1287 Vogelschießen — Volk.
eine vogelschenche für das ganze dorf Keller Nachl. 94.
— Vogelschießen, u Schießen nach einem hölzernen
Vogel, Art Schützensest. — Vogelstange, fk. Stange an
der ein hölzerner Vogel zum Schießen besestigt ist; bei
Vogelstellern Stange, auf die man Leimruten steckt. —
Vogelstellen, n. das Stellen nach Vögeln, Vogclfang;
dazu Vogelsteller, m., auch übertragen für den der ein
Liebchen lockt: du hast genannt mich einen vogelsteller
Freiligrath 2, 162; so zu dem liebchen los und
leicht ein loekrer vogelsteller schleicht Droste 398.
— Vogelwicke, k. Name einer Wickenart, vicia craccc.
Vogeln, Vögel sangen: aucpa#e fogeln, voglen,
vogheten Dief.: beizen und voglen Herold Ee 1612;
sich begatten, zunächst von Vögeln, in niederer Rede
liberhaupt, hier auch mit Umlaut (Stieler); sprich-
wörtlich: wie es vogelt, also legt es eyer, nar prue-
miium labori Egenolff 103°5.— Vogler, m. Vogessteller,
mhd. vogelære, vogeler: (die Vögel sahen) ein vogler
. Zurichten seinen vogelhert H Sachs Fab. 2, 327.
Vogt, m. Schirmender, Verweser, Aufseher, ahd.
fogat, mhd. voget, vogt, voit, frühes Lehnwort der
Nechts= und Verwaltungsspr. aus spätlat. vocatus für
advocatus zur Bezeichnung eines Rechtsbeistandes oder
Verteidigers; im Mhd. mit reicher Begriffsentwickelung,
insofern das Wort auf einen Schirmer, Schirmherrn,
Beschützer, vom Kaiser bis zu einem Vormund und
einem einsachen obrigkeitlichen Beamten herunter bezogen
wurde; uhd. in der Anwendung zurückgehend, noch von
Beamten verschiedener Würde: des koöniges vogt Dan.
2, 15; die fürsten, herrn, landpfleger, richter, vögte,
rete, amptleute und alle gewaltigen im lande 3, 3; ein
vogt des tempels 2. Macc. 3, 4; in neuerer Spr. nur
noch landschaftlich in titelhafter Amwendung, vgl. laod-,
umis-, bettel-, schloszrogt; auch in der Schreibung
voigt; Vorsteher eines Kirchspiels Möser Phant. 1, 157;
in der Schweiz vogt Vormund, Kurator; vogt, schirmer,
uls der pflugkinderen oder der weiszlinen, kutor, etrator
Maaler. — Vogkci, f. Amt, Besugnis, Amtswohnung,
Bezirk eines Vogtes, mhd. vogetie: die drei vogteien im
lande Samaria 1. Macc. 10, 38; bei den ältesten männern
in seiner vogtei (im Kirchspiele) Möser Phant. 1, 158.
Voll, n. verbundene Schar oder Menge; gemein-
germanisches, nur goth. nicht bezeugtes Wort, altnord.
fölk, altengl. fole, altsächs. ahd. folk, mhd. role, in
nächster Beziehung zu litt. pulkus, Haufen, Schar, Menge,
altslav. plükö Kriegsschar, sonst ohne sichere Herleitung.
Für den mhd. Plur. volk hat sich schon im Rhd. des
16. Ih. überall rölker eingestellt. Alteste Bed. die einer
kriegerischen Schar: dhazs himilised folc (coelesi#r ewer-
citus) Isidor 19, 6; machten eine volge mit deme ster-
kisten volkc dug si sammenten in allen landen Myst.
1, 231; geblieben in kriegsvolk (s. d.), auch einzeln, in
volksmäßiger Rede: unter das volk geben, unter die
Soldaten, das volk kommt, die Armee Adelung; wie
in edler: die preuszischen völker, Truppen ebd.; die
schottschen völker empören sich und drohen abzu-
zichn Schiller Jungfr. 1, 3; mein (Wallensteins) volk
zu mindern Piccol. 2, 7; volk auch Matrofen, schills-
volk, s. d.; übergegangen zu der Bed. der zu einem
Hofhalt gehörigen männlichen, bewehrten Dienerschaft,
daun zu der der Dienerschaft überhaupt: ir volk kleidete
Sifrit und ouch Sigemunt Nib. 708; fräter— Gesinde,
Dienstboten, so noch schweizerisch: als das rolk vom
ltische aufbruch, war der baner der letzte JGotthels
Schuldenb. 310: verbundene Schar unter dem Regiment
eines: (er) erwelet redliche lente aus ganzem lersel,
und macht sie zu heubter uher das volk,.das sie
das volk allczeit richten 2. Mof. 15, 25; Einwohner-
schast eines Ortes oder Landes: das volk, gemeind und
burgerschuft einer statt, nopitlus, plebs, vulgus, volk
ciues lands, gens, natio Maaler; dat volk . I.#tten,
I,i#ren, Eisten livl. Chr. 7681; gegenüber ihren Gebietern
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und den regierenden Kreisen überhaupt, daher vorzugs-
weise von den unteren Klassen einer solchen Gemein-
schaft, ausdrücklich auch bezeichnet als gemeines volk
(3. Mos. 1, 27), oder im Gegensatz: die vorvehmen und
das volk; adel und volk Schiller 7, 111; ein manu,
eine frau aus dem volke, nicht aus höheren Ständen,
auch aus dem niedern volke; bucher, lebrer, bildung
für das volk; spottend kaviar für das volk Shakesfp.
