wegen eigentlich hat er hier ins haus bekanntschaft ge-
sucht der junge Goethe 3, 557; ihre (der Schauspieler)
schlechte bekanntschaft mit dem affekt Schiller 2,347;
in der Spr. des gemeinen Lebens auf Liebesumgang
bezogen: er hat bekanntschaft mit einem mäcechen;
einem bekannte oder vertraute Person: ein mücchen.
eine ältere bekanntschaft unseres vetturins Goethe 25,
1 87; collectiv: meine weitlünge bekanntschaft Lessing
Bries 1719.
Bekehren, gänzlich umwenden, von falscher Richtung
zu rechter, ahd. bicheren, bikèren, nihb. bekeren in all-
gemeinem Sinne, ubd. auf kirchliche und sittliche An-
wendung eingeschränkt: den sunder (Jac. 5, 20), das herz
der vüter (Mal. 1, 6), viele von sunden (Mal. 2, 6),
zu gott (Luc. 1, 16); bekebret werden (Jer. 31, 19); refl.:
sich (Jes. 6, 10); so thut nu busze und bekeret euch
Ap. Gesch. 3, 19; sich zum herrn (5.Mos. 1, 30), von
sünden (I. Kön. 8, 35); mir scheint, ihr wollt euch be-
kehren vom büsen zum guten Goethe Rein. F. 5; auf
Grund des sittlichen Begriffes auch freier: ich babe mieh
zu seiner ansicht, seiner lebensweise bekehrt; hum !
sagte der kaiser, der grund läszt sich hören, und mag
den durchlauchtigen stolz wohl bekehren Bürger
Kaiser u. Abt. Partic.: zu den bekebrenden kehrret sich
gott Henisch; der bekebrte; ein bekebrter sunder,
des Bekehrens:
ief.; bekchrung
— belennen, zur Kenntnis bringen, mit dem Beisinne
des lauten, öffentlichen, seierlichen, mbd. bekennen;
I1 als Uberzengung darlegen, tranf. eine lebre, gott
Nöm. 10, 9; so jemand jn fur Christum bekennete Job.
9, 22; der oheim eines königes bekennt wich fur sein
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