Rathenow liegt auf einer Insel der Havel, die nach Süden in zwei Armen
fließt; die brandenburgischen Truppen mußten fich daher zweier Bruͤcken
bemächtigen. Einige Abtheilungen gingen auf Böten uͤber den äußern Arm
gegen die Brücke des Hauptthores, während der Marschall Derfflinger in der
mit wenigen Dragonern am äußeren Thore der südlichen Seite als schwedischer
Offizier den Einlaß forderte, und unter der Täuschung des Dämmerlichtes den
feindlichen Posten überwältigte. In ähnlicher Art drang er über den zweiten
Arm und hielt nun den Eingang in die Stadt für den Kurfürsten offen.
Die Besatzung Rathenows, ein ganzes Regiment Dragoner, ward vernichtet,
der Befehlshaber desselben, Oberst Wangelin, nebst den hauptsächlichsten
Offizieren gefangen. Durch diese glänzende Waffenthat erhielt der Feind die
erste sichere Kunde von der Ankunft Friedrich Wilhelms. Ersterer sah sich, weil
seine Streitkräfte längs der Havel, wegen der schwierigen Versorgung in großer
Ausdehnung weit von einander lagen, in gefährlicher Weise bedroht. Der Kurfürst
säumte auch keinen Augenblick, den errungenen Vortheil zur Vernichtung
dieses Theiles seiner Truppen zu benutzen. Die Nacht vom 27. zum 28. brachte
er in Nauen zu, wo er Tages zuvor dem Feinde auf seiner Flucht einen nicht
unbedeutenden Verlust beigebracht hatte.
Am frühen Morgen des 28. Juni erhielt der Prinz von Homburg, General
der Kavallerie, dem auf seine Bitte die Führung des Vortrabs bewilligt
worden war, den Befehl, den Feind weiter zu verfolgen, und kurze Zeit darauf
setzte sich der Kurfürst selbst mit der Hauptmacht in Bewegung. Die Straße,
welche man zog, bot die deutlichsten Spuren, in welcher Verwirrung der Feind
seinen Rückzug bewerkstelligte, denn Waffen und Geräthschaften aller Art fanden
sich in reichlicher Fülle. Bald erhielt man Nachricht vom Prinzen, daß er die
Schweden erreicht habe, und diese sich in keiner vortheilhaften Stellung befänden.
Er bat um Erlaubniß, mit dem Vortrab den Kampf zu versuchen, um den Feind
bis zur Ankunft der Hauptmacht aufzuhalten. Während der Zeit hatte er schon
das Gefecht begonnen, und konnte daher den Befehl, sich in kein Treffen einzulassen,
sondern vielmehr auf das Hauptheer zurückzugehen, nicht ohne Gefahr
ausführen. Als der Kurfürst durch Eilboten hiervon benachrichtigt wurde, hielt
er sofort Kriegsrath, und entschied sich in Folge desselben für eine Schlacht, gegen
die Ansicht des Feldmarschalls Derfflinger, welcher vorschlug theils durch das
Heer, theils durch das bewaffnete Aufgebot alle Pässe zu besetzen, damit ohne
blutiges Wagespiel einer Feldschlacht die feindlichen Truppen vernichtet oder zur
Capitulation gezwungen werden könnten. Als jedoch der Beschluß seines Herren
feststand, zeigte er die größte Bereitwilligkeit zur Ausführung desselben.
Die Streitkräfte des brandenburgischen Heeres beliefen sich auf 5600 Mann
Reiter, nebst 13 Geschützen, wogegen das an diesem Tage vereinigte schwedische
Heer 4000 Pferde, 7000 Mann zu Fuß und 38 Geschütze zählte, eine Uebermacht,
welche des umsichtigen Feldmarschalls Rath sehr wohl begründete. Die