Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1896. (80)

198  1611  89.

März  7.  geleistet  haben,  befriedigt  werden  können.  Bei  den  Rechnungen  hat
sich  Sekretär  Dathenus  der  heilbronner  Instruktion  zu  bedienen  ;!
auch  sind  für  die  Prüfung  der  Rechnungen  besondere  Personen  zu
verordnen,  um  das  Hauptwerk  nicht  aufzuhalten.  Etwaige  Ausstände
sind  zu  begleichen.  Auch  die  Obligation  der  Stadt  Nürnberg  auf
die  dargeliehenen  80,000  fl.  muss  richtig  gemacht  werden,  um
ungleiche  Gedanken  bei  dieser  Stadt  zu  verhüten;  es  müssen  daber
entweder  sämtliche  Unierte  diese  Versicherung  auf  sich  nehmen  oder  es
sind,  wenn  es  bei  der  heidelberger  Verabschiedung  bleiben  soll,  diejenigen
Stände,  „die  sich  dergestalt  verobligieren,,  von  den  überigen  schadlos
[zu  halten]  und  in  summa  dahin  zu  schen“,  dass  Nürnberg  bei  gutem
Willen  erhalten  wird.  Auch  muss  man  sich  vergleichen,  wie  dieses
und  das  ulmische  Anleihen  und  andere  Vorschüsse  erstattet  werden  sollen.

Von  den  Beschwerden  und  Mängeln  bei  der  Union  überhaupt
und  bei  dem  vorjährigen  Kriegszug  sollen  unsere  Gesandten  in  der
Proposition  nichts  erwähnen  sondern  zuwarten,  ob  von  anderer
Seite  deswegen  Anregung  geschieht;  alsdann  sind,  wie  zu  Heilbronn
geschehen  ist,  Entschuldigungen  vorzubringen.

Der  Punkt  wegen  Bestellung  der  Aemter  muss  von  den  Unierten
persönlich  verhandelt  werden;  diesmal  lässt  sich  höchstens  ‚„praeparatorie‘‘
  davon  reden.

2.  Vermehrung  der  Union.  Es  ist  der  Bericht  der  Stände,
welche  Unterhandlungen  auf  sich  genommen  haben,  anzuhören.  Der
abschlägige  Bescheid  Dänemarks?  ist  den  Städten  nur  dann  mitzuteilen,
  wenn  man  beim  1.  Punkt  bemerkt,  dass  sie  länger  bei  der
Union  bleiben  wollen.  Die  Verhandlung  mit  den  wetterauschen  und
fränkischen  Grafen  wegen  der  Zahl  der  Stimmen  ist  zwar  Kurpfalz
aufgetragen  worden;  da  aber  die  Erklärungen  der  Unierten  auf  die
vorgeschlagenen  Mittel  beim  Direktorium  noch  nicht  alle  eingelaufen
sind,  so  ist  bisher  nichts  geschehen.  Sollte  zu  Schweinfurt  auch
wegen  der  Ritterschaft  etwas  vorkommen,  so  soll  man  sich  bemühen,
es  mit  derselben  so  weit  zu  bringen,  dass  man  sich  im  Notfall  eines
Reiterdienstes  von  ihr  zu  versehen  hätte;  sie  in  die  Union  aufzunehmen,
  hat  noch  immer  seine  erheblichen  Bedenken.?  Von  der

“:  Briefe  und  Akten,  III.  no.  182.

?  Die  Verhandlung  mit  Dänemark  war  Fürst  Rudolf  von  Anhalt-Zerbst
anfgetragen  worden,  der  im  November  1610  in  Kopenhagen  erschien,  aber
sich  keines  Erfolges  rühmen  konnte;  Christian  1V.  wandte  vornehmlich  die
Rücksicht  auf  den  Kaiser  und  auf  England  vor,  sowie  dass  einige  ihm  nahverwandte
  Fürsten  der  Union  ferngeblieben  seien;  die  Akten  dieser  Schickung
liegen  in  Mb.,  119,3,  f.  110  ff.

8  Solche  Bedenken  äussert  auch  die  württembergische  Instruktion  zum

Unionstag  vom  2  ur,  es  wird  dort  bemerkt,  dass  die  Ritterschaft  viele

Beziehungen  zu  den  Katholischen  habe,  ihnen  mit  Lehenspflicht  verbunden
sei,  die  Unterhandlungen  weitläufig,  die  Verschwiegenheit  fraglich  sein  würde;
auch  sei  die  Ritterschaft  mit  vielen  Streitigkeiten  beladen  (Stg.,  Unionsacta,
  IX.,  f.  162;  Kpt.  —  f.  177;  Or.).