Contents : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1912. (39)

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bürgerlich-rechtlichen  Anspruch  schafft,  ist  in  keinem  der  beiden  Gesetze  ausgesprochen.  Diese
behandeln  die  über  einen  Anspruch  auf  Rente  ergangenc  rechtskräftige  Entscheidung  im  §  82
bezw.  §  119  in  Ansehung  der  Anfechtung  wie  ein  Urteil  der  bürgerlichen  Gerichte.  Es  wre
hier  Veranlassung  gewesen,  den  aus  dieser  rechtskräftigen  Zuerkennung  folgenden  Anspruch,
falls  dies  beabsichtigt  gewesen  wäre,  als  einen  Anspruch  des  bürgerlichen  Rechtes  zu  erklären.
Daraus,  daß  dies  nicht  geschehen  ist,  ist  zu  entnehmen,  daß  sich  die  rechtliche  Natur  des
Anspruchs  des  Rentenberechtigten  durch  den  anerkennenden  und  feststellenden  Bescheid,  durch
die  rechtskräftige  Zuerkennung  nicht  ändert.  Dies  entspricht  auch  der  Natur  der  nach  den
§§  33,  34  des  alten  und  den  §§  47,  48  des  neuen  Gesetzes  von  ihrem  Rechtsgrunde
nicht  völlig  losgelösten  Anerkennung  des  Anspruchs  und  der  Natur  der  rechtskräftigen  Entscheidung;
  denn  auch  diese  stellt  hier  den  Anspruch  nur  fest,  schafft  ihn  aber  nicht.  Zwar
sagt  das  Reichsversicherungsamt  (Amtliche  Nachrichten  des  Reichsversicherungsamts,  Invaliditäts=
  und  Altersversicherung,  Jahrgang  1892  Seite  133  Nr.  187),  daß  in  dem  für
die  Alters=  und  Invaliditätsversicherung  bestehenden  Verfahren  materielles  Recht  geschaffen
werden  soll,  allein  hiebei  ist  der  Nachdruck  auf  die  Worte  „materielles  Recht“,  nicht  auf
das  Wort  „geschaffen“  zu  legen;  das  Reichsversicherungsamt  will  hier  dem  Untersuchungsgrundsatze
  zu  seinem  Rechte  verhelfen,  nicht  etwa  den  Bescheiden  und  Entscheidungen  der
Versicherungsbehörden  eine  rechtserzeugende  Wirkung  beimessen.  Das  Recht  besteht  kraft
Gesetzes,  es  wird  nicht  im  Verfahren  nach  den  88  75  ff.  bezw.  112  ff.  geschaffen  (siehe
Rosin,  Das  Recht  der  Arbeiterversicherung  Bd.  I  §  95  zur  Note  42;  Piloty,  Unfallversicherungsrecht
  Bd.  II  §  78  S.  587).  Auch  sonst  ist  nicht  einzusehen,  warum  der
Anspruch  auf  Zahlung  eine  andere  Rechtsnatur  haben  soll  als  der  Anspruch  auf  Bewilligung
  der  Rente;  denn  es  ist  selbstverständlich,  daß  das  Gesetz  sich  nicht  damit
begnügen  will,  den  Versicherten  einen  —  gleichviel  wie  zu  befriedigenden  —  Anspruch
auf  Rente  zu  verschaffen,  sondern  daß  es  die  Rente  selbst  gewähren  will.  Zudem  bietet
das  Gesetz  selbst  Anhaltspunkte  für  die  Annahme,  daß  auch  der  Anspruch  auf  die  festgestellte
Rente  öffentlich-rechtlicher  Natur  ist.  Denn  für  die  Streitigkeiten  in  Ansehung  der  Entziehung
  und  des  Ruhens  der  Rente  ist  ebenfalls  das  Verfahren  vor  den  Versicherungsinstanzen
  vorgesehen  (§§  33,  34,  85  des  alten,  §§  47,  48,  121  des  neuen  Gesetzes).
Auch  das  Ruhen  der  Rente,  so  lange  der  Berechtigte  nicht  im  Inlande  wohnt  (§  34  Nr.  4
des  Gesetzes  vom  Jahre  1889),  nicht  im  Inlande  seinen  gewöhnlichen  Aufenthalt  hat  (8  48
Nr.  4  des  Gesetzes  vom  Jahre  1899)  und  die  dem  Bundesrat  erteilte  Befugnis  für  bestimmte
  Grenzgebiete  oder  bestimmte  auswärtige  Staaten  diese  Bestimmungen  außer  Kraft
zu  setzen,  weisen  auf  die  öffentlich-rechtliche  Natur  des  Anspruchs  auf  die  festgestellte  Rente
hin.  Wenn  auch  Piloty  a.  a.  O.  in  der  Feststellung  einen  neuen  formellen  Verpflichtungsgrund
  erblickt,  ähnlich  wie  die  Anerkennung  im  bürgerlichen  Rechte,  so  will  er  damit,  wie