Volltext : Hessische Verfassungsgesetze mit Einführung und Erläuterungen.

56  II.  Teil.  Die  Grundlagen  des  hess.  Verfassungsrechts.

Reichsstrafgesetzbuche  §§  166—168  den  anerkannten
Kirchen  gewährt  wird.“

Der  Bischof  ist  auf  Grund  der  ME.  vom  23.  Dezember
  1873  berechtigt,  im  Gebiete  des  Großherzogtums
bezüglich  der  Altkatholiken  alle  kirchlichen  Akte  vorzunehmen
  und  alle  jene  Rechte  zu  üben,  welche  nach  dem
katholischen  Kirchenrechte,  wie  es  bis  zu  den  vatikanischen
  Beschlüssen  galt  und  soweit  es  vom  Staate  anerkannt
  war,  bischöfliche  Akte  sind,  nach  Maßgabe  der
am  12.  September  1873  zu  Konstanz  angenommenen
Synodal=  und  Gemeindeordnung  und  innerhalb  der
Grenzen  der  Staatsgesetze.  Als  oberstes  Organ  der
deutschen,  und  somit  auch  der  hessischen  Altkatholiken,
ist  die  aus  sämtlichen  Geistlichen  und  aus  gewählten
Laien  bestehende  Synode  anzusehen;  diese  wählt  den
Bischof  und  die  Synodalrepräsentanz.  Die  lokale  Organisation
  ruht  auf  den  von  dem  altkatholischen  Bischof  mit
Genehmigung  der  Regierung  errichteten  Pfarreien.

d)  Die  israelitische  Religionsgemeinschaft
besitzt  in  Hessen  keine  einheitliche  Gesamtorganisation
für  das  ganze  Staatsgebiet  und  entbehrt  daher  auch
einer  eigentlichen  Oberbehörde.  Dagegen  besteht  eine
über  ganz  Hessen  sich  erstreckende  Einteilung  in  „Landjudenschaften“,
  in  „Rabbinatsbezirke“  und  in  „Religions- 



1  Garei  eis,  Cosack  und  Reidel  befassen  sich  mit  den  Altkatholiken
  überhaupt  nicht  gesondert,  Küch  ler  bezeichnet  in  B.  II,
S.  563  A.  1  „die  altkatholische  Kirche“  als  „  öffentlich-rechtlichen
Verband“,  im  Registerband  S.  83  aber  als  3  „Privat-Religionsgesellschaft“.
  Zeller  II,  S.  41,  A.  3  sagt:  „Die  sog.  Altkatholiken..
sind  als  Religionsgesellschaft  staatlich  anerkannt.“  „Die  einzelnen
Gemeinden  besitzen  Corporationsrechte,  die  Wahl  der  Kirchenvorstände
  erfolgt  nach  dem  Edikt  vom  6.  Juni  1832"“  2c.;  Thudichum
B.  I,  S.  437  f.  beschränkt  sich  auf  eine  kurze  Aufzählung  der  den
Altkatholiken  zustehenden  Einzelrechte.