Stunde sich mehr auszubreiten. Der Kaiser übertrug die
pfälzische Kur an Bayern und wußte es dadurch ganz
an sich zu fesseln. Die Macht Bayerns beruhte damals
darauf, daß Maximilian von mehreren geistlichen Fürsten
umgeben war, die ihm gehorchten. So wurde zuerst
Oberdeutschland vollkommen unterworfen, dann die
Pfalz, hierauf der Krieg nach Niederdeutschland hinübergespielt,
der König von Dänemark, der den Protestanten
zu Hilfe gekommen war, geschlagen, von den
Österreichern unter Wallenstein ein Heer zusammengebracht,
der Herzog von Mecklenburg zur Flucht genötigt
und nun ernstlich Anstalt gemacht, den Katholizismus
auch in Norddeutschland wiederherzustellen.
Zu diesem Behufe ward der Gedanke gefaßt, die ehemaligen
geistlichen Güter sämtlich der Kirche wiederzugeben.
Deshalb wurde das Restitutionsedikt erlassen,
welches eine jahrhundertelang dauernde Entzweiung
zwischen Nord:- und Süddeutschland hervorbrachte. Die
Norddeutschen sahen ein, daß ihre Religion dem Unter:
gange geweiht sei, und es stand zu erwarten, daß die
katholische Restauration gesiegt hätte, wenn nicht eine
andere europäische Kombination dazwischengetreten
wäre.
Österreich war nämlich zugleich mit Spanien ver:
bunden, und nun wollten die Franzosen diese spanischösterreichische
Macht nicht so weit gedeihen lassen. Der
Kardinal Richelieu, welcher die Hugenotten in Frank-=reich
bekämpfte, suchte den Protestantismus in Deutschlend
aufrechtzuerhalten, setzte sich mit dem Könige von
Schweden in Verbindung und forderte ihn auf, nach
Deutschland zu kommen, indem er ihn mit Geld unterstützte.
Der König von Schweden, Gustav Adolf, der
in seinem Reiche selbst durch eine starke katholische
Partei bedroht war, kam nach Deutschland herüber,
schlug Tilly aus dem Felde, nachdem Wallenstein den
deutschen Fürsten widerwärtig geworden war, und
machte nun alles, was in Norddeutschland im anti-130