Inhaltsverzeichnis : Das Regenbogen-Buch - Die europäischen Kriegsverhandlungen.

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sammenfassende  Darstellung  der  gesamten  Krisis  vom  23.  Juli
bis  zum  diplomatischen  Bruch  zwischen  England  und  Oesterreich-Ungarn,
  deren  Inhalt  und  Ton  unverkennbar  tendenziös
  sind.  Denn  es  handelt  sich  nicht  um  eine  Darstellung
der  Ereignisse  in  Wien;  Bunsen  geht  über  die  ihm  allein
zustehende  Aufgabe  eines  englischen  Vertreters  in  der  österreichischen
  Hauptstadt  hinaus  und  betrachtet  die  gesamte
politische  Situation  aus  der  Londoner  Perspektive  der  vollendeten
  Tatsachen.  Seine  Darstellung  gipfelt  in  der  Behauptung,
  dass  Oesterreich-Ungarn  bereit  war,  den  russischen
Forderungen  nachzugeben  und  Deutschland  den  Krieg  in
dem  Augenblicke  vom  Zaune  brach,  da  Oesterreich-Ungarn
sich  fügte.  Diese  Behauptung  konnte  allerdings  von  englischer
  Seite  nur  in  einem  nachträglichen  Schriftstück  aufgestellt
  und  erläutert  werden.  Sie  steht  im  Widerspruch  zu
dem  Lauf  der  Ereignisse,  so  wie  sie  in  den  übrigen  Akten
des  Blaubuches  dargestellt  werden.

Diese  kurzen  Hinweise,  auf  die  wir  uns  hier  beschränken
  müssen,  genügen  vorläufig,  um  die  Unzuverlässigkeit
  des  Blaubuches  zu  charakterisieren.  Weitere  Beispiele
werden  sich  aus  der  Zusammenstellung  der  Dokumente
selbst  ergeben.  Wenn  daher  das  Blaubuch  auch,  wie  gesagt,
für  das  Verständnis  der  Vorgeschichte  der  Krisis  unentbehrlich
  ist,  so  muss  es  immerhin  mit  grösster  Vorsicht  aufgenommen
  werden.  Man  muss  es  mit  Sorgfalt  und  peinlichster
Aufmerksamkeit  lesen.  Man  muss,  wenn  man  zu  den  letzten
allgemeinen  Behauptungen  der  englischen  Diplomatie  am
Ausgang  des  Buches  gelangt  und  die  Lücken  im  letzien
Teile  feststellt,  immer  wieder  auf  die  grundlegenden  Dokumente
  der  ersten  Seiten  zurückgreifen.  Man  muss  die
rückschauenden  Urteile  mit  den  vor  der  Zuspitzung  der
Krisis  ausgesprochenen  Meinungen  vergleichen.  Und  man
muss  sich  vor  allem  nicht  durch  die  gewollte  Ungenauigkeit
  und  Verschwommenheit  des  Stiles  täuschen  lassen.

Denn  wenn  das  Wort  «Le  style  est  ’homme»  wahr
ist,  so  kann  der  Stil  der  englischen  Telegramme  manchen
wertvollen  Aufschluss  über  die  englischen  Diplomaten  während
  der  Weltkrisis  und  den  Charakter  ihrer  Tätigkeit  geben.