144 Geschichte der Soecietät von 1700-1711.
Societät auf, als sich der Buchdrucker Lvuprrivs in Charlottenburg an
den König mit der Eingabe wandte, in dem Observatorium eine
Wohnung beziehen, dort eine Druckerei einrichten und die Societätskalender
herstellen zu dürfen. Sie erklärte, sie habe selbst ein Buchh-Armekerprivileg.
das sie seiner Zeit ausbeuten werde, wozu schon
Anstalten getroffen seien: Lurrıvs habe hinterlistig beim König um
die Erlaubniss nachgesucht'.
Das ist Alles. was sich über die Societät aus den Jahren 1705
und 1706 berichten lässt: sie war dem Untergang nahe. Da entschloss
sich Leiesız, der 19 Monate Berlin gemieden hatte, weil er
auf geneigtes Gehör nicht rechnen durfte, im Anfang November 1706
dorthin zu gehen. Durch die Eheschliessung des Kronprinzen mit
der Tochter des Kurfürsten waren sich Preussen und Hannover
wieder näher gerückt; er erwartete mit Recht, dass dieser Bund
auch seiner Stellung in Berlin und der Soecietät zu Gute kommen
werde”. Seine Beziehungen zu Preussen waren in der Zwischenzeit
doch nieht völlig abgerissen; der Minister vox ILeEn hielt sie aufrecht.
Auf sein Ersuchen hatte er im Januar 1706 ein Pro Memoria über
die Sammlung von Actenstücken zur brandenburgischen und preussischen
Geschichte eingereicht®. Nun versuchte er es auf’s Nene, persönlich
für die Soeietät einzutreten — und nicht ohne Erfolg“.
in seinem Brit an Leiexiz den llofprediger Janroxskı als »Praeses noster vicarnus«
bezeichnet. Jr fungirte als soleher olme formelle Bestallung.
1 Voten im Geh. Staatsarchiv; Eingabe der Societät vom 15. November 1706.
* Sehr charakteristisch für das Doppelverhältniss, in welchen Leizxtz stand,
ist das misstrauische Schreiben, das der Kurfürst am 15. November des Religionsstandes
seiner Tochter wegen an ihn gerichtet hat. Ausserdem verbietet er ilın
förmlich die Fortsetzung der Unionsversuche (s. Urkundenband Nr.81). Diese zogen
sieh zwar noch etwas über ein Jahr hin, aber Leissız wusste bereits, dass man sie
in Hannover nicht melır wolle Im Jamnar 1708 schrieb er an FaBrıcıvs nach
Ielmstädt: » Wie jetzt der Stand der Dinge ist, erwarte ich nichts mehr von dem
Vereinigungsgeschäfte; ipsa res se aliquando conliciet!«
® Siehe Urkundenband Nr. 82.
* Dem Hinweise seiner alten Freundin. der Kurfürstin Sornme. er werde
wenig Dank ernten. begegnete er mit den schönen Worten (Brief aus Berlin vom
4. Januar 1707. Kıorp. Werke, 9. Bd. S. 265): »Mon principe est de travailler pour
le bien public. sans me mettre en peine si quelgunn mı’en sait gre. Je crois que
c'est imiter la divinitc qui a soin du bien de Tunivers. soit que les hommes le veconnaissent
on non. Il m’est arrive bien des fois que des partieuliers que jJ’avais
obliges. ont manque de reconnaissance, et cela ne m’a point rebute. Bien moins
serai-je rebute, si le publie mi inangue d’information, ne nons tient point de
compte de nos soins«e, Dem in Berlin hoch angesehenen Lord Rasy schrieb er
(18. Mai 1707, Krorr. Bd.ıo S.412): »Mad. l’Electrice se moqne de moi, que je
travaille pour autrui. mais le bien publie, et surtont par rapport aux sciences, est
ma marotte«.