Contents : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Beutsches  Reich.  (Juni  16.)  639

Meinen  aufrichtigen  und  warmen  Dank  dafür  entgegenzunehmen.  Infolge
Meiner  vielseitigen  verwandtschaftlichen  Beziehungen  zum  Hause  Wittelsbach
war  es  Mir  eine  ganz  besondere  Freude,  die  Reise  hierher  anzutreten,  und
Ich  bin  beglückt  von  dem  A  feierlichen  Empfang,  der  Mir  in  Bayerns
Hauptstadt  zuteil  geworden.  Die  Gefühle  brüderlicher  Freundschaft  und
bundestreuer  Gesinnung,  die  Mir  hier  in  so  reichem  und  erhebendem  Maße
bezeigt  wurden  und  die  in  ganz  Bulgarien  gewiß  dankbaren  Herzens  nachempfunden
  werden,  bestätigen  Mir  das,  was  Ew.  M.  soeben  über  das  innige
Verhältnis  unserer  beiden  Länder  in  so  bedeutsamen  Worten  gesagt  haben.
Sie  sind  Mir  ein  Beweis  für  die  Festigkeit  und  die  Unerschütterlichkeit
  unseres  Bündnisses,  eines  Bündnisses,  das  sich  in  diesem  beispiellosen
  Ringen  so  glänzend  bewährt  hat  und  das  täglich  durch  die  glorreichen
Heldentaten  und  das  todesmutige  Ausharren  der  deutschen  Truppen  in  den
gegenwärtigen  Kämpfen  wie  auch  unserer  thseren  Verbündeten  ein  kraftvolles
  Zeugnis  unbeugsamen  Siegeswillens  vor  aller  Welt  ablegt.
Ew.  M.  haben  auch  den  Taten  Meiner  Armee  im  Verlaufe  unseres  Feldzuges
  gerechte  Bewunderung  und  ihren  Erfolgen  große  Anerkennung  gezollt,
die  ihren  sichtbaren  Ausdruck  in  der  Verleihung  des  höchsten  bayerischen
Kriegsordens  an  Mich  gefunden  hat.  Meine  Armee  ist  stolz,  an  der  Seite
von  Bayerns  Heldensöhnen,  die  in  diesem  Kriege  so  Hervorragendes  geleistet
  haben,  für  die  gerechte  und  heilige  Sache  kämpfen  zu  können.  Mit
um  so  größerer  Freude  und  Befriedigung  erfüllt  es  Mich  daher,  nunmehr
durch  die  Gnade  Ew.  M.  Sseter  Höchstderen  23.  Inf.-Reg.  geworden  zu
sein,  eines  Regiments,  das  sich  so  tapfer  geschlagen  und  unverwellklichen
Lorbeer  errungen  hat.  Möge  der  Segen  des  Allmächtigen  auch  fernerhin
auf  unseren  Tapferen  ruhen  und  ihrem  unvergleichlichen  Opfermut  den  gerechten
  Lohn  zuteil  werden  lassen  und  uns  einer  dauerhaften  glücklichen
Friedenszeit  entgegenführen,  in  der  ganz  besonders  der  blühenden  Isarstadt
eine  wichtige  Aufgabe  in  kultureller  und  wirtschaftlicher  Hinsicht  zufallen
wird.  Ich  teile  vollkommen  die  Ansicht  Ew.  M.,  daß  der  gewaltige  Donaustrom
  ein  bedeutendes  und  wertvolles  Bindemittel  zwischen  dem  Lande
Ew.  M.  und  Bulgarien  sein  wird,  und  Ew.  M.  können  versichert  sein,  daß
dieser  Gedanke  den  lebhaftesten  Widerhall  in  Mir  gefunden  hat,  dem  Ich
tatkräftigste  Unterstützng,  und  Förderung  jederzeit  angedeihen  lassen  werde.
Von  dem  innigen  Wunsche  beseelt,  daß  sich  die  Bande  der  Freundschaft
zwischen  unseren  beiden  Ländern  immer  inniger  und  fester  gestalten  mögen,
erhebe  Jch  Mein  Glas  auf  das  Wohl  Ew.  M.,  J.  M.  der  Königin,  des
ganzen  Kgl.  Hauses  und  des  Meinem  Herzen  so  nahestehenden  bayerischen
Volkes  und  seiner  ruhmreichen  Armee.

16.  Juni.  Erfolg  deutscher  Vergeltungsmaßnahmen.

Das  „WB.“  gibt  amtlich  bekannt:  Seit  dem  Herbst  1916  wurden,
wie  bekannt,  deutsche  Kriegsgefangene  im  Operationsgebiet  der
englischen  Armee  in  Frankreich,  zum  Teil  sogar  in  der  Feuerzone,  beie
unwürdiger  Behandlung  und  Unterbringung  zu  völkerrechtswidrigen  Arbeiten
  gezwungen.  Deutsche  Proteste  blieben  erfolglos.  Daher  schritt  die
deutsche  Heeresverwaltung  im  Febr.  dieses  Jahres  zur  Vergeltung  (s.  S.  314).
Eine  Anzahl  engl.  Kriegsgefangener  wurde  in  die  Feuerzone  übergeführt
und  dort  den  gleichen  Bedingungen  unterworfen  wie  die  kriegsgefangenen
Deutschen  hinter  der  engl.  Front.  England  war  diese  Gegenmahregel  vorher
angedroht  und  gleichzeitig  mitgeteilt  worden,  daß  sie  in  Kraft  bleiben  würde,
bis  alle  deutschen  Kriegsgefangenen  mindesteus  30  Km.  hinter  die  Front
zurückgenommen  würden,  wo  sie  nicht  mehr  durch  deutsches  Feuer  gefährdet
sind.  Die  Gegenmaßregel  hat  ihren  Zweck  erreicht.  Die  engl.  Regierung