1425 Zeche — zehen, zehn.
eruere, emungere argento Stieler; die krieger und die
dichter zausen in deinem (des Lorbeers) haar Hölty 5
als wir uns die perrueken zausten CFMeyer Nov.
1h, 200.
Zeche, k. sest verbundene Gesellschaft, Ordnung derselben,
Beitragspsticht und Beitrag; Wort das im Mhd.
als zeche eine sehr mannigsaltige Bed. hat und Ordnung,
Reihenfolge, Dienst in solcher, Vereinigung von
Personen desselben Standes oder zu gemeinsamen Zwecken
und auf gemeinsame Kosten, Zunst. Verein, Bruder
schast, Ort ihrer Zusammenkunst, Beitrag zu den Kosten,
gemeinsamen Schmaus und die Wirtsrechnung dafür
u. 6. bezeichnet, und das altengl. teoh Gesellschaft,
Schar ist, sowie zu dem ahd. gizehön, altengl. teohhian
anordnen, einrichten, endlich zu goth. icra Ordnung,
tevi Ordnung, Schar (mit Zerrüttung der
Wurzel aus tahri] in Beziehung steht, so daß aus dem
ursprünglichen Begriffe des Anordnens und Richtens
die Bedeutungsentfaltung sich erschließen läßt; die nhd.
Schriftspr. hat die letztere wieder sehr eingeschränkt, die
alte allgemeinere Bed. noch, wenn landschastlich 2eebe
— Reihe und Ordnung: das vich um die zeche, nach
der zeche huten, die bauern nach der zeche zur frohne
fordern Adelung, vgl. dazu umzechig; serner im
Bergwesen, wo das Wort die Gewerkschaft, ihr Eigentum
und den Ort des Abbaus bezeichnet Beith 583—
585; sonst nur auf Wohlleben bezogen, in älterer Spr.
Gesellschaft von Schmausenden, Ort ihrer Zusammenkunft:
dasz sie kommen zu der zech Garg. 87; wann
er zur zech gieng 97; in den zechen singet man von
mir Pf. 69, 13; dasz meine gegenwart. eine so herrliche
zech an einem so anmutigen ort zerstört haben
solte Simpl. 3, 351; dann der Beitrag, den ein Jeder
an die Kosten leistet, verallgemeinert Wirtshausrechnung
überhaupt, schon bei HSachs Fak. 2, 4852; der wirt
macht die zeche; eine teure, billige zeche; seine zeche
bezahlen; als Redensart: ich muste irer aller entgelten
und die zech für sie zahlen Albertinus Landstörzer
67; grimmig sah der könig auf ihn, er muszte die
zeche bezahlen Goethe Rein. Fuchs 8. — zechen, eine
Zeche haben; mhd. zechen nach der allgemeineren Bed.
des Subst. = anordnen, veranstalten, ins Werk setzen,
schon aber hier auch auf das Wohlleben bezogen, —
schmausen, wie nhd. einzig: sie lebten wol, und zechten
sehr Alberns Esop 8, 30; auf den karpfen weidlich
zuchten H Sachs Fab. 2, 581; in neuerer Spr. auf
das Trinken eingeschränkt: ihr freunde, zecht bei freudevollen
chören! Hagedorn Od. 5, 1; wo je bei altem
gutem wein der Wurtemberger zecht Uhland 85;
. auch bezechen. — Zecher, m. der da zecht: als weise
trinker, picht als zecher genieszt ibr Voß 41, 262.
Zecke, k. Name eines blutsangenden Insektes, Holzbock,
Hundelaus, mhd. 2eche, zecke (Masc. und Fem.),
engl. tike, diek; unbekannter Herkunst. — Zeder, s.
ceder.
Zehe, k. Endglied des Fußes; gemeingermanisches,
goth. nicht erhaltenes Wort, altnord. tä. altengl. tähe,
tä, ahd. 2eha, mhd. 2ehe, ohne Urverwandte und ungewisser
Herkunft; landschaftlich eine masculiue Nebenform
der zehe, zeh (auf den groszen zehe seines rechten
fuszes 3. Mos. 8, 23); ältere Schreibung auch zähe
(Fischart podagr. Trostb. B 6b; saszt stein zwischen
die zähen Garg. 348); grosze, kleine, mittlere zehe;
auf die zehen treten (C FMeyer Ang. Borgia 142),
auf den zehen schleichen (Schiller Fiesko 2, 19); vom
wirbel bis in die zehe Bürger an Gleim 1795, u. á.;
— übertragen auf ähnlich gesormie Gebilde an Wurzeln,
besonders ingwer-, knohlauchzebe.
Zehen, zehn, die Zahl; gemeinindogermanische Bildung,
sanskr. Gucan, 1
desell, goth. taihnn, altnord. tiu, altengl. t##n, altsächs.
Zeheueck — Zeichen. 1426
beschränlter Flexion, in substantiver und adjectiver Stellung.
1) als Subst.: sind jr nicht zehen rein worden?
