164 IIf. Das höhere Lehramt.
denn hier sind nicht nur der Mathematik die wenigsten Wochenstunden zugeteilt
(33 in Bayern, 34 in Österreich), sondern es wird auch die Physik als
integrierender Teil zusammen mit der Mathematik behandelt, so daß
in den bayerischen 34 Stunden auch der gesamte physikalische Unterricht mit
inbegriffen ist.
Das Lehrziel in Bayern ist laut $ 13, 13: „Neunte Klasse: a) mathematische
Geographie; Grundbegriffe, welche sich auf die Erscheinungen am
Sternenhimmel beziehen... . Sternzeit,..... einheitliche Weltzeit ..... die Keplerschen
Gesetze; das Newtonsche Gravitationsgesetz; .-. . Bestimmung eines wahren
und eines mittleren Sonnentages; Ungleichheit der wahren Sonnentage; ...
b) .. . Mathematisches Repetitorium, . . . Wiederholung und Erweiterung sowie
übersichtliche Zusammenfassung und Vertiefung des mathematisch-physikalischen
Lehrstoffes der vier letzten Klassen, und zur Erklärung möge aus dem Lehrstoff
der achten, der vorhergehenden Klasse einiges beigefügt sein, a) Algebra:
arithmetischa und geometrische Reihen; Zinseszins- und Rentenrechnung;
b) Stereometrie: Lage und Stellung gerader Linien und Ebenen; Polyeder,
Prismen, Pyramide, Kegel und Kugel; im Anschlusse die Grundgleichungen
der sphärischen Trigonometrie; c) Physik: ... . Fallgesetze; das einfache Pendel;
die Lehre vom Lichte, Zurückwerfung, Brechung, Zerstreuung; . ... Elektrizität
und Magnetismus, Grunderscheinungen und Grundgesetze, Telegraph, Telephon.“
Es fehlt also hier die analytische Geometrie. In Österreich ist Lehraufgabe
der obersten Klasse (wöchentlich 2 Stunden) nur: „Wiederholung des
gesamten Lehrstoffes“, Lehraufgabe der vorhergehenden Klasse: Unbestimmte
Gleichungen des ersten Grades; quadratische Gleichungen mit einer Unbekannten;
Progressionen: Kombinationslehre und binomischer Lehrsatz für
ganze Zahlen; Anwendung der Algebra, namentlich der quadratischen Gleichungen
auf die Geometrie; Elemente der analytischen Geometrie der Ebene, mit
Einschluß der Kegelschnittslinien (also weiter als in Preußen nach den
Lehraufgaben für die Gymnasien!); und für Physik (3 Stunden wöchentlich):
„Magnetismus, Elektrizität, Wärme, Optik; Anfangsgründe der Astronomie und
Meteorologie.“
Diese wörtliche Wiedergabe war auch hier nötig, um nun die recht allgemein
gehaltenen Postulate der Prüfung daran zu würdigen. „Weisungen“ S. 34:
„lu der Planimetrie und Trigonometrie muB der Examinand so geübt sein, daß
er die Beweise von Lehrsätzen und die Lösung von Aufgaben, welche in
nächster und einfachster Beziehung zu den Hauptsätzen jener Gebiete stehen,
nach kurzer Überlegung selbst zu finden vermag... ferner muß er einfache
Gleichungen des ersten Grades mit einer oder mehreren Unbekannten und des
zweiten Grades mit einer Unbekannten leicht zu lösen, mit Logarithmen geläufig
zu rechnen verstehen und in den übrigen Gebieten der Arithmetik und
Algebra mit den Hauptsätzen und ihrem wissenschaftlichen Zusammenhange
bekannt sein.“ Noch weniger eingehend sind die Anforderungen in der Physik
I) Denn von analytischer Geometrie braucht man hier nichts zu wissen.