Full text : Das öffentliche Recht der Gegenwart. Band III. Völkerrecht. (3)

$  50.  Rechte  der  diplomatischen  Agenten.  189

 

oder  auch  für  die  während  der  Dauer  der  Mission  für  den  Bedarf  der  Gesandtschaft
  eingeführten  Gegenstände,  bald  allgemein,  bald  nur  für  bestimmte
Gattungen  von  Gegenständen,  bald  nur  in  bestimmtem  Maße‘).  Im  ganzen
sind  hier  vielfach  Courtoisie  und  Reziprozität  maßgebend.  Dem  Ermessen
des  Empfangsstaates  ist  es  vorbehalten,  dem  Gesandten  die  Einfuhr  solcher
Gegenstände  zu  gestatten,  die  gesetzlich  von  dem  Staatsgebiete  ausgeschlossen
oder  zeitweise  verboten  sind?2..  Den  mit  der  zollamtlichen  Behandlung  verbundenen
  Formalitäten  muß  sich  der  Gesandte  in  allen  Fällen  unterziehen.
Dem  Empfangsstaate  ist  es  überhaupt  vorbehalten,  die  Modalitäten  zu  regeln,
unter  denen  die  hier  in  Frage  stehenden  Exemtionen  den  auswärtigen  Missionen
  praktisch  zu  Teil  werden  sollen’).

3.  Das  Recht  des  eigenen  Kultus.  Dieses  Recht  hat  seit  der
Geltung  der  Religionsfreiheit  in  den  zivilisierten  Staaten  im  ganzen  nur
wenig  praktische  Bedeutung.  Vorher  bedurfte  es  allerdings  ausdrücklicher
Stipulalationen,  durch  welche  fremde  Missionen  von  dem  Empfangsstaate  ermächtigt
  wurden  (abgesehen  von  der  devotio  domestica  simplex),  Privatgottesdienst
  im  Gesandtschaftshotel  (in  besonderen  Kapellen)  durch  dazu  bestellte
Geistliche  (in  geistlicher  Funktion)  abzuhalten  (devotio  domestica  qualificata);
aber  auch  die  Gewährung  dieses  Rechts  erfolgte  vielfach  nur  mit  Beschränkungen,
  so  z.B.  mit  dem  Verbote  des  Glockengeläutes,  dem  Gebote  der  Abhaltung
  des  Gottesdienstes  in  der  nationalen  Sprache  des  Empfangsstaates
u.  s.  w.  Ursprünglich  nur  auf  der  vertragsmäßig  stipulierten  Konzession  des
Empfangsstaates  beruhend  hat  sich  dieses  Recht  zu  einer  allgemeinen  völkerrechtlichen
  Befugnis  —  dem  sog.  Kapellenrecht  —  entwickelt.,  Seine  praktische
  Bedeutung  äußert  das  Recht  insbesondere  gegenüber  den  nichtchristlichen
  und  jenen  christlichen  Staaten,  welche  das  System  der  Staatsreligion
festhaltend  andere  Kulte  entweder  überhaupt  nicht  zulassen  oder  nur  unter
gewissen  Bedingungen  tolerieren.  —  Zur  Teilnahme  an  dem  Gottesdienste
sind  der  Gesandte,  das  gesamte  Gesandtschaftspersonal  (das  offizielle  und  nicht
offizielle,  insbesondere  die  Familie  des  Gesandten  und  der  gesandtschaftlichen
Funktionäre  u.  s.  w.)  und  die  Angehörigen  des  Absendestaates  berechtigt.
Wo  fremden  Mächten  das  Recht  eingeräumt  ist,  eigene  Kirchen  zu  errichten,
genießen  diese  in  der  Regel  auch  das  Recht  öffentlicher  Religionsübung.
Diese  Kirchen  stehen  unter  dem  besonderen  Schutze  betreffender  auswärtiger
Mächte).

 

1)  Über  Mißbräuche,  die  in  dieser  Beziehung  vorgekonmen  sind,  siche  F.  v.  Martens
  II  S.  58,  59

2)  Hartmann  S.  105.

3)  Art.  11  Reglement  (Annuaire  XIV.  p.  2412):  Le  ministre  public  &  l’ötranger,  les
fonctionnaires  officiellement  attach&s  A  sa  mission,  et  les  membres  de  leur  famille  demeurant
avec  eux  sont  dispenses  de  payer:  1.  Les  impöts  personnels  directs  et  les  taxcs  somptuaires  ;
2.  Les  impöts  generaux  de  douane  quant  aux  objets  &  leur  usage  personnel.  Il  appartient
ä  chaque  gouvernement  d’indiquer  les  justifications  auxquelles  il  entend  subordonner  ces
exemptions  d’impöt.

4)  So  stehen  die  römisch-katholischen  Kirchen  in  Konstantinopel  teils  unter  dem
Schutze  der  österreichisehen,  teils  unter  jenem  der  französischen  Gesandtschaft.  Die  griechische