Hamlet 2, 2; in politischem Sinne, Bewohner eines
Landes: mein volk Israel 1. Kön. 6, 13; das ganze
volk Juda 2. Chron. 26, 1; das preuszische, deutsche,
englische, französische volk; das auserwählte volk, das
volk gottes, die Juden; unter Betonung sittlicher Eigen-
schaften: ein tapferes, feiges, groszmütiges, rohes volk;
das heilige volk der Germanen, wieder ein ritterlich
volk Arndt 188; die treue des volks zu seinem fürsten,
könige; — gewendet zu der Bed. Schar, Menge, ver-
bundener Haufe von Leuten, in mannigfaltigen Fügun-
gen: des volks ist zu viel, das mit dir ist Richt. 7, 2;
(Schlangen) bissen das volk, das ein gros volk in Isradl
starb 4. Mos. 21, 6; folgete jm viel volks nach Matth.
8, 1; menge volks, die um die schranken gedrängt stand
Wieland Danischm. 44; was rennt das volk? Schiller
Kampf mit d. Dr.; das volk lief zusammen, umstand
den platz, u. s. w.; auch mit verächtlichem oder leise
spottendem Beisinne: soll ich meine zimmer mit diesem
volk tapezieren? Schiller Kab. 2, 1; das junge volk
im Gegensatz zu den Alten: du weiszt, wir alten fahren
und ibr junges volk reitet Wildenbruch Opfer 13;
dieser Beisinn tritt namentlich im Diminutiv heraus:
(haben) mich ubel, als dicses völkleins art ist, aus-
gerioht Aventin 1, 8; den teufel spürt das völkchen
nie Goethe Faust 1; — volk von geschlechtlich gleichen:
manns-, franen-(Wieland Ob. 5, 45), weibsvolk;
landschastlich auch von Verbundenen in einem Stande:
ehvolk, bräntrolk, Eheleute, Brautleute Schmeller;
— übertragen auf Gemeinschaften unter Tieren: ain
gröz volk pinen Megenberg 291, 36; capinichen ein
schwach volk Spr. Sal. 30, 26; auf der weide sasz
ein volk sperlinge Freytag Soll 1, 12; bei Jägern
ein volk rebhühner, u. a. — Zusammensetzungen:
Völkerrechk, n. Recht das die Verhältulsse der Volker
und Staaten zu elnander bestimmt: verletzung des
dölkerrechts Schiller 4, 174; man hält mich hier
gefangen vider alle völkerrechte M. Stuart 1, 7. —
Völlerwanderung, k. Wanderung befonders germani-
scher Stämme nach dem Süden und Westen Europas
in der Ausgangszeit des Altertums. — volkreich, reich
an Leuten, Bevölkerung, Einwohnern: volkreiehe statt,
mit leuten wol besetzt, volkreicher schauwplatz, darinn
een grosze vile der leüten gesteckt in einandern eind
Völkerrecht — Volksgefang.
„Maaler; wir lebten an dem volkreichsten orte Gellert
4, 289; volkreiche gegend, volkreiches land. — Volls-
art, f. körperliche und geistige Art eines Volkes Fren-
tag Bild. 1, 131. — Volksbank, k. Bank, Eeldgelchäft
für die Bedürfnisse des kleinen Mannes. — volksbeliebt,
belm Volke beliebt Treitschke 5, 291. — Volksbewass-
nung, k. allgemeine Bewaffnung des Volks Häusser
d. Gesch. 3, 161. — Volksbuch, n. Buch zum Lefen für
das Volk; im engeren Sinne volksbucher die im 15.
und 16. Ih. aus älteren deutschen und französischen
Dichtwerken in Prosa bearbeiteten Erzählungen, Sagen
und Schwänke. — Volksdichtker, m. Dichter eines Volkes,
aus den breiten Schichten des Volles hervorgegangen
oder für diese Volksschichten: Dante ihr (der Italiäner)
gröszester volksdichter Herder Vorrede zum 2. Teile
der Volkslieder. — Vollsfest, n. Fest an dem die Ge-
samtheit einer Bevölkerung teilnimmt. — Bollsfreund, m.
Freund des niederen Volkes; dazu volksfreundlich, Adj.
— Vollsfsührer, m. Führer, Anführer eines Volks. —
Vollsgeist, m. Geist, Gesinnung, Anschauung der Ge-
samtheit einer Berölkerung. — Bolksgesang, m. Gesang,