398 Kurze Geschichte der Rheinpfalz.
den Herzögen von Bayern-München der verderbliche Landshuter
Erbfolgekrieg (siehe dessen Verlauf oben Seite 203—205). Da Rupert
während dieses Krieges starb (1504), so führte sein Vater, Philipp I1, denselben
fort und endigte ihn so, daß die von Rupert hinterlassenen Söhne
Ott Heinrich und Philipp das neugebildete Fürstenthum „Pfalz-Neuburg“"
erhielten. Philipp der Aufrichtige starb 1508 und hatte zum
Nachfolger in der Regierung und in der Kurwürde seinen ältesten Sohn
##11. Ludwig V, den Friedfertigen (1508—1544). Unter ihm
brach die Reformation aus. Er zeigte sich anfangs dem neuen Glauben geneigt,
wurde aber durch die Gräuel des Bauernkrieges von der Annahme
desselben zurückgeschrect. Den Namen des „Friedfertigen“ erwarb er
sich, weil er nicht nur den Bauernkrieg, sondern auch das Aufflammen des
wilden, altdeutschen Ritterthums in Franz von Sickingen unterdrücken
half. Er starb 1544 kinderlos. Da sein Bruder Philipp, der zweitgeborne
Sohn Philipps 1, als Bischof von Freysing und Naumburg schon
1541 gestorben war, so hätte jetzt nach den Bestimmungen der goldenen Bulle
die Kurwürde an Ott Heinrich von Pfalz-Neuburg kommen sollen,
denn dieser war der ältere Sohn des 1504 verlebten Ruperts, des drittgebornen
Sohnes Philipps I. Allein Ott Heinrich und sein Bruder
Philipp verzichteten gemäß Vertrag vom 10. Juni 1524, den Kaiser Karl V
1539 bestätigt hatte, auf die Kurwürde zu Gunsten ihres Oheims Friedrich,
des viertgebornen Sohnes Philipps I, der seiner Zeit als Vormund so
viel für sie gethan hatte.
S# 12. Friedrich II (1544 — 1556), wegen seines Uebertrittes zur
lutherischen Religion „der Weise“" genannt, wußte sich solches Ansehen zu
geben, daß ihn Kaiser Karl V zu den wichtigsten Sendungen gebrauchte.
Er starb 1556 kinderlos. Ihm folgte in der Kurwürde
# 13. Ott Heinrich von Pfalz-Neuburg (1556—1559). Dieser
hatte schon als Herzog von Pfalz-Neuburg die lutherische Lehre angenommen
und verbreitet. Er zeichnete sich besonders dadurch aus, daß er die
Heidelberger Bibliothek zur ersten der damaligen europäischen Büchersammlungen
machte. Auch er hatte keine Nachkommen. Da sein Bruder Philipp
der Kriegerische schon 1548 kinderlos gestorben war, so erlosch mit
ihm 1559 die von Ludwig III, dem Gebarteten, gegründete Linie Kurpfalz
oder die ältere Kurlinie. Die Kurwürde sammt der Oberpfalz
und die Besitzungen in der Rheinpfalz kam an Friedrich III von Pfalz-Simmern
zu Simmern; Pfalz-Neuburg (die junge Pfalz) vermachte
Ott Heinrich dem Herzoge Wolfgang aus der Linie Pfalz-Simmern
zu Zweibrücken.
Die Linie Pfalz-Simmern
(1410—1867).
§ 4. Der Begründer dieser Linie, die sich allein bis auf unsere Zeit
fortpflanzte, ist Stephan (1410—1459), der drittgeborne Sohn des Kaisers
Nupert Klem. Stephan erwarb durch seine Vermählung mit Anna, der
Erbtochter des Grafen Friedrich III von Veldenz (T 1444), die Grasschaft
Veldenz und von der Grasschaft Sponheim einige Theile, welche der eben
genannte Graf Friedrich III von Veldenz durch seine Mutter Lauretta
von Sponheim geerbt hatte. Von den sechs Söhnen Stephans blieben
nur zwei, Friedrich und Ludwig der Schwarze, im Laienstande, und