114 Ölterreichs Haltung in einem preuhßßisch-französischen Konflikt.
deutschen Staaten zuletzt und auch dann noch mit Verklaufulierungen zu einem nachgiebigen
Schritte entschlossen. Wir haben bisber keine Notiz von diesem Verhalten genommen;
vielleicht bieten aber die gegenwärtigen Truppendislokationen bequeme Gelegendeit, eine
mäßige Besetzung des Ländchens (welches etwa 44 000 Einwohner zählt und ein Einnahme-
budget von 200 000 Talern hat) eintreten zu lassen. Politische Gründe machen dies sehr
wünschenswert, und beebre ich mich bei Sw. pp. die baldige Anordnung der Maßregel mit
dem ganz ergebensten Bemerken zu befürworten, daß das eigene Kontingent des Ländchens
etwa 300 Mann beträgt und bisber in Nastatt stand.
*542. Telegramm an den Bevollmächtigten für die Drager
Frledensverhandlungen Fresherrn von Werther.
[Kanzleikonzept nach Diktat Bismarcss.)]
Berlin, den 9. August 1866.
Die bedenkliche Haltung Srankreichs macht es notwendig, daß wir unfserer Beziehun-
gen zu Osterreich und Italien sicher werden. Wenn irgendein mir bisher nicht vorliegender
Verdachtsgrund für bereits bestehendes österreichisch -franzölisches Einverständnis vorhan-
den wäre, so müßten wir neuen Abschluß mit Stalien, dessen Festigkeit Sranxreich
gegenüber immerbin zweifelhaft bleibt, suchen,“ die ungarische Bewegung fördern, Allian;
mit Rußland erstreben, national-deutsche Gesamtentwicklung sofort in Angriff nehmen.
Finden Sie dagegen meinen bisherigen Eindruck bestätigt, daß Öfterreich den Frieden mit
uns schnell und ehrlich will, so müssen wir ihm dies erleichtern; können wir bei Konflikt
mit Srankreich auf Österreichs freiwillige Meutralität oder gar Bündnis rechnen, so halte
ich diesen Boden für sicherer gegen Srankreich, wie den merst angedeuteten. Es Kommt mir
vor allem darauf an, schleunigst und täglich die Eindrücke zu kennen, welche #hnen das
Verhalten Osterreichs bezüglich des Griedensschlusses macht, und ob Sie danach französisch-
österreichisches Berständnis möglich halten. Ist letzteres nicht der Fall, so machen Sie in
allen untergeordneten Fragen keine Schwierigkeiten, damit durch schnellen Abschluß mit
ÖOsterreich unsere TCruppen gegen Srankreich verwendbar werden.
543. Telegramm an den Generaladsutanten Generalleutnant
Freiherrn von Manteuffel, z. Zi. in Detersburg.
[Cigenbändiges Kon;ept.]
Auf Vismarcks wiederbolte Anfrage nach Petersburg, ob Außland „eigene Wünsche
oder Gedanken an Kompensationen“ habe (ogl. Nr. 465, 475), batte Graf edern am
20. Juli erwidert, daß nichts in der Sprache Gortschakoms und seiner intimen Umgebung
darauf schliehen lasse. Rach einem Jpäteren Berichte des Gesandten vom 6. Augult wurden
aber doch in einflußreichen russischen Kreisen, die an der Grohfürstin Helene Rückhalt fan-
2 Am 11. August wurde das Sürstentum von zwei preuhischen Kompagnien besetzt.
542. 1 Tatsächlich bat Bismarck am 10. August dem General Govone, der ihm von Aikolsburg nach Berlin
gesolgt war, die Frage vorgelegt: „Welche Haltung würde Italien bei einem Angriffe Srankreichs auf uns
einnehmen?“ Auf die ausweichende Antwort Govones sagte Bismarck: „Wir verlangen von Ztalien nur
eine wohlwollende Aeutralität und eine Haltung, die Sfterreich beunruhigen könnte.“ ovone, General
Govonec, die italienisch-preubischen Beziehungen ujw., deutsch von K. v. Bruchhausen, S. 173. 276. BVgl.
auch Bismarcks spätere Auherungen zu Th. v. Bernhardi vom 21. August (Aus dem Leben Cb. v. Verndardis,
VII. 263): „Govone hobe in so schwankender, unsicherer Weise geantwortet, daß wir uns bätten sagen
müssen, es sei auf Italien eben nicht ju rechnen, und do lei denn der Srlede mit Slterreich notwendig ge-
Faei um . gegen Frangreich gebörig vorseben zu können.“