41. Was uns die Residenzfassade Kurfürst Maximilians I. sagt. 223
Aber der Herrscher, der sich dieses Heim erbaut hatte, war ein katholischer
Fürst, der mutige, aufopferungsvolle Vorkämpfer in den 30 Kriegsjahren
für den alten Väterglauben, den er mit unerbittlicher
Strenge seinem Volke erhalten wissen
wollte — ein katholischer und ein altbayerischer
Fürst. Darum thront als geistiger Mittelpunkt
der Fassade an der Stelle, wo der welsche
„Principe“ wohl stolz das Wappenschild seines
Geschlechtes eingefügt hätte, in anmutiger Würde
das Standbild der Himmelskönigin mit dem
Jesukindlein und als leiser, holder Beiklang die
aus einem Engelreigen so entzückend sich entwickelnde
Laterne für das „ewige Licht". Und
über der Statue, dem ersten Denkmale jener
zartsinnigen Madonnenverehrung, der Maximilian
später noch in der Münchener Mariensäule
einen so volkstümlichen Ausdruck gab,
halten zwei Himmelsknaben den in seinem
demütigen Gottvertrauen für den kampferprobten
Fürsten so bezeichnenden Hausspruch: Sub tuum
praesidium confugimus, sub dquo secure
laetique degimus, oder wie es der ehrenfeste
Jurist Johannes Schmid im Jahre 1685 in
deutschen Verslein wiedergab:
Die sich dir ergeben,
In Sicherheit leben.#)
Es ist der uralte, so rührend -'schlichte
Brauch des „Hausbildes“, der uns hier entgegentritt,
des geschnitzten oder gemalten „Hauspatrones“,
dem man Schutz und Wohlergehen
der Heimstätte anvertraut, und es mutet wirklich
herzerwärmend an in monumentaler Steigerung
an dem Fürstenschlosse wiederzufinden, was selbst heute noch der bescheidensten
Söldnerhütte nicht fehlen darf, die vom einsamen Waldessaume unseres Alpenvorlandes
hinausblickt in die schweigende Bergeswelt.
Das ist der altbayerische Zug an unserer Residenzfassade.
Die Patrona Bavariae.
1) Vgl. Jakobus Balde carm. Ur. 1V, 43:
Qui Palatinac tun signa moli, Wer an seines Schlosses Portal dein Bildnis,
Virgo, praefixit, colit eminentem Jungfrau, aufstellt, ehrt dich als seine Herrin
Jon koris tantum sed et intus ipso in Nicht nach außen nur, nein, er trägt dich tief im
Pectore gestat. Innersten Herzen!