146 JNas Veutsche Reich und seine einjelnen Glieder. (Okt. 23.—Nov. 4.)
Generale und alle Armeekorps des deutschen Heeres durchzucken, in dem
Rufe: Seine Majestät, der Generalfeldmarschall König von Sachsen, er lebe
hoch! nochmals hoch! abermals hoch!“
Der Kaiser überreicht alsdann dem König Albert einen Feldmarschallstab
mit Brillanten, worauf der König von Sachsen auf
die Ansprache des Kaisers erwidert:
„Durch das Erscheinen Ew. Moajestät ist einem alten Soldaten bei
seinem Jubelfest die sehr hohe Ehre zu teil geworden, einen Kaiser an der
Spitze aller Führer des deutschen Heeres vor sich zu sehen. Ich sage Ew.
Majestät Meinen tiefgefühltesten Dank. Ist es Mir in früheren Jahren gelungen,
die Zufriedenheit des verstorbenen Kaisers und seiner Ratgeber zu
erwerben, so bin Ich dafür noch im Tode demselben dankbar. Dieser Stab,
den Ew. Majestät Mir jetzt verliehen, soll in Meinen Händen fest und
sicher sein, und sollte — was Gott verhüten möge — Ich nochmals das
Schwert für deutsches Recht und für die Sicherheit zu ziehen veranlaßt
sein, so werden Ew. Majestät gewiß glauben, daß Ich mit diesem Stab
in der Hand Meine Pflicht erfüllen werde, wie in früheren Zeiten."“
23. Oktober. Eröffnung des sozialistischen Parteitages
in Köln.
24. Oktober. Besuch des Erzherzogs Albrecht von Österreich
am Hofe in Potsdam.
27. Oktober. (Karlsruhe.) Bei den Landtagswahlen werden
gewählt: 12 Liberale, 12 Ultramontane, 2 Freisinnige, 1 Konservativer
und ein Sozialdemokrat.
Die zweite Kammer wird infolge dieser Teilwahl in der nächsten
Tagung aus 30 Nationalliberalen, 23 Ultramontanen, 5 Freisinnigen und
Demokraten, 3 Sozialdemokraten, 2 Konservativen bestehen.
27. Oktober. Sozialdem bkratischer Parteitag in Köln.
v. Vollmar und Grillenberger fehlen. Das Hauptinteresse dreht sich
um die Gewerkschaftsfrage. Die älteren Führer, namentlich Auer, suchen
mit einer Art von Gewalt Legien, den Führer der Hamburger Gewerkschaften,
die eine praktisch-nützliche Politik treiben wollen, statt der revolutionären,
niederzudrücken.
28. Oktober. (Bayern.) Dem General der Kavallerie Prinzen
Leopold von Bayern werden die Befugnisse des Generalinspekteurs
der bayerischen Armeen übertragen.
29.—30. Oktober. Besuch des Herzogs von Koburg-Gotha
in Potsdam beim Kaiser.
31. Oktober. Beendigung eines sensationellen Wucher= und
Spieler-Prozesses in Hannover.
4. November. Die „Kreuz-Zeitung“" bringt einen überaus
heftigen Artikel gegen die Bureaukratie, die sie des Liberalismus
beschuldigt.
„Der bureaukratische Apparat steht als Scheidewand zwischen Thron
und Volk; d. h. zwischen der Krone und dem Teile des Volkes, welches stets