Metadata : Ergänzungsband zum Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1838. (15a)

368.
g.  2.

Verrichtungen  des  Vikars.

Dem  Vikare  liegt  es  ob,  sich  den  amtlichen  Verrichtungen,  die  ihm  übertragen
werden,  sorgfältig  zu  unterziehen.  Er  soll  seine  Predigten  fleißig  ausarbeiten,  und,
ohne  selbst  eine  größere  Anstrengung  bei  dem  Auswendiglernen  zu  scheuen,  sie  aus
dem  Gedächtnisse  ablegen,  auch  auf  den  dußiern  Vortrag  alle  Mühe  wenden.  Auf
die  Katechisationen  hat  er  sich  gewissenhaft  vorzubereiten,  und  nach  Abhaltung  derselben
  darüber  nachzudenken,  welche  Fehler  er  dabei  gemacht  haben  möge,  und  wie  er
sie  zweckmäßiger  hätte  behandeln  bönnen.  Und  damit  er  in  der  so  wichtigen  Kunst
zu  katechisiren  Fertigkeit  und  Gewandtheit  erlange,  so  soll  er  an  dem  Religions-Unterrichte
  in  der  Schule  regelmäßigen  Antheil  nehmen,  und  in  dem  Falle,  wenn  der
ordentliche  Geistliche  in  der  Regel  die  vorgeschriebenen  Lehrstunden  der  Religion  in
der  Schule  gibt,  nach  der  Anweisung  desselben  eine  Abtheilung  der  Schulkinder  darin
unterrichten.  Außerdem  wird  den  Vikarien  die  Haltung  biblischer  Katechisationen
und  freier  erklärender  Vorträge  über  biblische  Abschnitte  (Bibelstunden)  in  der  Kirche.
zu  ihrer  eigenen  Uebung  empfohlen.  '

Die  Schule  hat  der  Pfarrgehülfe  auch  dann,  wenn  ihm  die  Aufsicht  über  dieselbe
  nicht  übergeben  ist,  fleißig  zu  besuchen,  um  durch  eigene  Anschauung  und  Beobachtung
  das  Schulreesen  kennen  zu  lernen;  aber  er  soll  in  keinem  Falle,  er  moͤge
im  Namen  des  ordentlichen  Geistlichen  in  der  Schule  anwesend  seyn  oder  nicht,  sich
ein  anmaßendes  Vetragen  gegen  den  Schullehrer  erlauben.  Die  Schulbesuche  und
die  Lehrstunden  in  der  Religion,  die  er  in  der  Schule  ertheilt,  sind  in  das  Schul-Diarium
  von  ihm  einzutragen.  Theilnahme  an  den  Schul-Conferenzen  wird  von  den
Vibarien  erwartet.

Bei  allen  pfarramtlichen  Geschäften,  bei  welchen  der  Vikar  aus  Mangel  an  Erfabrung
  und  Uebung  seiner  eigenen  Einsicht  nicht  mit  Sicherheit  vertrauen  darf,  hat
er  mit  dem  Geistlichen,  dessen  Amt  er  versieht,  oder,  wenn  dieser  krank  oder  altergschwach
  wäre,  mit  benachbarten  Geistlichen  darüber  Rücksprache  zu  nehmen,  nöthigenfalls
  auch  den  Rath  und  die  Belehrung  des  Dekans  sich  zu  erbitten.

Den  Sitzungen  des  Kirchen-Convents  sollen  die  Pfarrgehülfen  auch  dann,  wenn
der  Pfarrer  selbst  den  Vorsih  dabei  führt,  anwohnen,  um  sich  mit  dem  Geschäftsgange
  bei  demselben  bekannt  zu  machen,  ohne  jedoch  in  diesem  Falle  eine  Stimme