Luc. 17, 17; zeben seiner knechte 19, 13; seltener flectiert:
nur zehno waren da; er kam mit zehnen; mit
Artikel: da das die zehen hörten Matth. 20, 24. 2) als
Adj. flexionslos: zeben sculen auf zehen fuszen 2. Mos.
27, 12; sempt den zehen mennern Jer. 11, 2; sie setzen
ihr leben an zehen kreuzer Schiller Ränb. 2, 3; im
Fluche: holen mich zehn teufel! ebd.; in unbestimmtem
Sinne: das habe ich zehen mal gesagt, oft genng.
3) rechnerisch: bis zebn zählen; die uhr schlägt zehn.
1) als Subst. im Fem, die Zehnzahl und ihr Zeichen:
die zehn im karten- oder würfelspiel; eine romisehe,
arabische zehn; im Neutr. — Gesamtheit von zehn:
seiner geharnschten Venus erstes zehen (der Gedichte)
Schwieger geh. Venus 11; das letzte zehn dieses
jahrhunderts. — Dazu: Zeheueck, n. Gebilde von zehn
Ecken. — Zehenender, m. Hirsch mit Geweih von zehn
Enden. — Zehener, Zehncr, m. aus zehn gebildet, Teil
einer zehn; in der Zahlenlehre Gegensatz zu einer (s. d.);
Geldstück von zehn Pfennigen oder Kreuzern; Soldat
des zehnten Regiments; bei Jägern — Zehnender. —
zehenerlei, aus zehn Arten besiehend; auch in unbestimmtem
Sinne (vgl. unter zehn 2 a. E.): mit zehnerlei
grunden hinweg zu disputiren Hauff 7, 89. —
gchensach zehnmal genommen, in zehn Abteilungen. —
zehenfältig, wie zehnsach. — zchenjährig, zehn Jahre
babend. — zehenmal, zu zehn Malen. — zehenstündig,
tlägig, zehn Stunden, Tage umsassend. — Zehent, n.
Inbegriff von zehn; zehend Adelung; vgl. jahrzehntt.
— zehente, zehnte, Ordinalzahl zu zehn; dafür ungewötelen
zehnste: zum denken nehm ich mir das zehnste
mal nicht zeit Cronegk 1, 11; — als Subst. der
zehente, zehnte, der zehnte Teil von etwas als Abgabe.
— Zehentel, Zehntel, v. zehnter Teil eines Ganzen,
abgeschwächt aus zehenteil. — zehenten, zehnten, mhd.
zehenden, die Abgabe des Zehnten zahlen: (wenn) der
hauer . nicht mehr zehntet Treitschke 2, 274; tranfitiv
getreide zehnten; als verzehnten Matth. 23, 23;
— den Zehnten auflegen, nehmen, eintreiben: ein geistlicher
zehentet den andern nicht Adelung. — zehentens,
zehntens, Adv. zur Bezeichnung der zehnten Stelle
innerhalb einer Reihenfolge.
Zehren, allmählich hinbringen, aufbrauchen, mhd.
zern (altsächs. terian in larterian), schwaches Verbum
als Fortsetzung eines früheren starken, goth. tairan.
gatafran, altengl. teran, ahd. 2eran, zerreißen, zerbrechen,
zerstören; in Verwandtschaft zu 2erren (s. d.); in älterer
Spr. mit Acc., = bei Lebzeiten verbrauchen: lip und guot
er zerte WvEschenbach 201, 12; später intransitiv,
eingeengt auf leibliche Nahrung: bei cinem, aul eines
kosten zehren; zehret von meinem brot Spr. Sal. 9, 5;
weil du hast, so zeret er mit dir Sir. 13, 6; (sie)
detten von rent und zinsten zeren H Sachs Fab. 1, 103,
dus er zu zeren hab im winter 2, 18; hundert thaler
.. von denen ich aber freilich im voraus zehren muez
Moltte 4, 14; bildlich: von seinem ruhme, vom abhub
fremder kische (Treitschle 5, 392) 2ehren; —
von Elementen, Krankheiten, Zuständen: die seeluft,
dae wasser, fieber zehrt; ihm zehrt kummer um marke
des lebens; zehrendes fieber; in passivem Sinne: der
wein zehret im fasse (verzehrt sich) Adelung; ich vernabm
sein stummes flehn, und ich konnt ihn zebren
sehn Goethe Erwin 2, 8. — Zehrer, m. der da zehrt;
vgl. sparer. — Zehrung, s. Handlung des Fezens.
Essen und Trinken; Mittel dazu 1. Mos. 15, 21; Zehrungsgeld,
Zebrpsennig Simpl. 1, 231; — Krankbeit,
Schwinrsucht: dasz cine zehrung daraus (aus einem
Brustfieber) entsteben könnte E König an Lessing 1771.
riech. déka, lat. decem, altilav. Vgl. auszebrung.
Zeichen, n. Merkmal zum Kennen und lUnterscheiden;
teban, abd. zehan, mhd. zehen zen; seit Allers mit gemeingermanisches Wort, goth. laiku (neben dem Fem.
M. Heyne, Deulsches Wörterbuch, III.
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