260 Nochmals Blut und Eisen.
wenn mein Volk schweren Kampf kämpfen und vielleicht harte Bedrängnis
wird erdulden müssen; aber es ist uns keine Wahl mehr geblieben! Wir
müssen fechten um unsre Existenz, wir müssen in einen Kampf auf Leben und
Tod gehen gegen diejenigen, die das Preußen des Großen Kurfürsten, Friedrichs
des Großen, das Preußen, wie es aus den Freiheitskriegen hervorgegangen
ist, von der Stufe herabstoßen wollten, auf die seiner Fürsten Geist
und Kraft, seines Volkes Tapferkeit, Hingebung und Gesittung es emporgehoben
haben.
„Flehen wir den Allmächtigen, den Lenker der Geschicke der Völker, den
Lenker der Schlachten an, daß er unfre Waffen segne! Verleiht uns Gott
den Sieg, dann werden wir auch stark genug sein, das lose Band, welches die
deutschen Lande mehr dem Namen als der That nach zusammenhielt und
welches jetzt durch diejenigen zerrissen ist, die das Recht und die Macht des
nationalen Geistes fürchten, in andrer Gestalt fester und heilvoller zu erneuern.
Gott mit uns!“
Solch eine Ansprache konnte nicht ohne zündende Wirkung verhallen.
Osterreich hatte die Initiative der Rüstungen ergriffen, Preußen die
des Handelns. Das rasche und entschlossene Vorbrechen Preußens gegen
die feindlich gesinnten Nachbarn wirkte auf die einen ermutigend, auf die
andern wahrhaft betäubend. „Der Bürgerkrieg ist da, und in diesen stürzt
uns Preußen!" hieß es. Ja, der „Bürgerkrieg“ war leider unvermeidlich
geworden; aber wer sich nicht gänzlich der Einsicht in den Gang der preußischen
und der deutschen Geschichte bis in die neueste Zeit hinein verschließen
wollte, mußte zu der Uberzeugung gelangt sein, daß sich nur mittels Blut
und Eisen der Jahrhunderte alte Zwiespalt lösen ließ. Preußen durfte mit
gutem Gewissen zu seinen deutschen Gegnern sprechen: Richtet sich auch der
Kampf mit gegen euch, so ist es doch zugleich ein Kampf für euch, denn
siegt Preußen, so wird es den Preis des Sieges mit euch teilen, und gemeinsam
mit Preußen werdet ihr dann arbeiten und mit sorgen für
den Neubau des Deutschen Reiches!l
Noch eines ist hervorzuheben. Es steht fest, daß der Deutsche im Norden
so mannhaft ist, wie der im Süden; wenn also in Hinsicht der Tüchtigkeit
der Deutschen im jenseitigen Lager ein Zweifel nicht obwalten konnte, so
erfuhr im Fall des Unterliegens nur die Führung der Gegner eine Niederlage.
Die Ehre der geschlagenen deutschen Brüder blieb deswegen unversehrt;
was über den Haufen geworfen wurde, das war jenes auf haltloser politischer
Grundlage aufgerichtete, morsch gewordene staatliche und militärische System.
Die traurige Notwendigkeit, zum äußersten Mittel greifen zu müssen, war
längst klar von jenem Manne vorausgesehen worden, der die tödliche Krankheit,
an welcher der gesamte Staatskörper litt, in Frankfurt kennen gelernt
und studiert hatte.
Die ersten Erfolge. Im nordwestlichen Deutschland sollten die preußischen
Heerführer zuerst zeigen, was von ihrer Thatkraft und ruhigen Entschlossenheit
zu erwarten war. Bei Minden standen 14300 Mann unter dem General